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Sia Makishe ist in Moshi fürs Kaffee-Marketing zuständig

Eine heiße Verbindung

Kaffee könnte ein belebendes Element der Städtepartnerschaft von Tübingen und Moshi sein. Gerechter Handel sorgt sogar dafür, dass jetzt in Moshi mehr Kaffee getrunken wird.

06.12.2012
  • Mario Beisswenger

Tübingen. Sia Makishe mag ihren Kaffee nicht so ganz stark und am liebsten, den aus ihrer Heimat. Die 27-Jährige wird die nächsten Tage viel über ihren Kaffee erzählen, der nahe bei Moshi an den Hängen des Kilimanjaro wächst. Sie ist die Frau für den Export und für die Fair-Trade-Vermarktung der KNCU Genossenschaft. Eingeladen wurde sie von der Stadt Tübingen, die ihre Partnerschaft mit Moshi in Tansania vorbereitet.

Ziemlich kalt sei es in Tübingen, ist ihr erster Eindruck nach einer kurzen Führung durch die Altstadt am Mittwoch. In Moshi hat es gerade 28 Grad. Makishe arbeitet dort bei einer Kaffeegenossenschaft mit rund 68 000 Mitgliedern, die mehr als 2000 Tonnen Kaffee einsammelt. KNCU steht für Kilimanjaro Native Cooperative Union und sieht sich als Pionier in der Bewegung für gerechten Handel und im Bio-Anbau. Sie besteht seit mehr als 80 Jahren.

Seit 1993 hat sie das Fair-Trade-Label und die Genossenschaft investiert die Extra-Einnahmen in eine Reihe von Projekten unter anderem in eine Baumschule für Kaffeepflanzen. „2008 nach dem letzten Preissturz haben viele Kaffeebauern ihre Bäume herausgerissen.“ Zudem sind fast 30 Berater in den rund 70 Dörfern unterwegs, um den Kaffeeproduzenten mit Hinweisen zum Anbau zu helfen.

Dazu investiert KNCU in Öko-Tourismus. Ein Café gehört dazu, das Kaffeebaum-Hotel und auf Kaffee-Touren lässt sich der Weg vom Strauch bis zur Tasse verfolgen. Dazu musste die Genossenschaft aber erst eine Rösterei bauen. Die Kaffeebauern trinken bisher kaum etwas von ihrem eigenen Produkt. Eine Schande findet Makishe, hält sie doch ihren Kaffee wegen der Anbaubedingungen – vulkanischer Boden, Höhenlage von bis zu 2000 Meter – für besonders gut: „Es gab das Gerücht, dass man von Kaffee Herzprobleme bekommt.“

Der Moshi-Kaffee der KNCU für Tübingen nimmt einen umständlichen Weg. Die Produzenten liefern nämlich den verarbeiteten Rohkaffee an eine staatliche Stelle. Von ihr kauft KNCU den eigenen Kaffee zurück. Von Moshi geht es dann zum Hafen, und über Hamburg zuerst nach Mössingen zur Rösterei und dann in die bislang sechs Verkaufsstellen in Tübingen .

Die seit 2004 zertifizierte Produktion von Bio-Kaffee wächst. Vergangenes Jahr waren gute zehn Prozent der Ernte bio, dieses Jahr sollen es an die 20 werden. „Wir haben da mehr Anfragen als wir liefern können.“ Nach Deutschland exportiert KNCU drei, vier Container im Jahr an die Fair-Trade-Organisation Gepa. Moshi-Kaffee geht auch nach Japan und der größte Aufkäufer für ihren Bio-Kaffee sitzt in Südafrika, berichtet Makishe. „Der würde gerne unsere ganze Bio-Produktion aufkaufen.“

Die Marketing-Frau schaut aber auf Diversifizierung. Ihren Aufenthalt bis zum 10. Dezember möchte sie vor allem zum Kontakteknüpfen nutzen. Heute Abend wird sie von 20.30 Uhr an im Stadtmuseum über ihren Kaffee erzählen. Wenn es die Zeit erlaubt, will Christopher Blum, bei der Stadtverwaltung für die Städtepartnerschaft zuständig, ihr auch einen Weihnachtsmarkt zeigen. Das hiesige Heißgetränk Glühwein muss Makishe erst noch probieren.

Eine heiße Verbindung
Sia MakisheBild: Metz

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06.12.2012, 12:00 Uhr

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