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Morgen wird "Doktor Haass" uraufgeführt

Eine Oper erinnert an Moskaus Armenarzt

Ein deutscher Armenarzt wird in Russland bis heute verehrt. Die Erfolgsautorin Ljudmila Ulitzkaja erzählt seine Geschichte auf der Opernbühne.

15.04.2016
  • DPA

Moskau. Friedrich-Joseph Haass (1780-1853) war im Russland der Zarenzeit der Engel der Armen und Gefangenen. Nun bringt die russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja (73) den "Heiligen Doktor von Moskau" auf ungewöhnliche Weise auf die Bühne. Die Oper "Doktor Haass" wird am Samstag in der Helikon-Oper in Moskau uraufgeführt. Erfolgsautorin Ulitzkaja ( "Die Lügen der Frauen") hat erstmals ein Opernlibretto geschrieben, die Musik stammt von dem Pianisten und Komponisten Alexej Sergunin (27).

Der junge Augenarzt Haass aus Bad Münstereifel (Nordrhein-Westfalen) wanderte 1806 nach Russland aus, behandelte die Oberschicht bis hinauf zur Zarenfamilie. 1828 wurde er Gefängnisarzt und suchte das Los der Häftlinge im unbarmherzigen russischen Strafvollzug zu lindern. "Er hat 20 Jahre darum kämpfen müssen, dass die Sträflinge auf dem Marsch nach Sibirien leichtere Ketten bekamen", sagte Ulitzkaja. "Beeilt euch, Gutes zu tun", war das Motto des tiefgläubigen Arztes, der in völliger Armut starb.

"Ich habe ihn von Kindheit an verehrt", erzählt Ulitzkaja. Ihre Großmutter habe ihr das Grab des Doktors auf dem deutschen Friedhof in Moskau gezeigt, der heute Wwedenskoje-Friedhof heißt. Für Intellektuelle und Menschenrechtler in Moskau war Haass immer ein Gegenbild zu den harten herrschenden Verhältnissen.

"Die Erinnerung an ihn ist wichtig", sagt Ulitzkaja, die auch eine Kritikerin der autoritären Regierung von Präsident Wladimir Putin ist. "Die Gesellschaft ist sehr hart geworden, sehr brutal." Russland behandelt seine Häftlinge immer noch ohne jedes Mitleid. Die unbeirrte Güte des Arztes hat auch den Komponisten Sergunin beeindruckt, der einer anderen Generation angehört. Er sieht Haass vor dem Hintergrund "heutiger Kriege, unendlicher Konflikte".

Um ein junges Publikum für Haass zu interessieren, hatte sich die Schriftstellerin immer eine Rockoper vorgestellt. Sergunin mischt aber in seinem Opern-Erstling Stile vom Barock bis zur Neuzeit. "Es gibt sogar Punkrock", sagt er. Der soll für den aufstrebenden High-Society-Arzt stehen. Viele Passagen sind modern, rhythmisch, ausdrucksstark. Beim Schlussbild mit dem sterbenden Haass hofft Sergunin, dass ihm eine "klingende Ikone" gelungen ist.

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15.04.2016, 06:00 Uhr

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