Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Wilhelm Volle starb am Sonntag mit 83 Jahren

Ein schwäbischer Schaffer

Lustnau. Er war fast ein Vierteljahrhundert Kommunalpolitiker, zu einer Zeit, da die Welt gestaltbar schien und man sogar teure Wünsche für bezahlbar hielt. Wilhelm Volle, der am Sonntag mit 83 Jahren gestorben ist, war fast immer in Bewegung. Er wollte seinen Geburtsort Lustnau, die Stadt Tübingen und nicht zuletzt seine Familie mit aller Kraft voran bringen.

06.10.2011

Als 40-jähriger Postinspektor, freigestellter Vorsitzender des Personalrats, kam er 1968 auf der Liste der CDU in den Gemeinderat – auf Anhieb und mit sehr vielen Lustnauer Stimmen im Rücken. Dabei war er weder der geborene Redner noch Stratege oder gar Strippenzieher. Er stand eher für den Typ strebsam und volksnah. Ein eigenes Gymnasium und ein Schwimmbad für Lustnau blieben sein Traum. Das Neubaugebiet auf der Höhe, das Gewerbegebiet im Tal und die Umgehungsstraße sind längst Realität. Am Hochwasserdamm wird gebaut.

Es gibt aber vermutlich keine Erfolgsbilanz, die den kernigen Lustnauer je hätte rundum zufriedenstellen können. Er wollte stets mehr, es wenigstens „probieren“, und dafür galt es in die Hände zu spucken und anzupacken.

Ende 1992 verließ Wilhelm Volle die kommunalpolitische Bühne. Das lange Diskutieren und ewige Abwägen war nicht sein Ding. Der Ponyhof wurde für den Hobby-Landwirt immer wichtiger: 27 Pferde, die gefüttert und versorgt sein wollten. Dutzende Kinder kamen zum Reiten auf den Herrlesberg und starteten von hier zur zweistündigen geführten Tour rund um Pfrondorf – tägliche Freude, aber eben auch Verpflichtung.

Der Rückzug aus Vereins- und Ehrenämtern verschaffte dem Post-Pensionär mehr Zeit für die geliebte Familie. Die vier erwachsenen Kinder und die Schwiegerkinder, den Pflegesohn und die sechs Enkel um sich zu scharen, machte das Familienoberhaupt glücklich. Dass alle eine gute Ausbildung absolvierten und „etwas Rechtes“ wurden, erfüllte ihn mit Stolz. Als schwäbischer Dickkopf gab er mitunter in privaten Dingen die Richtung vor, zuweilen aufbrausend, aber immer „gut gmoint“. Die Familie im Gleichgewicht zu halten, war vornehmste Aufgabe seiner gleichaltrigen Frau Ruth.

Bis Februar des Jahres reichte deren Energie, den Ehemann zuhause zu pflegen. Denn dem Schaffer ging zusehends die Kraft aus. Seit jeher unter Blutarmut leidend, wurde er immer müder und verlor gelegentlich vorübergehend das Bewusstsein, sodass zuletzt das Poloni-Heim der bessere Platz für ihn war.

Als er trotz liebvoller Fürsorge und intensiver medizinischer Kunst sein Ende kommen sah, so erzählt seine älteste Tochter, habe er sich damit echt schwäbisch arrangiert und gesagt: „Ihr hent jetzt gnug Kommöde mit mir ghett“. Wilhelm Volle wird am morgigen Freitag, 13 Uhr, auf dem Lustnauer Friedhof beerdigt.

ec

Ein schwäbischer Schaffer
Wilhelm Volle Archivbild

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

06.10.2011, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball