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Bumerang im Ratssaal

Ein kryptischer Schlagabtausch zur Entlohnung der städtischen Fronmeister

Nun hat es doch nicht geschneit. Die Fronmeister konnten am Donnerstagmorgen zu Hause bleiben und ihre Schippen im Schopf stehen lassen. Der vorhergesagte, dann doch ausgebliebene Schnee – jedenfalls in Rottenburg – lieferte am Dienstagabend nämlich den Hintergrund für einen kurzen Schlagabtausch im Gemeinderat. Der Oberndorfer Ortsvorsteher Karl Schneck hatte sich bei OB Stephan Neher darüber beklagt, dass die Anordnung zur Winterdienstbereitschaft für die Rottenburger Fronmeister heuer sehr kurzfristig erfolgt sei – nämlich erst am Sonntagabend, für Donnerstag, 5 Uhr.

01.12.2012

Darauf kam vom OB die kryptische Antwort: „Herr Schneck, ich habe im Ortsvorsteher-Sprengel gesagt: ,Wenn der Bumerang fliegt, weiß man nicht, wen er trifft.‘ Jetzt ist der Bumerang los.“

Da niemand im Ratssaal eine kreisende Wurfwaffe sah, konnte damit nur ein metaphorischer Bumerang gemeint sein. Doch welcher? Intensive Recherchen an den folgenden Tagen brachten eine Menge interessanter Details zu Einsatzplänen und Entlohnungssystem Rottenburger Fronmeister zutage. Etwa, dass diese vom Zeitpunkt der Anordnung zur Winterdienstbereitschaft bis Ende März Schippe bei Fuß stehen müssen, um bei entsprechender Wetterlage von morgens um 5 Uhr bis abends um 21 Uhr die Gehwege an Bushaltestellen, vor Kindergärten und öffentlichen Gebäuden freizuschaufeln. Dafür bekommen sie eine Zulage – und die Überstunden dürfen im Frühjahr abgefeiert werden.

Die meisten der nicht üppig besoldeten Fronmeister freuen sich angeblich übers Zusatzgeschäft, doch nun hat einer – haben vielleicht auch mehrere – das System via Gemeinderats-Anfrage in Frage gestellt. Denn offenbar ist bisher ungeklärt, ob so lange Bereitschaftszeiten rechtlich überhaupt zulässig sind. Dies will OB Neher nun klären lassen – und das könne zum Nachteil der Beschäftigten ausgehen, sagte er.

Eigentlich ganz schön cool (die Vokabel passt irgendwie zum Winterwetter): So lange alle den Mund halten, ist jeder zufrieden, dass die Fronmeister ihre Pflicht erfüllen. Wenn einer aber Ungereimtheiten im System aufdeckt, sollen es ausgerechnet die Geringverdiener ausbaden? Hoffentlich kommt keiner auf die Idee, mit der Schippe zu werfen; deren Flugbahn ist eine Parabel, keine Metapher.Ulrich Eisele

Ein kryptischer Schlagabtausch zur Entlohnung der städtischen Fronmeister

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01.12.2012, 12:00 Uhr

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