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„Einer der besten Säle der Welt“
Musikschuldirektor Sven Gnass war bei der Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg dabei.Privatbild
Ereignis der Zeitgeschichte

„Einer der besten Säle der Welt“

Horbs Musikschuldirektor Sven Gnass war einer der 2100 Gäste, die das erste Konzert in der Elbphilharmonie miterleben durften.

14.01.2017
  • Dunja Bernhard

Sensationell“, antwortet Sven Gnass auf die Frage, wie das Konzert am Vorabend gewesen sei. Wir erreichten den Leiter der Horber Musikschule am Donnerstagmorgen im Auto auf dem Weg vom Stuttgarter Flughafen nach Hause. „Es sollte einer der besten Konzertsäle der Welt werden. Das wurde erreicht.“

Die Akustik sei atemberaubend und unheimlich intim. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Die Musiker seien von jedem Platz – keiner ist mehr als 30 Meter vom Dirigenten entfernt – sehr gut zu hören und zu sehen. Allerdings sei auch jeder Schmatzer aus dem Publikum
zu hören.

Besonders sei die Anordnung der Bühne: Das Orchester rücke zirkelartig zusammen. „Das ist eine sehr gute Lösung.“ Auch im übrigen Saal finde sich nirgends eine Ecke. Alles sei rund und verschmelze miteinander. „Das sieht sehr harmonisch aus.“

Die Philosophie der Elbphilharmonie sei, das Verbindende der Musik herauszustellen. Das Verbindende greife auch die Architektur auf. Die verschiedensten Materialien sein nebeneinander verbaut worden. Die „Elphi“, wie die Hamburger den 789 Millionen teuren Neubau nennen, sei ein Bekenntnis der Stadt und ganz Deutschland zur Musikkultur, sagt der gebürtige Hamburger. Es sei gelungen, auf Tradition etwas Neues aufzubauen. Die Werbung für die Konzerte sei total modern. So könne Klassik aus der verstaubten Ecke geholt werden. „Das machen die Verantwortlichen der Elbphilharmonie mit unheimlicher Konsequenz.“

Starke Sicherheitsvorkehrungen

Das NDR-Elbphilharmonie-Orchester sei fantastisch gewesen. Es sei sehr schwierig, so viele verschiedene Stilrichtungen zu spielen. Mit dem Tod von Herbert von Karajan und Leonhard Bernstein sei eine Ära zu Ende gegangen. Doch mit diesem Residenzorchester könnte etwas Neues entstehen, sagte Gnass. „Das hatte was von einem sehr starken Anfang.“

Das Programm umfasste Stücke vom Frühbarock bis zur Gegenwart. Darunter Werke von Ludwig van Beethoven, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Richard Wagner, Bernd Alois Zimmermann und Max Liebermann. Der zeitgenössische Komponist Wolfgang Rihm hatte eigens ein Stück zur Eröffnung geschrieben. Der Dirigent Thomas Hengelbrock wollte die Akustik vorführen und zeigen, was möglich ist, sagte Gnass.

Besonders gut gefiel ihm, dass die Musikstücke ineinander übergingen – ohne Applaus
dazwischen –, wodurch die Gegensätze zwischen den Musikepochen besonders deutlich wurden.

Merkel unter den Gästen

„In diesem Rahmen war Avantgardemusik gut zu verstehen.“ Rihms Komposition sei zum Ende des langen Konzerts jedoch schwer aufzunehmen gewesen.

Das Konzert wurde von unglaublich starken Sicherheitsvorkehrungen begleitet, erzählt Gnass, der wegen der Kontrollen schon am Nachmittag an der Elbphilharmonie eintraf. Unter den Gästen waren Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck. Der ganze Bereich um die Elbphilharmonie sei abgesperrt gewesen, auf der Elbe patrouillierten bis zum frühen Morgen Polizeiboote. Auch im Gebäude
seien überall Sicherheitskräfte gewesen.

In den Pausen mischten sich die Gäste in den Foyers ganz zwanglos, erzählt Gnass. Das ganze Konzert habe etwas sehr Verbindendes gehabt. Er habe nur zwei Meter neben Joachim Gauck und Angela Merkel gestanden. „Es wäre kein Problem gewesen, sie anzusprechen. Mit Innenminister Thomas de Maizière habe er angestoßen. Er habe sich auch nicht anstrengen müssen, mit Intendanten großer Philharmonien ins Gespräch zu kommen. „Jeder hat sich mit jedem unterhalten.“

Geheimnis um Karte

220000 Musikliebhaber nahmen an der Verlosung für insgesamt 1000 Karten für die ersten beiden Konzerte teil. Jeweils 1600 geladene Gäste kamen dazu. „Herr Gnass, wie sind Sie an die Karte gekommen?“ „Da ist mein Geheimnis“, sagt er und fügt dann hinzu, er habe früher sehr viel in Hamburg gespielt – Gnass studierte Klarinette – und so seine Verbindungen.

Was nimmt er für sich von dem Abend mit? „Wann bauen wir in Horb unsere Kulturhalle?“, fragt er rhetorisch. Da das, wenn überhaupt, nur Zukunftsmusik ist, noch etwas Konkreteres: „Ich will frecher werden und an mich glauben.“ Er wäge bisher immer sehr lange ab, bevor er neue Sachen ausprobiere. Da Musik auch gesellschaftlich sehr viel bewegen könne, sei sein Glauben an Integration gestärkt worden.

Die hohen Kosten für das Hamburger Konzerthaus mit Hotel werden sich langfristig rechnen. Davon ist Gnass überzeugt. „Für das Gefühl der Menschen sowieso.“ Aber auch die Stadt werde durch den imposante Bau an zentraler Stelle enorm aufgewertet. „Die Attraktivität wird in die Welt getragen.“
Die Konzerte für das erste halbe Jahr sind schon jetzt restlos
ausverkauft.

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14.01.2017, 01:00 Uhr

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