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Nana in Wurmlingen

Eine Pobacke pro Kopf

Ein wahres Kleinod, Ergebnis künstlerischer Schaffenskraft, verbirgt sich in einem Garten in den Wurmlinger Brunnenäckern. Eine knallbunte Nana nach dem Vorbild Niki de Saint Phalles steht da in tänzerischer Anmut auf einem Sockel und misst in der Höhe gut 1,80 Meter.

31.05.2012
  • Werner Bauknecht

Wurmlingen. Geschaffen wurde die Skulptur von den beiden Nachbarinnen Monika Wäschle-Loth und Steffi Janke. Ärztin die eine, Bibliothekarin die andere, beide keine originären Künstlerinnen. Einzig Janke hat schon Erfahrungen mit Tonarbeiten. Und so begannen sie 2007 „blauäugig“ mit der Figur, bis sie im vergangenen August fertiggestellt war.

„Auslöser für die Nana war mein Sohn Max“, erzählt Wäschle-Loth. „Der hat in einer Projektarbeit in der Grundschule so eine Art Bonsai-Nana aus Pappe gebaut. Da hat es bei uns geklingelt.“ Im Baumarkt besorgten sich die Frauen Ytong-Steine, die sie aufeinanderstapelten. „Wir wollten damit einen Körper schaffen, den wir mit Schleifen und Flexen in Form bringen“, erklärt Janke.

Ein „Saugeschäft“, erzählen die beiden. Außerdem stellte sich das Gebilde als ziemlich instabil heraus. So fingen sie von vorn an, indem sie erst mal ein 80 Zentimeter tiefes Fundament gruben, „professionell mit Gitterstahl und Beton“. Darauf stellten sie die Nana. Das Gerüst bildeten weiterhin die Ytong-Steine, die sie mit Außenputz und Gips modellierten.

„Wegen der Materialien haben wir uns im Baumarkt beraten lassen“, erzählt Wäschle-Loth. Die Ytong-Steine stabilisierten sie, indem sie tiefe Löcher bohrten und mit Klebstoff füllten. Den Gips mussten sie so dünn und in so vielen Schichten auftragen, dass es Jahre dauerte, bis die kantigen rund wurden. Manchmal arbeiteten sie sogar bei Regenwetter: Im Schutz eines Sonnenschirms wurde weitergegipst.

Motivationsprobleme hatten die beiden nie. „Es war schön, dass wir zu zweit waren“, blickt Wäschle-Loth zurück. „Da hat die eine immer die andere angespornt, wenn es mal nötig war.“ Vor allem als Ausgleich zum Beruf wussten die beiden ihre anstrengende künstlerische Arbeit zu schätzen. Familie, Freunde und Nachbarn unterstützten sie während der langen Entstehungszeit mit einer ordentlichen Portion Optimismus.

„Im Winter haben wir die Skulptur in Plastikfolie verpackt, um sie zu schützen.“ Die Auszeit nutzten die Frauen, um zu überlegen, wie sie die Nana anmalen wollen. Sie einigten sich darauf, dass jede von ihnen eine Brust und eine Pobacke individuell gestalten darf, den Rest machten sie gemeinsam.

Dem Zufall überließen die beiden dabei nichts. Auf Papier machten sie sich ein Konzept, malten die Nana auf und probierten verschiedene Grundfarben und Muster. Sie behängten sie außerdem mit Stoff, um die Wirkung der Farben zu testen. „Das muss schon knallen – bei den Riesenbrüsten, dem Bauch und den tollen Pobacken“, sagt Wäschle-Loth lachend.

Erst grundierten sie die Skulptur, um sie wetterfest zu machen. Dann ging es los mit der Malerei. „Das Malen war so toll, da kamen wir in einen richtigen Flow“, schwärmt Steffi Janke. „Wir wollten im Grunde genommen gar nicht fertig werden.“

Zum Schluss installierten sie noch zwei Scheinwerfer im Garten, sodass die Nana nachts angestrahlt werden kann. „Da schwärmen alle Nachbarn davon.“ Und was nun? Irgendwann, erzählen die Frauen, hätten sie sich zugenickt: So, das war’s. Jetzt ist alles fertig. Ein richtiger Schock sei das gewesen, beteuert Janke. Mit ein paar Freunden wurde dann noch gefeiert. Aber ist nach dem Kunstwerk nicht auch vor dem nächsten Kunstwerk? – „Und ob“, sagt Wäschle-Loth. „Da haben wir bereits einen Plan. Wir waren in Schwäbisch Hall im Würth-Museum, und haben da Werke von Jean Tinguely gesehen. Sowas machen wir jetzt auch.“

Tinguely ist bekannt für seine beweglichen Maschinenplastiken aus Draht, Blech und Schrott. „Kein Problem für uns“, sagt Wäschle-Loth. „Mein Vater hat einen Schweißbrenner.“

Eine Pobacke pro Kopf
Vier Jahre lang haben Monika Wäschle-Loth (links) und Steffi Janke an der Nana gearbeitet, seit letztem Sommer ist sie fertig und verschönert den Garten.

Nanas sind Plastiken der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle (1930 bis 2002).

Im Popart-Stil stellte diese voluminöse, farbenfrohe Frauenkörper her mit überproportional großen Geschlechtsmerkmalen. Die lebensbejahenden, meist tanzenden Nanas wurden erstmals 1965 ausgestellt.

Seit 1974 stehen am Leibnitzufer in Hannover drei Nanas, die die dortige Kunstmeile begründeten.

Die größte Nana schuf Saint Phalle 1966 mit Jean Tinguely in Stockholm. Sie hat eine Länge von 29 Metern und ist begehbar.

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31.05.2012, 12:00 Uhr

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