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Das politische Buch

Eine unkonventionelle First Lady

Cornelia Scheel: Mildred Scheel. Erinnerungen an meine Mutter, Rowohlt Verlag, Reinbek, 240 Seiten, 19,95 Euro.

04.11.2015
  • DPA

Als Mildred Scheel (1931-1985) schwer an Krebs erkrankte, durfte die Öffentlichkeit nichts davon wissen. Denn es war zu tragisch, dass ausgerechnet die Gründerin der Deutschen Krebshilfe, diese Vorkämpferin für einen offeneren Umgang mit dieser Krankheit, nun selber an einem tödlichen Darmkrebs litt. Sie wollte Millionen von Krebskranken nicht entmutigen. Cornelia Scheel (52), die älteste Tochter Mildred Scheels, beschreibt in ihrer Biografie über ihre Mutter, wie schwer es war, diese Geheimhaltung aufrechtzuerhalten.

Die Frau des früheren Bundespräsidenten Walter Scheel war unter dem Namen "Frau Meyer" in die Klinik eingeliefert worden und lag dort abgeschirmt im 16. Stock. Wenn ihr Mann sie besuchen wollte, musste er sich "im Schutz der Dunkelheit über einen Hintereingang" fast heranschleichen. Auch konnte die Kranke niemals ihr Zimmer verlassen, selbst als sie dazu körperlich noch in der Lage gewesen wäre: "Diese unverschuldete Form der ,Einzelhaft' bedrückte sie, obwohl sie diese freiwillig gewählt hatte."

Die Passagen, in denen Cornelia Scheel über das Leiden und Sterben ihrer Mutter schreibt, sind sicherlich die berührendsten in ihrer Biografie. Man spürt, dass der Schmerz über den allzu frühen Verlust noch immer andauert. Mildred Scheel wurde nur 53 Jahre alt.

Cornelia Scheel schildert ihre Mutter als eine warmherzige, couragierte, aber auch überraschend unkonventionelle Frau. In Kleiderfragen zum Beispiel hatte die First Lady ihren ganz eigenen Stil. Ihre gewagten Kombinationen waren dem pingeligen Ehemann meist etwas peinlich. "Diese Tatsache ließ dem Bonner Protokoll stets das Blut in den Adern gefrieren."

Ein weiterer Alptraum fürs Protokoll war es, wenn Mildred Scheel bei einem Festbankett die Sitzordnung nicht passte. Hatte man sie neben einen Langweiler platziert, tauschte sie einfach kurz vor der Veranstaltung die Sitzkarten aus und sorgte so für einen amüsanteren Tischnachbarn.

Nicht immer war das Zusammenleben einfach, manches blieb unausgesprochen. So wagte es die Tochter nicht, der Mutter ihre lesbischen Neigungen zu gestehen. Andererseits verschwieg die Mutter ihrer Tochter, dass sie sie die ersten zwei Lebensjahre in ein Waisenhaus gegeben hatte. Mildred Scheel war in dieser Zeit eine alleinerziehende, berufstätige Mutter. Zu ihrem leiblichen Vater, dem Produzenten Robert Stemmle, hatte Cornelia Scheel keinen Kontakt.

Eine unkonventionelle First Lady

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04.11.2015, 12:00 Uhr

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