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Im Stehen durchs Gelände

Eine der besten Nachwuchs-Trialfahrerinnen im Land kommt aus Kusterdingen

Neuen Freunden beschreibt Carolin Sauerbrei ihr Hobby meist in zwei Sätzen. Erstens: „Ich fahr mit einem Motorrad auf unwegsamem Gelände.“ Zweitens: „Die Füße versuche ich dabei nicht auf der Erde abzusetzen.“ Nebenbei will sie damit sagen, dass Trial fahren viel mehr ist, als nur Gasgeben.

23.11.2015
  • Christine Laudenbach

Kusterdingen. Eigentlich ist Carolins Mutter dafür verantwortlich, dass ihre 15-jährige Tochter seit gut zwei Jahren mit dem Motorrad über Felsbrocken und gestapelte Paletten fährt, sich an steile Abhänge und schmale Grate wagt. Oder besser gesagt: ihr Vater. Als der 50. Geburtstag seiner Frau anstand, erzählt Uwe Sauerbrei, hatte er befürchtet, er müsse eine Reise mit ihr machen, „oder sowas in der Art“. Aber: Zu seiner Freude wünschte sie sich, einmal im Leben Motocross zu fahren. Und der Versuch mit der daraufhin gebraucht gekauften, kleinen Maschine zündete auf Anhieb.

Als das Cross-Motorrad schnell durch ein größeres ersetzt wurde, meldete Carolin, die Jüngste der fünf Kinder, Interesse an. Sie war begeistert. Die Wochenenden verbrachten die drei Sauerbreis fortan auf der Cross-Stecke. Dann kam der Winter. Die Suche nach einem Trial-Fahrrad, um in der Saison-Pause darauf Balance zu üben, gestaltete sich schwierig. Stattdessen lief Uwe Sauerbrei quasi ein Trial-Motorrad zu: „Das kostete viel weniger“, sagt er. Carolin informierte sich auf Youtube über diese Alternative – und stieg um. Im Gegensatz zu Motocross, bei dem die Fahrer möglichst schnell und als Einzelkämpfer unterwegs sind, gefiel ihr beim Trial das Miteinander. Neue Hindernisse werden im Team erarbeitet. In ihrem Fall heißt das: Carolin fährt, ihr Vater oder die Vereinskollegen vom MSC Falke Wildberg-Sulz sichern. „Crossen und Trial fahren kann man nicht vergleichen“, sagt die 15-Jährige. Bei ihrer neuen Sportart geht es um Geschicklichkeit. Und: Auch wenn im Stehen über Stock und Stein gefahren wird, ereigneten sich dank der geringen Geschwindigkeit kaum Unfälle.

Carolin ist sicher: „Mit diesem Hobby habe ich meinen absoluten Favoriten gefunden.“ Der zeitliche Aufwand allerdings könnte etwas geringer sein, da sind sich Vater und Tochter einig. Von März bis Oktober war die Motorsportlerin jedes Wochenende unterwegs. Auf Lehrgängen und Wettkämpfen. Wenn Carolin bei keinem Lauf an den Start ging, fuhr sie stattdessen zur Trainingsstrecke nach Sulz am Eck. Mittwochs nach der Schule holte sie ihr Vater dafür ohnehin direkt ab. Auf der Fahrt zum Gelände bleibe Zeit zum Lernen, sagt die Albert-Schweitzer-Realschülerin, die nach der Mittleren Reife im kommenden Jahr aufs Technische Gymnasium möchte

Der Einsatz dieses Jahr hat sich gelohnt: Carolin zählt zu den besten Nachwuchs-Motorrad-Trialfahrerinnen im Land. Auf dem Weg zu ihrem Ziel, der Deutschen Jugendmeisterschaft, hat sie den Baden-Württembergischen Jugendmeistertitel ihres Leistungslevels in diesem Jahr geschafft.

Auch beim ADAC-Bundesendlauf der Klasse 5 stand sie im Oktober auf dem obersten Treppchen. Was den Erfolg ausmacht? Carolin überlegt nur ganz kurz und sagt: „Wenn du langsam fahren kannst, hast du viel gewonnen.“ Balance müsse trainiert werden. Die innere Ruhe spiele eine große Rolle und der ganz persönliche Mittelpunkt. Ihre Körpergröße von ein Meter fünfundachtzig käme ihr zugute, Trial fahren, betont sie aber schnell, könne jedoch wirklich jeder.

Dabei ist es keinesfalls so, dass die 15-Jährige nur auf ein gerichtetes Motorrad steigt. Sie versorgt ihre knapp 70 Kilo schwere „Sherco 125“ auch selbst. Luftdruck und -filter, Ölwechsel und Kettenkontrolle: kein Problem für Carolin.

Trial fahren gehöre übrigens zu den billigsten Motorsportarten überhaupt. Uwe Sauerbrei gerät ins Schwärmen: „Mit zwei Satz Reifen kommt man durchs Jahr.“ Bei Motocross etwa, müsse alle drei bis vier Wochen gewechselt werden. Auch beim Spritverbrauch kämen sie mit 2,5 Litern Benzin pro Trainingstag wesentlich günstiger weg, als die Crosser mit 5,5 Liter in 45 Minuten.

Carolin brennt für ihren Sport, obwohl er bei Mädchen ihres Alters nicht unbedingt populär ist. Warum also Trail und nicht Ballett? „Ich bin schon eher der Motorrad-Typ“, antwortet sie ernst. Ganz davon abgesehen, dass es ihrer Hüfte nicht gut täte: „Für Ballett habe ich nicht die passende Figur.“

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23.11.2015, 17:30 Uhr

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