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SPD und Linke fordern die Umbenennung der Karl-Adam-Straße

Ein neuer Name gesucht

Karl Adam war ein begeisterter Anhänger von Adolf Hitler. Die Tübinger SPD und die Linke fordern deshalb eine Umbenennung der Straße, die auf dem Horemer an den katholischen Theologen erinnert.

24.11.2010
  • Stefan Zibulla

Ein neuer Name gesucht
Von 1919 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1948 lehrte Karl Adam Dogmatik an der Universität Tübingen. Der katholische Theologe, der 1966 gestorben ist, liegt auf dem Tübinger Stadtfriedhof begraben. Bild: Zibulla

Tübingen. Der Kirchengemeinderat der katholischen Gemeinde St. Paulus, die in der Tübinger Karl-Adam-Straße sowohl ihre Kirche als auch ihr Gemeindezentrum und ein Kinderhaus hat, plädiert für eine Umbenennung. „Adam war ein Sympathisant des Nationalsozialismus mit einer antisemitischen Einstellung und kann deshalb nicht mit einer Straße geehrt werden“, erklärt Thomas Fliethmann.

„Allerdings kann es nicht damit getan sein, ein Straßenschild auszutauschen“, betont das Mitglied des Kirchengemeinderats. „Die Stadt muss sich auch überlegen, wie sie mit der tiefbraunen Vergangenheit ihrer Universität umgeht“, fordert der katholische Theologe, der seit September das Institut für Fort- und Weiterbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart leitet.

„Die Umbenennung darf nicht nur eine kosmetische Maßnahme sein“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Kirchengemeinderates der Paulusgemeinde. Als Ersatz für Adam schlägt der Kirchengemeinderat den Theologen Alfons Auer vor, der 2005 im Alter von 90 Jahren in Tübingen gestorben ist. „Der Kirchengemeinderat sieht in Auer den „Vorreiter einer modernen theologischen Ethik, die ihre Basis in der Freiheit der Vernunft hat.“ Zudem würde er gut zu den umliegenden Straßennamen mit Tübinger Gelehrten und den drei katholischen Institutionen in der Straße passen.

Dorothea Kliche-Behnke will sich zusammen mit der Paulusgemeinde, der die SPD-Gemeinderätin angehört, für eine Umbenennung der Karl-Adam-Straße einsetzen. Während die Auseinandersetzung mit Adams Vergangenheit in der Stadt bisher nur mühsam in die Gänge kam, „wird an der Uni offen darüber diskutiert“, stellt die katholische Theologin fest.

In einem Antrag, der am 19. Oktober eingebracht wurde, fordern die Grünen die Stadtverwaltung auf, das Gespräch mit der Paulusgemeinde zu suchen. „Heute würde man sicher keine Straße nach Karl Adam benennen“, räumt Roland de Beauclair ein. „Wir sind uns aber nicht sicher, ob eine Umbenennung der richtige Weg ist“, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Denkbar seien seiner Meinung nach auch andere Möglichkeiten der Kommentierung, „mit denen bewusst gemacht wird, welche Stimmung in der 60er-Jahren in Tübingen herrschte“.

Die Linke will einen Antrag auf Umbenennung zusammen mit einer Liste von möglichen Namen als Alternative in den Gemeinderat einbringen. „Darauf stehen Verfolgte des Naziregimes, die mit Berufsverbot belegt wurden oder ins KZ kamen“, erklärt Anton Brenner. Dazu gehören unter anderem der Physik-Nobelpreisträger Hans Bethe, der von den Nazis wegen seiner jüdischen Abstammung aus der Uni entlassen wurde und der Jurist Helmut Erlanger, der im KZ auf dem Heuberg interniert gewesen war.

Die Linke fordert auch eine Umbenennung der Scheefstraße. Adolf Scheef war von 1927 bis 1939 Oberbürgermeister von Tübingen. Brenner: „Unter seiner Herrschaft stellte Tübingen als erste deutsche Stadt vor dem Freibad ein Schild mit der Aufschrift „Kein Zutritt für Hunde und Juden“ auf.“

In Rottenburg sorgte die Nazi-Vergangenheit von Karl Adam bereits für heftige Diskussionen. Bischof Gebhard Fürst hat daraus Konsequenzen gezogen und will das Karl-Adam-Haus, in dem die Katholische Hochschulgemeinde ihren Sitz hat, künftig nach dem Jesuitenpater Rupert Meyer benennen.

Trotzdem hat die Tübinger UFW-Fraktion laut ihrem Vorsitzenden Dieter Barth noch keine Meinung zur Karl-Adam-Straße. Auch die CDU-Fraktion hat zu dem Thema „noch keine Linie“, erklärt ihr Vorsitzender Ulrich Latus. „Wir werden uns erst damit befassen, wenn ein entsprechender Antrag im Gemeinderat eingebracht wird.“

Die Tübinger FDP will das Thema auf ihrer nächsten Fraktionssitzung diskutieren. „Grundsätzlich ist es richtig, sich über den Straßennamen Gedanken zu machen“, findet Kurt Sütterlin. Allerdings hält der Fraktionsvorsitzende einen „Austauschmechanismus“ für problematisch. „Eine Namensgebung muss ein eigenständiger Akt sein. Wenn wir eine andere Person als Lückenbüßer für Karl Adam suchen, würden wir sie abwerten.“

Um das Meinungsbild zu eruieren, plädiert Ulrike Heitkamp für einen runden Tisch. „An dem sollen Vertreter der Geschichtswerkstatt und der katholischen Kirche mit der Stadtverwaltung und den Fraktionen diskutieren“, schlägt die Vorsitzende der Tübinger WUT-Fraktion vor.

Ein neuer Name gesucht
Karl Adam

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24.11.2010, 12:00 Uhr

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