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Ein so genannter „City Tree“ soll in der Tübinger Mühlstraße Schadstoffe filtern und die Luft kühlen
Dieser „City Tree“ steht in Jena – und filtert dort angeblich eine Menge Feinstaub aus der Luft. Bild: Green City Solutions
Feinstaub · Eine Mooswand für bessere Luft

Ein so genannter „City Tree“ soll in der Tübinger Mühlstraße Schadstoffe filtern und die Luft kühlen

Im Berliner Hauptbahnhof steht eine, in Oslo, Dresden, Jena und Paris stehen welche. Jetzt will sich auch Tübingen so eine grüne Wand anschaffen.

22.04.2017
  • Sabine Lohr

„City Tree“ – Stadtbaum – heißt das rund vier Meter hohe und drei Meter breite, mit Moosen und anderen Pflanzen bestückte Gebilde, das nach Angaben des Berliner Herstellers „Green City Solutions“ Feinstaub und Stickoxide aus der Luft filtern soll.

Die Tübinger Stadtverwaltung schlägt nun vor, ein solches Modul – der Kaufpreis liegt bei rund 30000 Euro – in der Mühlstraße aufzustellen. Und zwar auf der Schulberg-Seite, angrenzend an die Fahrradständer, im rechten Winkel zur Stadtmauer.

Moose stark wie 275 Bäume

Der Grund ist die Feinstaubbelastung in der Mühlstraße. Im Jahr 2014 wurde der Grenzwert von 50 Mikrometer pro Kubikmeter Luft an 14 Tagen überschritten, im Jahr 2016 an 24 Tagen. Erlaubt sind maximal 35 Tage, an denen der Grenzwert überschritten werden darf. „Parallel zur Fortschreibung des Luftreinhalteplans durch das Regierungspräsidium Tübingen prüfen und ergreifen die Stadtverwaltung und die TüBus weitere Maßnahmen zur Reduzierung der Schadstoffbelastung“, heißt es in der Vorlage für den Verwaltungsausschuss, der über das Thema am kommenden Donnerstag, 27. April, berät.

Die Wand ist beidseitig mit Pflanztöpfchen bestückt, in denen jeweils eine Deckpflanze und eine spezielle Moosart sind. Die Deckpflanze schützt das Moos vor Sonneneinstrahlung. Die Grünfläche beträgt damit rund 17 Quadratmeter. Die Hersteller geben an, die Moose würden jährlich im Umkreis von bis zu 50 Metern 70 Kilogramm Feinstaub aus der Luft filtern – so viel wie 275 Bäume. Zudem würden die Pflanzen rund 240 Tonnen Kohlenstoffdioxid binden. Außerdem würden sie die Umgebung kühlen. Die Pflanzwand ist mit einem Wassertank und einer Photovoltaikanlage ausgestattet. Außerdem verfügt das System über einen Internetanschluss: Ist der 1000 Liter fassende Wassertank leer, bekommt die verantwortliche Stelle eine E-Mail über die Cloud.

In Stuttgart wurden wegen der hohen Feinstaubbelastung ähnliche Mooswände eines anderen Herstellers an der Cannstatter Straße aufgebaut – als Projektversuch. Damit soll herausgefunden werden, ob Moose tatsächlich Feinstaub-Partikel aus der Luft filtern. Das nämlich sei bisher nur im Labor untersucht worden, sagte der Stuttgarter Umweltbürgermeister Peter Pätzold, als er der Presse vor vier Wochen den Versuch erläutert hat.

Das Regierungspräsidium Tübingen hat im Februar die Wirksamkeit eines „City Trees“ als „leicht positiv“ beschrieben. Ebenso wie die der Pflastersteine, die im Zinser-Dreieck verlegt wurden und die Titandioxid enthalten. Das soll Sonnenlicht und Stickstoffoxide (NOx) in ungiftiges Nitrat umwandeln, das sich auf den Steinen absetzt und durch Regenwasser abgewaschen wird. Damit soll die Belastung mit Stickstoffoxid gesenkt werden. Auf TAGBLATT-Nachfrage teilte die städtische Pressestelle mit, dass die Stadt keine Messungen dazu mache. slo

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22.04.2017, 01:00 Uhr

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