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Lärm von der Wankheimer Fest-Scheune vor Gericht

Ein neues Lärm-Gutachten soll her

Ein lange schwelender Wankheimer Konflikt um Feier-Lärm wurde gestern vor dem Tübinger Landgericht ausgetragen. Allerdings ohne unmittelbares Ergebnis. Das Gericht will vor der Entscheidung über die von der Fest-Scheune in der Ortsmitte ausgehenden Belästigungen noch ein unabhängiges Lärm-Gutachten hören.

28.07.2014
  • Ulrike Pfeil

Tübingen / Wankheim. Die rund 30 Sitzplätze im Gerichtssaal waren nahezu voll besetzt, großenteils von Mietern des Klägers Hermann Schäffer. Der Eigentümer eines Malerbetriebs und eines Mehrfamilienhauses an der Ecke Haupt- und Walbenstraße klagt seit der Eröffnung der Fest-Scheune von Andreas Kemmler vor zwei Jahren auf der anderen Seite der Walbenstraße über unzumutbare Lärm-Belästigung durch die Feiernden. Ein bis zwei Mal pro Woche, in der Regel freitags und samstags, ist die Fest-Scheune vermietet, überwiegend für private Feste wie Hochzeiten oder Geburtstage.

Auf den Platz zwischen Fest-Scheune und Hauptstraße hat die Familie Kemmler inzwischen noch Ferienwohnungen, einen Laden und ein Café gebaut, die demnächst eröffnet werden sollen. In einem öffentlich-rechtlichen Vertrag, den die beiden Kontrahenten beim Tübinger Landratsamt im vergangenen Jahr schlossen, verpflichtete sich der Betreiber zu weiteren Lärmschutz-Vorkehrungen auch an der Scheune selbst, etwa dem Einbau von stärkeren Fenstern.

Ob denn das nicht schon etwas gebracht habe, wollte Richterin Andrea Wimmer von Hermann Schäffer wissen. Der Nachbar-Hausherr, der selbst bereits zwei Lärm-Gutachten beauftragt hat, nahm jedoch keine Besserung wahr. Die neue Vierfach-Verglasung zur Walbenstraße hin könne bei einem Fachwerkbau gegen den Lärm ohnehin nichts bewirken. „Das liegt in der Natur der Sache“, sagte Schäffer.

Sein Anwalt, der Reutlinger CDU-Landtagsabgeordnete Dieter Hillebrandt, wies auf jüngere Mieter-Beschwerden hin. Erst vor wenigen Tagen seien Anwohner nach Mitternacht von Feiernden aus dem Bett geklingelt worden, die ihnen Sekt anboten; noch später wurde eine andere Mieterin aus dem Schlaf gerissen mit der Bitte, man wolle von ihrem Balkon aus auf die Fest-Scheune schauen.

Die Lärm-Belästigung habe sich durch die Neubauten zwar für Anwohner der Hauptstraße verbessert, für die Walbenstraße aber verschlechtert: Nun werde jedes Geräusch von den Wänden, den Fenstern und dem glatten Bodenbelag reflektiert und wie durch einen Trichter auf das Nachbarhaus gelenkt. Ein weiteres Problem seien die Menschen, die sich im Freien unterhalten, umkippende Flaschen und knallende Autotüren.

Hillebrandt betonte, es gehe seinem Mandanten nicht darum, einen Wirtschaftsbetrieb zu verhindern, man sei um einen Vergleich bemüht. Um zu verhindern, dass bei Partys nach 22 Uhr mehr Lärm erzeugt wird als erlaubt, schlug er eine Verstärker-Anlage mit „verplombtem Regler“ vor, die man nicht mehr beliebig aufdrehen könne. Außerdem forderte er einen professionellen Wachdienst und eine spätere Aufräumzeit am Sonntagmorgen.

Andreas Kemmler (sein Vater Albrecht Kemmler ist formal Eigentümer und Betreiber der Fest-Scheune und daher der eigentliche Beklagte) beteuerte, dass man den Kunden stets Verhaltensregeln mitgebe. Auch schaue seine Frau mindestens einmal jede Stunde, dass es nicht zu laut werde. Johannes Lang, der Reutlinger Anwalt der Familie Kemmler, hielt eine gedrosselte Musikanlage für unmöglich – die Mieter brächten ja ihre eigenen Anlagen mit, und Musiker würden sich auf keine anderen einlassen. Im übrigen vermisste er bei Schäffer die „Anspruchsgrundlage“.

Der Klosterhof als warnendes Beispiel

Bei Lärm müsse man zwischen subjektivem Empfinden und objektivem Befund unterscheiden, betonte die Richterin. Da sich die beiden Parteien über einen Grenzwert und die Wege dahin nicht einig werden konnten, entschied sie, vor einem gerichtlichen Beschluss einen unabhängigen Gutachter aus Pforzheim mit einer weiteren Lärm-Messung zu beauftragen. Vielleicht, so hoffte sie, habe der Gutachter dann auch eine Idee, wie man den Streit beilegen könne.

Hermann Schäffer ist überzeugt, dass es den Betreibern nicht gelingen werde, den Lärm unter den zulässigen Grenzwert von 45 Dezibel nach 22 Uhr zu drücken. „Hundert bis 150 Leute können keine leise Veranstaltung machen“, sagte er.

Sein Anwalt Hillebrandt hatte beim Tübinger Landratsamt den Eindruck gewonnen, dass die Genehmigung für die Fest-Scheuer heute so gar nicht mehr erteilt würde. Man habe in Kusterdingen inzwischen auch Erfahrungen mit dem Klosterhof, in ähnlich zentraler Lage. Dort ist nach Anwohnerprotesten nur noch ein eingeschränkter Fest-Betrieb erlaubt. „Das hätte die öffentliche Hand bedenken müssen“, sagte Hillebrandt.

Am 15. August wird das Gericht seinen Beschluss verkünden. Die Mieter von Hermann Schäffer wurden in der Verhandlung als Zeugen nicht gehört. Sie finde die Fest-Scheune eigentlich sehr schön, sagte eine junge Frau nach dem Gerichtstermin: „Tolle Idee, nur am falschen Standort.“ Erst jüngst sei sie an einem Sonntag um sieben Uhr früh von klappernden Aufräumarbeiten geweckt worden. An eine Besserung glaubte sie nicht wirklich: „Wenn die Leute ein Fest machen, dann wollen sie halt auch feiern.“

Ein neues Lärm-Gutachten soll her
Mit dem Transparent an seinem Haus an der Wankheimer Hauptstraße protestierte Hermann Schäffer gegen Belästigungen von der benachbarten Fest-Scheune. Gelöst wurde das Problem auch bei der gestrigen Gerichtsverhandlung nicht. Archivbild: Pfeil

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28.07.2014, 12:00 Uhr

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