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Eine Affäre und kein Ende
Wolfgang Niersbach trat heute vor einem Jahr von seinem Posten als DFB-Chef zurück. Foto: dpa
WM 2006

Eine Affäre und kein Ende

Vor einem Jahr übernahm Wolfgang Niersbach die politische Verantwortung für den WM-Skandal und trat als DFB-Chef zurück. Unklarheiten gibt es bis heute.

09.11.2016
  • DPA

Frankfurt/Main. Genau ein Jahr nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident ist dessen Zukunft bei Fifa und Uefa immer noch nicht geklärt. Die Hängepartie um den über den WM-Skandal gestürzten Top-Funktionär behindert den Deutschen Fußball-Bund mittlerweile beim ersehnten Neuanfang. Pünktlich zum Jahrestag des Niersbach-Rücktritts am 9. November 2015 wird die aktuelle Führung um Nachfolger Reinhard Grindel durch Schlagzeilen um Provisionen für die Führungsspitze des WM-Organisationskomitees 2006 inklusive Niersbach zudem schon wieder von der Sommermärchen-Affäre eingeholt.

Zum praktischen Problem wird aber viel mehr Niersbachs Ethiksperre durch den Weltverband. Bis Juli 2017 ist der 65-Jährige noch von seinen Ämtern als Exekutivmitglied der Uefa und Council-Mitglied der Fifa ausgeschlossen, weil er gegen den Kodex des Weltverbandes verstieß und im Sommer 2015 nicht rechtzeitig über seine Kenntnisse im WM-Skandal informierte. Der DFB sitzt bei wichtigen Entscheidungen wie der umstrittenen Champions-League-Reform oder der brisanten WM-Aufstockung nicht mit am Tisch, denn Niersbachs Posten einfach neu zu besetzen, ist nach den Statuten auch nicht möglich.

Einen geplanten Einspruch bei der Fifa-Berufungskommission konnte Niersbach bislang nicht einlegen, da ihm das Urteil aus diesem Sommer noch nicht in schriftlicher Form vorlag. Dies soll in den kommenden Tagen nachgeholt werden. Niersbach kann sich berechtigte Hoffnungen machen, dass seine Sperre zumindest verkürzt wird. Die Fifa-Beschwerdekommission hat schon manches Ethikurteil wie auch bei Ex-Chef Joseph Blatter oder Michel Platini reduziert.

Doch selbst wenn die Sperre bestehen bleibt: Im kommenden Sommer könnte Niersbach, der sich zum laufenden Verfahren nicht äußern will, spätestens wieder am Zürichberg im Fifa-Council sitzen – und das dann noch bis zum Ablauf seines Mandats im Jahr 2019 – vergütet mit einem sechsstelligen Jahreshonorar. Der DFB hätte keine Handhabe. Niersbach ist von der Uefa in das Fifa-Gremium entsandt und hätte für seine von ihm bestrittenen Versäumnisse gebüßt.

Die Krux für den DFB: Grindel strebt in die internationalen Ämter, um den ins Taumeln geratenen Verband mit Ambitionen auf die EM-Ausrichtung 2024 auf internationaler Ebene zu vertreten. Auch wenn es niemand ausspricht, wird bezweifelt, dass Niersbach dieser Aufgabe noch adäquat nachkommen kann. Von der einst innigen Zuneigung zu Niersbach ist in der Verbandszentrale nicht viel geblieben.

Bei der Uefa wird Grindel schon im Frühjahr im Exekutivkomitee mitwirken können. Niersbachs Amtszeit endet dort dann am 5. April. Grindel hat seine Ambitionen kundgetan, auch wenn er beim DFB-Kongress in Erfurt eher defensiv formulierte: „Dem DFB-Präsidium obliegt das Recht, einen Kandidaten zu benennen.“ Gewählt werden müsste Grindel von den Uefa-Delegierten – ein Selbstläufer, wenn man den neuen DFB-Boss im Kreise der europäischen Verbandschefs wie jüngst beim Kongress in Athen erlebt. dpa

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09.11.2016, 06:00 Uhr

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