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Verkehr

Eine Frage der Aufsicht

Ob der Dieselmotor in Deutschland Zukunft hat, entscheiden wohl vor allem Gerichte. Im Herbst urteilte das Verwaltungsgericht Düsseldorf, dass die dortige Bezirksregierung ihren Luftreinhalteplan nachbessern muss.

02.01.2017
  • MARTIN HOFMANN

Berlin. Grund: Grenzwerte werden seit Jahren überschritten. Sie hat dafür ein Jahr Zeit und muss ein Fahrverbot für Diesel-Pkw prüfen. Das Bundesverwaltungsgericht befasst sich mit der Revision.

Als großen Erfolg wertet die Deutsche Umwelthilfe (DUH) das Urteil. Denn es gehe um die Gesundheit der Anwohner stark befahrener Straßen. Vor allem Stickoxide greifen Atemwege an. Nach einer Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie sterben durch Emissionen des Straßenverkehrs 7000 Menschen vorzeitig, fast doppelt so viele wie bei Unfällen auf deutschen Straßen. Laut Umweltbundesamt sind Diesel-Pkw für 67 Prozent der Stickstoffdioxid-Emissionen verantwortlich.

Dass die Konzentration der Schadstoffe in Städten besonders im Winter nicht sinkt, liege eindeutig daran, dass Autohersteller die Abgasreinigung von Diesel-Pkw bei niedrigen Außentemperaturen abschalten, betont DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. „Fiat und Renault machen das, aber auch deutsche Hersteller wie Porsche, Mercedes und Opel.“

Neue Abgas-Messungen im Straßenbetrieb zeigen dies. Zuletzt prüfte die DUH eine Mercedes B-Klasse, 180d, Erstzulassung: August 2016. Statt vorgeschriebener 80 Milligramm Stickoxide stößt das Auto im Schnitt 1039 Milligramm/Kilometer aus. Eine Mercedes C-Klasse reißt den Grenzwert um das Achtfache. Ein Renault Captur, 1,5 dCi, Erstzulassung: März 2016, liegt um den Faktor 10,8 darüber. Ein Fiat 500X, 2.0, Erstzulassung: Juni 2016 pustet 1380 Milligramm NOx pro Kilometer in die Luft. Alle Tests fanden bei plus 9 Grad Celsius statt.

Nach wie vor erklären Autobauer, das Abschalten der Abgassysteme sei nötig, um Motoren vor Verschleiß zu schützen. Die DUH hält dagegen: „Die Zulassungsvorschriften schreiben eindeutig vor, dass die Abgasreinigung auch bei niedrigen Temperaturen funktionieren muss.“ Die DUH will 2017 vor Gericht klären lassen, ob deshalb bereits die Typzulassungen gegen die Vorschriften verstoßen.

Nach neuesten Erkenntnissen müssen alle Abschalteinrichtungen zur Zulassung dokumentiert sein, sonst sind sie illegal.

Politisch versucht ein Bundestags-Untersuchungsausschuss die Affäre aufzuklären. Schon die bisherige Arbeit sieht Resch als Erfolg. „Da gelangen Unterlagen an die Öffentlichkeit, die zeigen, wie intensiv sich Autokonzerne und Behörden – etwa bei der von Verkehrsminister Alexander Dobrindt eingesetzten Kommission zur Aufklärung des Skandals – absprachen.“ fm

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02.01.2017, 06:00 Uhr

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