Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Reutlingen

Eine Rotlicht-Affäre und ihre Folgen

Vom 23. Juni an war die Honauer Steige sowie die Ortsdurchfahrt von Unterhausen wegen Belagsarbeiten auf der B 312 für fast vier Monate voll gesperrt. Längst fließt der Verkehr wieder durch das vorübergehend zwangsberuhigte Echaztal, doch für einige der ausgebremsten Autofahrer hat die Sperrung jetzt ein Nachspiel.

26.11.2014
  • Uschi Kurz

Und das kam so: Während der Sperrung wurde der überörtliche Verkehr von Reutlingen auf die Schwäbische Alb am Ortseingang Unterhausen über die Gutenberg- und Moltkestraße bis zur L 387 über Holzelfingen nach Engstingen umgeleitet.

Auch wer beispielsweise von Unterhausen nach Honau wollte musste wohl oder übel den Umweg über die Albhochfläche in Kauf nehmen. Eine Ausnahme gab es lediglich für den öffentlichen Nahverkehr: Die Busse durften über die Elfengrottestraße fahren. Die Umleitungsstrecke führte über einen schmalen rund einen halben Kilometer langen Feldweg im Wasserschutzgebiet, der normalerweise für den Verkehr komplett gesperrt ist.

Um den Begegnungsverkehr der Busse gefahrlos zu ermöglichen wurden Ampeln eingerichtet, die von den Busfahrern mit Hilfe eines Sensors auf Grün geschaltet werden konnte. Ansonsten zeigte die Anlage Rot. Dass die Durchfahrt nur für Busse, nicht aber für den Individualverkehr galt, machten Schilder bei den Ampeln deutlich. Was freilich als Schlupfloch für die Busse gedacht war, sprach sich in der Bevölkerung rasch als bequemer Schleichweg herum. Die rote Ampel wurde geflissentlich ignoriert.

Nach mehreren Warnhinweisen im Gemeindeblatt wurde verschärft kontrolliert. Mit beachtlichem Erfolg: an zwei Tagen stellte die Polizei rund 30 Rotlichtverstöße fest. Mit erheblichen Folgen, denn wer eine rote Ampel überfährt, die schon länger als eine Sekunde leuchtend „Rot“ zeigt, muss mit einem Bußgeld von 200 Euro rechnen, bekommt in Flensburg zwei Punkte aufs Konto und erhält mindestens ein einmonatiges Fahrverbot. Ein solch deftiger Bußgeldbescheid flatterte den Rotlicht-Sündern ins Haus. Nicht alle akzeptierten die drastische Strafe. Fünf oder sechs Autofahrer legten Einspruch ein. Der erste wurde am Montag vor dem Reutlinger Amtsgericht verhandelt.

Er sei, berichtete der 27-jährige Finanzbeamte, am fraglichen Tag auf dem Weg zum Fußballtraining nach Honau und spät dran gewesen. Nachdem vor ihm bereits ein anderer Autofahrer das Rotlicht ignoriert habe, sei auch er losgefahren. Dass er eine „gesperrte Straße“ befahren habe, wollte der reuige Beschuldigte auch gar nicht bestreiten, wohl aber den Rotlichtverstoß, der mit dem Fahrverbot einher ging. Zudem, so der 27-Jährige, habe er durch seine Aktion keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet.

Auch sein Verteidiger Maximilian Keller bezweifelte, dass es sich bei der Ampel „um eine Wechsellichtanlage“ handle, weil die ihr Licht ja gar nicht regelmäßig gewechselt habe. Womit er Bezug nahm auf seiner Meinung nach ähnlich gelagerte Fälle bei denen Rotlicht-Sünder nachträglich begnadigt worden waren. So gab es vor einigen Jahren im Bodenseekreis eine auf Dauer-Rot geschaltete Baustellenampel, die von zahlreichen Autofahrern ignoriert worden war. Die Fahrverbote hatten damals keinen Bestand, „weil die rote Ampel juristisch keine rote Ampel war“.

Für Amtsrichterin Carmen Ljubicic machte es freilich schon ein Unterschied, ob eine Ampel permanent rot zeige oder ob sie – wie in Honau – per Drücker von den Busfahrern bedient werden könne. „Wir halten am Bußgeldbescheid fest“, bekräftigten auch die beiden Vertreter des Landratsamtes, Claudia Fritz, die Leiterin der Bußgeldstelle und Jens Reiske von der Straßenverkehrsbehörde. Sie sahen „eine ganz klare Gefährdung“, schließlich sei die Straße auch sonst komplett gesperrt.

Richterin Ljublicic urteilte salomonisch: Sie beließ es bei der Geldbuße, hob das Fahrverbot für den 27-Jährigen, der von Berufs wegen auf seinen Führerschein angewiesen ist, aber auf. Es habe sich um „einen atypischen Rotlichtverstoß“ gehandelt, der Beschuldigte habe sich „langsam reingetastet“, die Gefährdung sei daher gering gewesen.

Und was ist mit all den Rotlicht-Sündern, die ihren Bußgeldbescheid klaglos akzeptiert haben? Fritz: „Die bleiben bestehen.“

Eine Rotlicht-Affäre und ihre Folgen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

26.11.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball