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Wenn der Vater dem Sohn assistiert

Ein ungewöhnliches Trainer-Duo

Burkhard Klippel hat schon aktiv Fußball gespielt, da gab’s noch nicht einmal die Bundesliga. Und der Fußball lässt den 68-Jährigen nicht los. Aktuell ist er Co-Trainer beim A-Ligisten des Bezirks Nördlicher Schwarzwald, der SG Rohrdorf-Eckenweiler – Cheftrainer ist dort sein Sohn Michael.

14.08.2012
  • Uli Bernhard / Tobias Zug

Eckenweiler. 1943 ist Burkhard Klippel geboren und aufgewachsen in Osnabrück. In der Jugend spielte er in Münster (Westfalen). Zur Bundeswehrzeit hatte es ihn (auch fußballerisch) nach Koblenz verschlagen, ehe Stuttgart beruflich bedingt seine weitere Heimat wurde. Klippel spielte beim SV Vaihingen in der 2. Amateurliga (die heutige Landesliga). „Für ein Handgeld“, wie Klippel sagt. „Wenn du gut warst, dann hast du früher auch schon was bekommen – mal ein Essen nach dem Training oder eins nach dem Spiel. Manchmal auch ein bisschen mehr, da durfte sogar die Frau mit essen gehen“, sagt Klippel, „aber drüber reden durfte man nicht.“

Heute redet Klippel darüber, lacht, wenn er dran denkt, was für ein Geheimnis damals wegen ein paar Mark gemacht wurde. Gar nicht gut findet Klippel, dass heute im unteren Amateurbereich schon Ablösesummen gezahlt werden (müssen). „Wenn du da keinen Sponsor hast, dann werden dir alle Möglichkeiten genommen. Ablösesummen machen den Sport kaputt für Spieler, die auch mal höherklassig spielen wollen“, sagt Klippel.

1980 zog Klippel ins Gäu nach Rohrdorf und machte da auch gleich Bekanntschaft mit den damals noch selbstständigen Sportfreunden Rohrdorf. Selbst Fußball gespielt hat er zu der Zeit eigentlich schon nicht mehr. Der damals 37-Jährige war nur noch ab und zu in Stuttgarter Prominentenmannschaften im Einsatz. Als Rohrdorf einen Trainer suchte, da habe es ihn aber wieder gejuckt. „Trainer mach’ ich nicht, aber Spielertrainer“, habe er den SF-Leuten damals gesagt und dann drei Jahre lang dieses Amt ausgefüllt.

Jetzt, Jahr(zehnt)e später, haben sich die Verantwortlichen der sich mittlerweile nennende SG Rohrdorf-Eckenweiler wieder daran erinnert, dass da einer sei, der von Fußball Ahnung habe, sagt Klippel. Seine Rolle im Duett mit seinem Sohn Michael umschreibt Burkhard Klippel so: „Der Michael ist eher der etwas Impulsivere, der eher mit Worten als mit Gestik dirigiert. Ich verkörpere den ruhigeren Part. Wahrscheinlich passen wir deshalb so gut zusammen!“ Bis Oktober vergangenen Jahres hatte Torhüter Michael Klippel die Mannschaft gemeinsam mit Ulrich Zimmermann trainiert. Die Zusammenarbeit funktionierte aber nicht so, wie es sich beide vorgestellt haben, die Mannschaft steckte tief im Abstiegsschlamassel, Zimmermann trat zurück.

Persönliche Gespräche bevorzugt – „wie früher“

Warum in der Ferne nach einem Co-Trainer suchen – Michael Klippel fragte seinen Vater, den er als „Vorbild im Fußballerischen und in fast allen Lebenslagen“ bezeichnet. Eigentlich, sagt Burkhard Klippel heute, hätte er schon im Sommer des vergangenen Jahres bei Rohrdorf-Eckenweiler als Trainer einsteigen können.

„Der Michael hat damals schon gesagt, dass er sich eine Zusammenarbeit mit mir vorstellen könnte. Aber die Verantwortlichen hatten Bedenken. Vielleicht wegen meinem Alter. Oder weil ich der Vater vom Michael bin – ich weiß es nicht“, sagt er. Aber er könne die Vereinsseite auch verstehen, dass sie ihn damals nicht genommen und eine externe Lösung gesucht haben.

„Dass ich fußballerisch was drauf habe, das wussten ja alle“, sagt Burkhard Klippel. Michael wohnt bei seinem Vater, ist auch mit vielen seiner Spielern befreundet – so kannten die wiederum auch Burkhard Klippel, „sie wussten, dass da ein kompetenter Mann kommt“, sagt Michael Klippel. Und das Klippel-Trainer-Duo hatte gleich Erfolg: Die SG holte in der Rückrunde 25 Punkte, schaffte vorzeitig den Klassenverbleib.

So dass es auch in dieser Saison ein Sohn-Vater-Trainerduo in Rohrdorf-Eckenweiler gibt. „Wir reden über alles“, sagt Burkhard Klippel über das Verhältnis zu seinem Sohn, „natürlich sehr oft über Fußball.“ Dann ziehen die Zwei sich in das Arbeitszimmer zurück, erstellen Trainingspläne, diskutieren über Aufstellungen. „Er hat die gleiche Auffassung vom Fußball wie ich, wir kommen immer auf einen Nenner“, sagt Michael Klippel.

Burkhard Klippel schätzt persönliche Gespräche. Er kommt zwar beruflich aus der Computerwelt, kennt sich also auch mit der modernen Kommunikationswelt aus, aber jemandem Auge in Auge gegenüberzustehen und sich mit dem zu unterhalten („so wie früher halt“) und nicht über irgendwelche Netzwerke, findet er die bessere Art. Klippel warnt auch: „Das ist eine gefährliche Entwicklung, die da abläuft!

Manche nutzen die neuen Medien, ohne zu wissen, was sie tun, was sie von sich alles preisgeben.“ Was die Ansprache zur Mannschaft betrifft, nimmt sich Burkhard Klippel zurück und lässt seinen Sohn machen. „Ich mach’ das ja auch nicht mehr ewig. Ich glaube nicht, dass ich in drei, vier Jahren immer noch auf dem Platz stehen werde“, sagt er.

Ein ungewöhnliches Trainer-Duo
Coacht von außen, während Sohn Michael im Tor steht: Burkhard Klippel. Archivbild: Ulmer

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14.08.2012, 12:00 Uhr

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