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Märchen

Ein phänomenales Aschenbrödel

Sie ist die Heldin in einem deutsch-tschechischen Kultfilm, der längst ein Weihnachtsklassiker ist. Dabei hatte die tschechische Schauspielerin Libuše Šafránková beim Angebot 1973 zunächst gezögert.

24.12.2016
  • DPA

Er ist seit bald 40 Jahren der Kult-Märchenfilm im Weihnachtsprogramm schlechthin. Seine Drehorte sind wahre Pilgerstätten für Fans. Entstanden ist „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ im Jahr 1973, gedreht wurde vor allem im sächsischen Schloss Moritzburg. Fans nennen den Film nur kurz „3HfA“.

„Eigentlich sollte es ein Sommerfilm werden, wie der Kulturwissenschaftler Stefan Retzlaff erzählt. Da aber die Produzenten sofort anfangen wollten mit dem Dreh, wurde alles auf Winter umgeschrieben. Die Hauptdarstellerin Libuše Šafránková und die anderen Schauspieler froren trotz langer Unterhosen in ihren leichten Renaissance-Kostümen, obwohl die Stoffe vor dem Dreh schnell noch gefüttert worden waren.

Die weißen Landschaften machten es „zum Weihnachtsmärchen schlechthin“, sagt „3HfA“-Forscher Retzlaff. Die Story sei Teil des Phänomens. „Es ist die Geschichte eines sozialen und persönlichen Aufstiegs.“

Es sei ein selbstbewusstes Aschenputtel, das sich nicht unterkriegen lasse. „In dieser Modernität und Spritzigkeit einer emanzipierten Hauptfigur liegt ein Grund für die anhaltende Beliebtheit“, meint Kunsthistorikerin Margitta Hensel. Auch die Musik von Komponist Karel Svoboda spielte eine große Rolle.

Dabei war die damals 20-jährige Hauptdarstellerin Libuše Šafránková, heute 63, erst nicht begeistert vom Rollenangebot, erzählt sie im Interview.

Welche Bedeutung hat dieser Film für Sie?

Libuše Šafránková: Es war einer von vielen Filmen, die in dieser Zeit gedreht wurden. Ich hatte gerade die Dreharbeiten zu „Babicka“ hinter mir. Der Autor František Pavlícek, der auch „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ geschrieben hat, lud mich dafür zum Casting ein. Als ich diese wunderschöne Gelegenheit bekommen habe, probte ich gerade die Sonja in Tschechows „Onkel Wanja“ im Cinoherní klub Theater. Um aufrichtig zu sein, hatte ich keine Lust, von der Arbeit wegzugehen. Ich habe den Regisseur gefragt, was ich machen soll. Er warf dann einen Blick auf die Bühne und sagte: „Schau mal, du bist eigentlich die Letzte in diesem Theater, die noch drehen kann. Nimm deinen Mut zusammen und fahre!“ Und so bin ich gefahren. Am Tag tummelte ich mich auf den wunderhübschen verschneiten deutschen Ebenen oder wusch die Wäsche im Böhmerwald, und abends habe ich in Prag Theater gespielt.

Woran erinnern Sie sich besonders gern?

Armbrustschießen. Dazu kam ich wie die Jungfrau zum Kind. Ich spannte, zielte, drückte das Auge zu, aber den Zapfen traf ein anderer Schütze. Erst viel später wurde mir eine Rolle angeboten, in der ich tatsächlich schießen gelernt habe. Es hat mir wirklich großen Spaß gemacht. Zu meiner Überraschung habe ich gleich beim ersten Mal mehrmals ins Schwarze getroffen. Die Zielscheibe bewahre ich bis heute im Schrank auf.

Gehört „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ auch in Ihrer Familie zum Feiertagsprogramm?

Wir sind eine große Familie, die christlichen Feiertage feiern wir traditionell. Ich wurde so aufgezogen. Mein Vater war Organist und Regens Chori in der Mariä Himmelfahrt Kirche in meiner Heimat Mähren. Der Fernseher wird am Heiligen Abend nicht eingeschaltet, das haben auch meine Märchen nicht geändert.

Wie erklären Sie sich den Erfolg dieser Produktion über Jahrzehnte hinweg?

Es war eine glückliche Konstellation. Alle Berufe, die sich bei den Dreharbeiten getroffen hatten, waren in bester Kondition: Regisseur, Kameramann, Schauspielerbesetzung, einfach der ganze Stab. Schließlich der Schnee, er hat dem Märchen seine Reinheit gegeben. In jedem alten Märchen sind eigentlich die Anleitung zum mystischen Weg und der Schlüssel zur geistlichen Entwicklung. Die Kinderseele kann es wahrscheinlich auf eine bestimmte Weise herausfühlen und mit sich bis ins Erwachsenenalter mitnehmen. dpa

Zur Person Libuše Šafránková (63) ist eine beliebte tschechische Schauspielerin. Sie war 20 Jahre alt, als sie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ drehte. Danach spielte sie in weiteren Märchenfilmen, aber auch in „Der Tag, der die Welt veränderte“ mit Maximilian Schell oder eine der Hauptrollen im Oscar-prämierten Filmdrama „Kolya“ (1996).

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24.12.2016, 06:00 Uhr

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