Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Ein mulmiges Gefühl bleibt
Auch knapp zwei Wochen nach den Attentaten von Paris wird die deutsch-französische Grenze von der Bundespolizei intensiv überwacht - wie hier auf der Europabrücke in Kehl. Entlang der Grenze sind oft auch zivile Kräfte im Einsatz. Foto: dpa
An der französischen Grenze gibt es nach wie vor Kontrollen

Ein mulmiges Gefühl bleibt

Auch knapp zwei Wochen nach den Terroranschlägen in Paris werden Grenzgänger von und nach Frankreich kontrolliert. Entlang des Rheins beobachten Beamte der Bundespolizei den Verkehr - oft auch in zivil.

26.11.2015
  • PETRA WALHEIM

Neuenburg/Kehl: Die Wirtin eines Restaurants in Breisach bei Freiburg wirkt enttäuscht und verärgert. "Die ersten drei Tage nach den Anschlägen wurde rund um die Uhr kontrolliert", sagt sie. Seitdem werde die Rheinbrücke nicht mehr überwacht. "Das war s dann schon", grummelt sie. Zwar fühlt sie sich nicht direkt bedroht. Aber ihr wäre trotzdem wohler, wenn sie Beamte der Bundespolizei am Grenzübergang zwischen Deutschland und Frankreich wüsste. Bei einer Recherche-Fahrt von Neuenburg bis Kehl zeigte sich, dass vor allem auf den großen Rheinbrücken der Verkehr nach wie vor überwacht wird, was auch zu langen Staus führt. An kleineren Übergängen ist von einer Kontrolle meist nichts zu sehen.

Das Überqueren der Staatsgrenze verläuft bei Neuenburg/Chalampé, knapp 40 Kilometer südlich von Freiburg, am frühen Nachmittag problemlos. Statt der sonst zwei Fahrstreifen ist nur einer freigegeben. Darauf rollt der Verkehr in einer Kolonne an Schildern vorbei, die die Autofahrer auffordern, vom Gas zu gehen. Direkt an der Kontrollstelle ist noch Tempo 30 erlaubt. Die Schilder, auf denen 110 steht, sind überklebt. Mehrere Polizeibeamte beobachten aufmerksam die Fahrzeuge, die die Grenze überqueren. Die meisten werden durchgewinkt. In der Mitte des Übergangs stehen Autos, die angehalten wurden. Nach welchen Kriterien die Kontrollen stattfinden, geben die Polizeibeamten nicht preis.

Die Fahrt am Rhein entlang in Richtung Norden führt vorbei am umstrittenen Kernkraftwerk Fessenheim. Seit Jahren fordern Umweltschützer und Kernkraft-Gegner die Schließung des ältesten französischen Akw. Es stammt aus den 1970er Jahren, und die Gegner halten es für nicht sicher. Die französische Regierung fährt in der Frage einen Schlingerkurs. Bis zum September gab es die Zusage aus Paris, das Akw werde 2016 abgeschaltet. Anfang September wurde erneut ein Rückzieher gemacht und die Schließung für 2018 angekündigt. Rund um die Anlage herrscht Ruhe. Zwei Männer in Warnwesten befestigen am Maschendrahtzaun, der das Gelände sichern soll, knallrote Schilder. Darauf wird informiert, dass es sich hier um eine nukleare Zone handelt und der Zutritt verboten ist.

Obwohl die Besucherin mehrfach neugierig an dem Zaun hin und her fährt und schließlich anhält, kann sie die Aufmerksamkeit der Männer nicht gewinnen. Direkt am Kernkraftwerk gibt es einen kleinen Rheinübergang nach Hartheim/Heitersheim. Er ist geöffnet. Polizeibeamte sind nicht zu sehen.

Was offenbar nichts heißen muss. Die Kontrollen fänden "nicht ausschließlich und zwingend direkt am Grenzübergang statt, sondern können auch im 30-Kilometer-Bereich erfolgen", sagt Steffen Zaiser, Sprecher der Bundespolizei in Stuttgart, die für das ganze Land zuständig ist. Außerdem seien nicht nur uniformierte Beamte im Einsatz, sondern auch zivile Kräfte. "Diese sind nicht unmittelbar erkennbar." Nähere Angaben zu Einsatzorten und -zeiten und die Zahl der Beamten macht Zaiser nicht. Auch nicht dazu, wie lange kontrolliert wird.

Beim Überqueren des Rheins über eine kleine Schleusenbrücke bei Sasbach am Kaiserstuhl warten überraschenderweise mehrere Beamte auf deutscher Seite auf Grenzgänger, darunter auch französische Polizisten. Zaiser bestätigt, dass die deutsche Bundespolizei eng mit den französischen Kollegen zusammenarbeitet. Offensichtlich wird das in Kehl im gemeinsamen Zentrum der deutschen und französischen Polizei. Die Europabrücke bei Kehl ist einer der wichtigsten Grenzübergänge und ein Kontroll-Schwerpunkt. Dort entstehen lange Staus. Viele Reisende zeigten dafür "Verständnis und Zustimmung", sagt Zaiser. "Oft wird den kontrollierenden Beamten auch Dank und Anerkennung für ihre Arbeit ausgesprochen." Trotzdem: Es bleibt ein mulmiges Gefühl, wie es auch die Wirtin der Gaststätte in Breisach zum Ausdruck gebracht hat.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

26.11.2015, 08:30 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball