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Eine Satiresendung für Boris Palmer
Boris Palmers Facebook-Profil. Bild: Screenshot
Kommentar

Eine Satiresendung für Boris Palmer

Sehr geehrter Herr Böhmermann, als Bürger der Universitätsstadt Tübingen möchte ich mich bei Ihnen für die Verachtung der Meinungsfreiheit entschuldigen, die Oberbürgermeister Boris Palmer in seiner Ergebenheitsadresse an den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan geäußert hat.

13.04.2016
  • Gernot Stegert

Treten Sie dem Grünen-Politiker in Ihrer nächsten „Neo Magazin Royale“ -Sendung kräftig in die ... – halt, stopp. Unter die Gürtellinie soll diese mäßige Palmer-Parodie hier nicht gehen, auch wenn der OB diese Hemmungen gestern nicht hatte.

„Sehr geehrter Herr Präsident Erdogan, als Bürger der Bundesrepublik Deutschland möchte ich mich bei Ihnen für die ,schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit‘ entschuldigen, die Herr Böhmermann Ihnen gegenüber verübt hat.“ So beginnt Palmer einen Eintrag auf Facebook und schließt mit: „Angesichts Ihrer großen Verdienste in der Flüchtlingskrise können Sie von Deutschland eine bevorzugte Behandlung erwarten. Die EU hat bereits bewiesen, dass sie lieber moralisch zweifelhafte Arbeit der Türkei auflädt, als selbst die eigenen Grenzen wirksam zu schützen. Es ist zu erwarten, dass daher die angemessen harte Strafe nur möglich ist, wenn sie in der Türkei erfolgt. Schneiden Sie Herrn Böhmermann die Eier ab, damit er sich nie wieder über Präsidenten mit kurzem Schwanz lustig macht. Ergebenst Ihr Boris Palmer“.

Rumms, kaum veröffentlicht, sprangen auch schon journalistische Medien an. Die Nachrichtenagentur dpa verbreitete eine Meldung über Palmers Einstieg ins Satiregeschäft, der SWR, regionale und überregionale Zeitungen folgten. Ein Beleg mehr dafür, wie prominent der Grünen-Außenseiter ist. Und wie gut er Aufmerksamkeit zu erzeugen weiß, durch kalkuliert deftige Wortwahl am Schluss. Die „Eier“ landeten denn auch in Überschriftenkörbchen; zugleich kann sich der Schreiber distanzieren, weil sie nur ein Zitat Böhmermanns sind.

Palmer zeigt Humor und hat den ZDF-Satiriker verstanden, anders als viele derzeit Diskutierenden. Böhmermanns Pointe war ja nicht das Schmähgedicht selbst, das fraglos geschmacklos, schlecht und rechtlich bedenklich war – und sein sollte. Es war nur die erste Ebene, eingeleitet von dem Hinweis: Achtung, Folgendes ist selbst als Satire nicht mehr erlaubt (zweite Ebene). Das Ganze aber war Teil einer für Komik bekannten Sendung und begann mit Ironie. Der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen sprach daher von einer Schmähsatire. Diese hat erst als Realsatire ihre politische Wirkung entfaltet, indem Erdogan und Bundeskanzlerin Angela Merkel die ZDF-Sendung kritisierten. Sie sind unfreiwillig zu Statisten in Böhmermanns Inszenierung geworden.

Aber muss der OB überall seinen Senf zu geben? Ja. So niveauvoll wie Folgendes: Sehr geehrter Herr Palmer, als Tübinger möchte ich mich für alle entschuldigen, die Sie kleingeistig und humorlos an Ihr Amt erinnern. Sie sollten Ihr Talent pflegen und regelmäßig in der Comedy-Stube auftreten. Schon bald werden Sie eine Fernsehsendung bekommen, vielleicht ja Böhmermanns, wenn der in der Türkei hinter Gittern sitzt.

Ihr Gernot Stegert

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13.04.2016, 01:00 Uhr

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