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Eine Waschmaschine für alle
In Giengen an der Brenz liegt das älteste Werk der BSH GmbH. Dort werden seit 1949 Kühlschränke, Gefriergeräte und Kühl-Gefrier-Kombinationen für die ganze Welt entwickelt und produziert. Foto: BSH
Neue Trends: BSH setzt auf gemeinschaftliche Geräte-Nutzung

Eine Waschmaschine für alle

Mit einer neuen App zur gemeinschaftlichen Nutzung von Waschmaschinen will die BSH Hausgeräte GmbH neue Marktpotenziale erschließen. Auch in die Entwicklung der vernetzten Küche wird weiter investiert.

13.04.2016
  • BIANCA FRIESS

München. Ständig läuft die junge Frau umsonst in den Keller: Die Gemeinschafts-Waschmaschinen sind alle belegt. Ein Mann muss währenddessen im Waschsalon warten, auch diese Zeit könnte man sinnvoller verbringen, verkündet er in einem Video der BSH Hausgeräte GmbH (BSH).

Der Konzern mit Sitz in München hat deshalb eine neue Firma gegründet: Die App "We wash", zu deutsch "Wir waschen", soll das Wäschewaschen einfacher und zeitsparender organisieren. Damit steigt die BSH in die Sharing Economy ein, also die gemeinschaftliche Nutzung von Geräten. Details werden erst auf der Elektronik-Messe Ifa im September vorgestellt.

"Wir sind damit auf dem Weg zum Uber des Waschens", sagt Karsten Ottenberg, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Er spielt auf eine App an, die Mitfahrer und Fahrer zusammenbringt. Die BSH will mit dem Angebot die Trends der Millenium-Generation integrieren - also der Menschen, die heute etwa zwischen 18 und 34 Jahren alt sind.

Das Unternehmen, das seit vergangenem Jahr eine 100-Prozent-Tochter der Stuttgarter Bosch-Gruppe ist, setzt stark auf den Fortschritt: 450 Mio. EUR, also 4 Prozent des Umsatzes, wurden 2015 in Forschung und Entwicklung investiert. 2014 waren es 373 Mio EUR. Insgesamt setzte die BSH 2015 12,6 Mrd. EUR um und damit fast 11 Prozent mehr als 2014. Zudem wurden 3300 neue Mitarbeiter eingestellt: 2015 beschäftigte der Konzern 56 500 Menschen, 17 000 davon in Deutschland.

"2015 war das bisher erfolgreichste Jahr in der Geschichte der BSH", sagt Ottenberg. Auch der Gewinn sei gestiegen, genaue Zahlen nannte der Geschäftsführer aber dieses Mal nicht. 2014 erwirtschaftete die BSH ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 705 Mio. EUR. Bis 2025 will der Konzern einen Umsatz von 20 Mrd. EUR erreichen, dabei liege man "voll auf Kurs," sagt Ottenberg.

Dafür wird auch die Entwicklung von vernetzten Küchengeräten weiter vorangetrieben. Im Juni diesen Jahres soll die Plattform "Home Connect" der BSH für externe Entwickler und Programmierer freigeschaltet werden, die dann eigene Anwendungen mit der App von BSH verknüpfen können.

In Sachen "Home Connect" hat der Konzern auch einen neuen Partner ins Boot geholt: Das Unternehmen Kochhaus (Berlin) verkauft Pakete von Lebensmitteln, nach Rezepten geordnet. "Es liegt nichts näher, als da auch eine Verbindung etwa zu einem Home-Connect-Ofen herzustellen", sagt Ottenberg. Die Rezepte sollen direkt auf das Gerät übertragen werden. Diese Idee ist derzeit in der Ausarbeitung.

Bis Ende des Jahres 2016 soll die "Home Connect"-Lösung dann in ungefähr 25 Ländern verfügbar sein. Dafür müsse man eine komplett neue Service-Infrastruktur ausrollen, sagt Ottenberg.

Wichtig ist dem Konzern auch die Regionalisierung der Geräte. In Indien kam etwa ein Mixer auf den Markt, der auch Mahlen kann. "Das ist für die indische Küche mit vielen Gewürzen wichtig", sagt Geschäftsführer Michael Schöllhorn, der das operative Geschäft leitet. Und in Amerika gibt es stattdessen den "SUV unter den Herden" - ein riesiger Ofen, "in dem man große Tiere braten kann", sagt Schöllhorn.

Um den regionalen Anforderungen gerecht zu werden, werden auch die Forschungs- und Entwicklungs-Kapazitäten im Ausland gestärkt. Das geht aber nicht zu Lasten der deutschen Standorte. Das Kompetenzzentrum für Kühlgeräte bleibe zum Beispiel in Giengen an der Brenz, sagt Pressesprecherin Eva Bauerschmidt. Dort wurde im vergangenen Jahr unter anderem ein Kühlschrank mit Kameras entwickelt. Über die Home-Connect-App gewähren sie auch von unterwegs einen Blick in den Kühlschrank.

Auf Entwicklungsseite gibt es auch am Standort Giengen noch Bedarf an neuen Mitarbeitern. Im vergangenen Jahr blieb die Zahl der Beschäftigten im ältesten BSH-Werk stabil, 2800 Mitarbeiter waren dort beschäftigt.

Vielleicht entwickeln sie in den kommenden Jahren tatsächlich einen Kühlschrank, der selbst Milch und Butter nachbestellen kann. Marketingmanager Ralph Albracht ist sich sicher: "Irgendwann wird es so weit kommen."

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13.04.2016, 06:00 Uhr

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