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Eine Glaubenskundgebung für alle  Nationen
Michele Annunziata als gefesselter Jesus. Foto: Raimund Weible
Karfreitagsprozession

Eine Glaubenskundgebung für alle Nationen

Zum 40. Mal spielt italienische Gemeinde in Bad Cannstatt das Passionsgeschehen nach.

15.04.2017
  • RAIMUND WEIBLE

Stuttgart. Gabriel Fabben war lange Komparse bei der Karfreitagsprozession in Bad Cannstatt. „Ich war einer der Apostel“, sagt er, also einer der Jünger von Jesus. Jetzt geht der 85-jährige ehemalige Fernfahrer, der seit 1960 in Deutschland ist, am Rollator. „Da kann ich natürlich nicht mehr mitmachen.“

Aber auch, wenn das Gehen schwer fällt – Gabriel Fabben begleitet die Prozession der italienischen Gemeinde, mit 3000 anderen. Zum 40. Mal zogen am gestrigen Karfreitag die Mitglieder der „Communitá cattolica italiana Stoccarda“ durch die Straßen von Bad Cannstatt. Viele haben Ölzweige in den Händen, als sie sich am Unteren Kurpark versammeln. Auf der grünen Wiese ist viel Platz für das Geschehen, und das Publikum hält sich unter Bäumen auf.

Auf Italienisch und Deutsch wird über Lautsprecher die Szenerie erläutert, und auch die wichtigen Hauptfiguren sprechen ins Mikrofon. Das Passionsspiel beginnt mit der Szene von Jesus und seinen Jüngern auf dem Ölberg. Er wird verraten durch Judas Ischarioth und von den Hohen Priestern verhört, dann von Petrus verleugnet.

Als Jesus agiert wie seit vielen Jahren Michele Annunziata, ein Elektriker, begleitet wird er von 60 Komparsen. An sechs Sonntagen während der Fastenzeit haben sie geprobt, stets im Saal, vergangenen Sonntag dann an den Schauplätzen. Die Komparsen zu finden, falle leicht, sagt Gemeinderreferentin Sonia Cussigh, schwerer falle es, die Helfer zu finden, die für Ordnung bei der Prozession sorgen.

Ins Leben gerufen hat die Karfreitagsprozession im eher protestantischen Bad Cannstatt Pater Luigi Canesso. 1978 hatten ihn Gemeindemitglieder gedrängt, die Polizei um Erlaubnis zu bitten. Der diensthabende Wachtmeister habe gesagt: „Ich bin auch katholisch – wie könnte ich den italienischen Katholiken verbieten, ihre Glaubenstradition hier zu leben.“ So wurde die Prozession der Italiener, wie Canesso schreibt, „zur Glaubenskundgebung für die Menschen in Stuttgart, gleich welcher Nationalität und Religionszugehörigkeit“.

Jesus alias Michele Annunziata wankt und taumelt, als er in den Schulhof des Johannes-Kepler-Gymnasiums geführt wird, wo er von Pilatus zum Tod am Kreuz verurteilt wird. Dann geht es durchs Zentrum hinauf zum Cannstatter „Golgatha-Hügel“ am Oberen Kurpark. Schon lange vorher sichern sich Besucher, die sich dem Zug nicht anschließen wollen, die besten Plätze vor der Bühne, die für drei Kreuze vorbereitet ist. Raimund Weible

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15.04.2017, 06:00 Uhr

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