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Eindeutige Indizien
Spurensicherung auf dem Stuttgarter Pragfriedhof: Die Indizien und Spuren, die am Tatort gefunden wurden, waren für das Gericht entscheidend. Foto: dpa
Mord auf dem Friedhof: 30-Jähriger muss lebenslang in Haft

Eindeutige Indizien

Eine 21-Jährige stirbt an massiven Verletzungen, ihre Leiche wird auf dem Stuttgarter Pragfriedhof gefunden. Ein Freund hat sie dort ermordet, urteilt das Landgericht. Das Motiv bleibt aber wohl ewig unklar.

14.04.2016
  • DPA

Stuttgart. Lebenslang oder Freispruch? Am Ende war sich das Landgericht ganz sicher: Der Angeklagte hat eine 21-Jährige auf dem Stuttgarter Pragfriedhof ermordet. Mit einem Keramik-Übertopf hat der Hilfskoch und Eventpianist demnach auf seine arg- und wehrlose Bekannte eingeschlagen, ihr mehrfach gegen Kopf und Oberkörper getreten, zig Knochen gebrochen und ihr dann mit dem Knie auf der Brust die Luft zum Atmen genommen. Warum? Das konnte der Prozess nicht klären. "Die Frage nach dem Motiv müssen wir offen lassen", sagte Richter Wolfgang Hahn.

Kurze braune Haare, Kinnbärtchen, blaues Hemd, graues Sakko - das Urteil "Lebenslang wegen Mordes" nahm der schmächtige 30-Jährige ohne sichtbare Regung zur Kenntnis. Den Prozess hatte er schweigend verfolgt. Erst am letzten Tag brach er sein Schweigen, um seine Unschuld zu beteuern. "Ich werde hier nichts zugeben, was ich nicht getan habe." Niemals hätten er und das Opfer gestritten.

"Nichts spricht gegen seine Täterschaft", begründete Richter Hahn sein Urteil wegen Mordes. Die Anklage hatte noch auf Totschlag gelautet, was dem 30-Jährigen im Zweifel ein milderes Urteil gebracht hätte. Zum einen habe der Angeklagte schon in Vernehmungen Täterwissen offenbart. Auch führte Hahn eine "enorme Zahl an Indizien" auf, die im Prozess gegen ihn gesprochen hatten: Blutspuren der Toten an seinem Hemd, passende Fußabdrücke am Kopf der Toten, drei seiner Knöpfe, die unter der Leiche gefunden wurden. Die Beweise hätten eine "eindeutige Sprache" gesprochen.

Auch für die stärksten Indizien hatte der 30-Jährige eine Erklärung: Das Blut an seinem Hemd und an seien Schuhen stamme von Nasenbluten der Toten zwei Tage vorher in einer Disco. Die Knöpfe am Tatort von einer Rangelei mit drei Jugendlichen. Sein Pflichtverteidiger kündigte umgehend einen Antrag auf Revision an.

Die Adoptiveltern der Toten, die sie direkt nach der Geburt adoptiert hatten, zeigten sich erleichtert über das Urteil. "Weil wir jetzt in Ruhe trauern können", sagte die Mutter. Unter Tränen hatten beide am vorletzten Prozesstag an ihre Tochter erinnert. "Sie wäre sicher eine gute Erzieherin geworden", sagte die Mutter. Mit ihrem Mann rief sie die Initiative "Ein Stern für Lena. Gegen Gewalt" ins Leben.

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14.04.2016, 06:00 Uhr

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