Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Neue Leber für ein neues Leben

Eine Transplantation rettete den heute zweieinhalbjährigen Anthony

Über 50 000 Kinder werden jährlich in der Tübinger Kinderklinik behandelt. Manche von ihnen sind sehr schwer krank – so wie der kleine Anthony. Er leidet an einem seltenen Gendefekt und musste sich deshalb im Dezember 2013 einer Lebertransplantation unterziehen. Sie rettete sein Leben.

22.12.2014
  • Lorenzo Zimmer

Tübingen. Anthony Noel Kaden aus Stockach am Bodensee kam im August 2012 auf die Welt. Er leidet seit seiner Geburt am Alagille-Syndrom, einer schweren Erbkrankheit. Sie führt dazu, dass die Gallenflüssigkeit nicht in den Darmtrakt abfließt. Dieser Stau in der Gallenblase führt zu Gelbsucht, schwerem, quälenden Juckreiz und Organversagen, weil die in der Leber gefilterten, giftigen Stoffwechselabfälle nicht aus dem Körper abgeführt werden können.

Im Juli 2013 starb seine Mutter an einer Leberkrebserkrankung – auch sie litt am Alagille-Syndrom. Damals stand Anthony auch bereits kurz vor einem Leberversagen. „Das war eine besonders schwere Zeit für mich“, sagt sein Vater Denis Kaden und kämpft mit der Fassung. Sein Sohn benötigte dringend eine Spenderleber, schwebte in Lebensgefahr. Der 46-jährige Kaden wollte einen Teil seiner Leber spenden, um seinen Sohn zu retten.

Doch das Tübinger Uni-Klinikum riet davon ab: „Eine solche Operation birgt immer auch für den Spender gewisse Risiken“, sagt Manuela Binder, Sozialpädagogin an der Kinderklinik. Sie ist Teil eines interdisziplinären Teams, das Familien und deren Kinder mit Leber- und Darmversagen betreut.

„Weil die Mutter gerade gestorben war und dem kleinen Anthony nur noch der Papa als Elternteil blieb, wollte man den Vater keinem Risiko aussetzen“, so Binder weiter. Außerdem sei ein solcher Eingriff eine Belastung für den Körper. Der Alltag des Alleinerziehenden hätte auch eine ausreichende Erholung von einer solchen OP nicht ermöglicht: „Man darf in dieser Zeit nicht schwer heben und muss auch immer wieder zur Nachsorge kommen“, sagt Binder.

Anthony stand drei Monate auf der Warteliste für eine Organspende. „Er hatte Glück und bekam ein Organ“, sagt Lisa Zoller, Fachschwester für intestinale Rehabilitation und Transplantation an der Tübinger Kinderklinik. Eine post-mortem gespendete Leber konnte von Tübinger Spezialisten geteilt werden. Der kleine Stockacher bekam die eine Hälfte. „So eine Teilung der Leber kann nur in ganz wenigen Krankenhäusern der Welt durchgeführt werden“, sagt der Vater glücklich. Sein Sohn überstand die mehrstündige Operation. „Letztes Jahr an Weihnachten war er dann halbwegs über den Berg“, erinnert sich Kaden. Das Fest verbrachte er bei seinem Sohn in der Klinik. Ende Januar wurde der Junge entlassen. Über einen Zugang direkt in den Magen wurde er auch zu Hause mit spezieller, leicht verdaulicher Milch ernährt.

Vor wenigen Tagen waren die beiden erneut in der Tübinger Kinderklinik. Dem kleinen Anthony wurde eine Gallenwegs-Drainage gelegt, die eine Stauung von Gallenflüssigkeit in Zukunft verhindern soll. „Die Ärzte haben den Jungen und seine Werte eine Weile beobachtet und sich dann gemeinsam mit Herrn Kaden für diesen Eingriff entschieden“, sagt Zoller. Inzwischen geht es dem Kleinen besser. Weihnachten wird er mit seinem Vater in Stockach verbringen. „Das erste Weihnachtsfest zu Hause“, sagt der Vater voller Vorfreude. Zur Unterstützung im Alltag hat er eine Tagesmutter für Anthony organisiert – sein Arbeitgeber hatte ihn für die Operationen seines Sohnes immer wieder freigestellt, doch nun möchte der gelernte Betriebsschlosser wieder an seinen Arbeitsplatz in einem Walzwerk zurückkehren.

Info: Der Verein „Hilfe für kranke Kinder“ braucht für die Finanzierung der Fachschwester und der Sozialpädagogin in der Kinderklinik noch 61 200 Euro. TAGBLATT-Spendenkonto: KSK Tübingen (IBAN: DE94 6415 0020 0000 171111 ) oder Volksbank (IBAN: DE 91 6419 0110 0171 1110 01). Im Überweisungsauftrag „Projekt 1“ vermerken. Wenn Sie nicht im TAGBLATT genannt werden wollen (oder auch, wenn Sie eine Spendenquittung wünschen) sollten Sie das angeben (bei Spenden über 200 Euro Adresse hinzufügen).

Eine Transplantation rettete den heute zweieinhalbjährigen Anthony
Anthony Noel Kaden im Spielzimmer der Kinderklinik. Er erhielt 2013 in Tübingen eine Lebertransplantation.Bild: Metz

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

22.12.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball