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Skandalös oder berechtigt?

Eine teure Klassenfahrt nach New York sorgt für Wirbel

Eine teure Klassenfahrt von 15 Berliner Schülern nach New York sorgt bundesweit für Wirbel. Denn die Reise wurde vom Steuerzahler finanziert.

06.11.2015
  • DPA

Berlin Central Park statt Goethes Gartenhaus: Eine Klassenfahrt nach New York ist ohne Frage verlockender als eine in deutsche Klassiker-Städte. Ein Englisch-Leistungskurs des Berliner Robert-Koch-Gymnasiums hat diese Studienreise gemacht - und Jobcenter bezahlten 38 000 Euro staatliche Sozialleistungen.

"Es ist wichtig, dass Schüler ein Erlebnis haben", sagt Micha Schmidt von der Berliner Landesschülervertretung. "Man kann nicht sagen: Du musst zur Schule gehen - aber wir geben dafür nur die geringsten Mittel." Im Schulgesetz stehe, dass Schüler andere Kulturen kennenlernen sollen. Wenn sich Steuerzahler auch diesen Aspekt von Bildung auf die Fahnen schrieben, dann müssten sie das Gesetz auch ernst nehmen.

Der Vorsitzende des Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, findet die Reise indes "skandalös". Dass so viel Geld aus Mitteln des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) der Bundesregierung bewilligt wurde, sei "eine Ohrfeige für alle Schulen, die sich bemühen, für sozial schlechter gestellte Eltern Austauschprogramme und Studienfahrten zu vernünftigen Preisen anzubieten". Der Fall aus Berlin-Kreuzberg ist für Meidinger, Leiter eines Gymnasiums in Bayern, auch "ein Zeichen dafür, dass es bei der Verwendung der BuT-Mittel massive Fehlsteuerungen gibt".

In ihren "Ausführungsvorschriften" schreibt die Berliner Bildungsverwaltung Schulleitungen ausdrücklich die Verantwortung zu, Eltern auf BuT-Leistungen hinzuweisen. Aber sind 38 000 Euro Kosten noch verhältnismäßig? Die Berliner Schüler hatten sich in ihrem Kurs verstärkt mit amerikanischer Kultur beschäftigt. "Ich habe sie als besonders engagiert erlebt, wie ich es hier nicht unbedingt gewöhnt bin", begründet ihr Rektor Rainer Völkel seine Entscheidung für New York. "Ich habe natürlich erstmal gestutzt. Sicher, die Summe war außerordentlich hoch", sagt Völkel. Weil die Schüler alle "lernmittelbefreit" waren, übernahmen die Jobcenter.

"Eine so teure Reise ist absolut nicht üblich, selbst an Gymnasien", sagt Ilka Hoffmann, Leiterin des Bereichs Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Wenn Eltern nicht zahlen könnten, schieße der Förderverein der Schule etwas zu - oder es sprängen eben die Sozialbehörden ein, in Berlin die Jobcenter. "Klassenfahrten kosten heute 200 bis 300 Euro pro Schüler für eine Woche, mit Flug dann vielleicht zwischen 400 und 500 Euro", sagt Hoffmann. Nicht aber 2500 Euro pro Nase wie im Berliner Fall.

Eine teure Klassenfahrt nach New York sorgt für Wirbel
Umstritten: New York als Ziel für eine Klassenfahrt. Foto: © Misu/Fotolia.com

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06.11.2015, 12:00 Uhr

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