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Drachme und Dornenkrone

Eine Münzfälschung aus Rhodos kam als Gegenstand religiöser Verehrung in Umlauf

In unserer Reihe „Schatz des Monats“ präsentieren die Kustod(inn)en des Museums Schloss Hohentübingen die besten Stücke der Dauerausstellung Alte Kulturen. In diesem Monat ist es eine Münzfälschung, die Gegenstand religiöser Verehrung wurde.

14.08.2014
  • Stefan Krmnicek

Tübingen. Durch das testamentarische Vermächtnis des Stuttgarter Regierungsrates Carl Sigmund Tux (1715 bis 1798) kam die Universität Tübingen in den Besitz von 4511 Münzen. Sie bilden den Grundstock der heutigen Universitätsmünzsammlung des Instituts für Klassische Archäologie.

Unter den Münzen des Tux’schen Legats befindet sich ein Exemplar, das auf der Vorderseite das Porträt des in Dreiviertelansicht dargestellten Sonnengottes Helios mit Strahlen und auf der Rückseite unterhalb der Legende ON („Münze aus Rhodos“) eine Rose mit Rosenknospe und Zweig zeigt (Bilder oben links). Im Vergleich mit authentischen antiken Prägungen aus Rhodos (Bilder rechts) ist im Detail zu erkennen, dass es sich bei dem vorgestellten Exemplar um einen nachbearbeiteten Guss und damit um eine Fälschung handelt.

Die dreißig Silberlinge des Judas

Eine Gussfälschung einer rhodischen Tetradrachme in einer höfischen Gelehrtensammlung der Barockzeit weckt unwillkürlich den Verdacht, dass es sich bei dem betreffenden Exemplar um eine typische spätmittelalterliche Pilger- und Reliquienkopie handelt. Zahlreiche Schriftquellen belegen, dass rhodische Prägungen und deren Abgüsse mit dem Bildnis des Helios und dem Motiv einer Rose seit dem 14. Jahrhundert im christlichen Abendland aufgrund ihres schutzbringenden Reliquiencharakters besondere Wertschätzung erfuhren.

Die religiöse Bedeutung war in der Annahme begründet, dass es sich bei solchen Stücken um einen jener dreißig Silberlinge handeln müsse, für die Christus nach biblischer Überlieferung von Judas verraten worden sei. Dass gerade die rhodischen Tetradrachmen mit den sogenannten Judasmünzen gleichgesetzt wurden liegt vermutlich im außergewöhnlichen Münzbild begründet, in dem Christus mit Dornenkrone erkannt werden konnte.

Die Kopien der rhodischen „Judasmünzen“ kamen auf direktem Wege über christliche Pilger und durch Vermittlung der auf der Insel ansässigen Johanniterorden in die abendländische Welt. Eines dieser Beispiele für die Wunderkraft des Geldes im Spätmittelalter gelangte in den Besitz des Carl Sigmund Tux und von diesem bis nach Tübingen.

Eine Münzfälschung aus Rhodos kam als Gegenstand religiöser Verehrung in Umlauf
Fälschung

Eine Münzfälschung aus Rhodos kam als Gegenstand religiöser Verehrung in Umlauf
Fälschung

  • Das Museum der Uni Tübingen (MUT) vereint die größte Zahl an Universitätssammlungen im deutschsprachigen Raum. Nach einer aktuellen Modernisierung präsentiert das MUT die Alten Kulturen auf Schloss Hohentübingen nun auch im neuen Licht. Hier werden derzeit etwa 4000 Objekte von der Urgeschichte über die Klassische Antike bis zu den außereuropäischen Weltkulturen präsentiert.
  • >Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags 10 bis 19 Uhr.
  • >Info und Führungen: 0 70 71/29-7 73 84 oder unter www.unimuseum.de.

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14.08.2014, 12:00 Uhr

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