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Skulptur

Ein massiver Karl Marx – und dann?

China will Trier zum 200. Geburtstag des Denkers eine enorme Statue schenken. Das gefällt dort nicht jedem.

04.11.2016
  • DPA

Trier. So ein großes Geschenk hat in Trier keiner erwartet. 6,30 Meter hoch ist die Karl-Marx-Statue, die Chinas Regierung der Stadt zum 200. Geburtstag des Philosophen im Mai 2018 vermachen will. Inklusive Podest zwar, aber deutlich massiver als Anfang des Jahres gedacht, als der chinesische Künstler Wu Weishan mit einer Delegation aus Peking zu Gesprächen über sein Kunstwerk in die Marxsche Geburtsstadt gekommen war. Nicht nur die Höhe des Bronzestücks, auch ihr geplanter Standort hat in Trier teils heftige Kritik ausgelöst: Der Riesen-Marx soll auf den Simeonstiftplatz bei der Porta Nigra kommen.

„6,30 Meter sind für unsere Stadt im Bereich der historischen Altstadt schon sehr hoch“, sagt der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD). Doch künstlerisch ergebe das durchaus einen Sinn: Der Künstler wolle eine Sichtachse zu dem Haus in der Simeonstraße schaffen, in dem Karl Marx bis zu seinem 17. Lebensjahr lebte. Da das Gelände abfalle, brauche man die Höhe, wenn man vom Wohnhaus aus Kopf und Brust der Statue sehen wolle. „Es wird eine Bereicherung für Trier“, meint Leibe. Ob Trier das Geschenk annimmt, soll der Stadtrat entscheiden.

Die FDP-Fraktion lehnt die Statue an dem „stadtbildprägenden Platz“ ab, da sie von einem kommunistischen Regime komme und Marx' Glorifizierung dienen solle. Die CDU ist mehrheitlich für die Annahme des Geschenks, auch wenn sich „sicherlich über die Größe und den Standort diskutieren“ lasse. Die Skulptur ermögliche, sich kritisch mit Werken und Wirken des wohl „berühmtesten Sohnes“ der Stadt Trier auseinanderzusetzen.

Schattenriss soll's richten

Dabei weiß noch niemand, wie die Statue aussieht. Wu Weishan, der Direktor des Nationalen Kunstmuseums in Peking, ist für abstrakte Arbeiten bekannt. „Es ist nie geplant gewesen, dass da ein sozialistisch-stalinistisches Denkmal hinkommt“, sagt Leibe. Er hofft auf einen baldigen Entwurf, von dem er einen Schattenriss anfertigen und auf dem Platz aufstellen lassen will. Dann könne jeder mitdiskutieren.

Jährlich kommen tausende chinesische Touristen nach Trier – auch in Marx' Geburtshaus. Doch der Denker bleibe umstritten, sagt Beatrix Bouvier, die eine in Trier fürs Jubiläumsjahr 2018 geplante große Ausstellung über ihn wissenschaftlich leitet. Kritik sei legitim. „Ich sehe die Diskussion als Chance, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, meint die Historikerin. In Wuppertal habe es eine „ganz ähnliche Diskussion“ gegeben, als China der Geburtsstadt von Friedrich Engels (1820-1895) ein Engels-Denkmal schenken wollte. dpa

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04.11.2016, 06:00 Uhr

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