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Einfach mal einen HIV-Test machen
Symbolbild: Oksana Kumer - fotolia.com
Aidshilfe

Einfach mal einen HIV-Test machen

In Deutschland leben rund 84 700 Menschen, die sich mit HIV angesteckt haben. 12 600 davon wissen nichts von ihrer Infektion. Das will die Aidshilfe Tübingen-Reutlingen ändern.

24.11.2016
  • Sabine Lohr

Es fing mit Schmerzen in der Lunge an, dann kamen Magen-Darm-Probleme dazu. Marie Sautter (Name geändert), etwas über 50 Jahre alt, geschieden, aus einem Dorf im Schwarzwald, ging von Arzt zu Arzt, aber keiner fand die Ursachen für das Unwohlsein heraus. Bis einer sie an die Tübinger Uni-Klinik schickte. Dort wurde ein HIV-Test gemacht. Er fiel positiv aus. Die Symptome waren erste Anzeichen von Aids.

„Sehr viele Menschen wissen nicht, dass sie HIV-infiziert sind“, sagt Brigitte Ströbele, Geschäftsführerin der Aidshilfe Tübingen-Reutlingen, von der auch Sautter sich beraten ließ. Geschätzte 12 600 Infizierte leben in Deutschland, ohne zu wissen, dass sie den Virus in sich tragen. Das ist nicht nur deshalb riskant, weil sie andere anstecken, sondern auch, weil nur bei einer frühen Erkennung den Patienten geholfen werden kann. „Etwa 80 bis 90 Prozent der HIV-Infizierten werden alt“, so Gitta Rosenkranz, Sozialarbeiterin bei der Aidshilfe. Längst gibt es Medikamente, die es HIV-Infizierten ermöglichen, ein ganz normales Leben zu führen. Wer sich einer solchen Therapie unterzieht, ist nach kurzer Zeit auch nicht mehr ansteckend. Doch der HIV-Test gehört immer noch nicht zur Routine in Arztpraxen.

„Dabei muss der Arzt ja gar nicht nach dem Sexualleben des Patienten fragen. Er kann ganz pragmatisch zu einem solchen Test raten“, findet Rosenkranz. Schon seit längerem bietet die Aidshilfe an jedem ersten Dienstag im Monat von 18.30 bis 20.30 Uhr in der Tübinger Beratungsstelle (Herrenberger Straße 9) anonyme Test-Abendsprechstunden an, bei denen sich jede und jeder kostenlos testen lassen kann.

Jetzt gehen die Mitarbeiter der Organisation auch auf Flüchtlinge zu. Denn auch unter denen sind HIV-Infizierte. „In der Regel haben sie sich auf der Flucht oder hier in den Unterkünften angesteckt“, sagt Ströbele. Gründe dafür sind, dass viele Flüchtlinge nichts über die Ansteckungsgefahr wissen, weil darüber in ihren Herkunftsländern nicht aufgeklärt wird – ebenso wenig wie über Sexualität. Auch sexualisierte Gewalt spielt eine Rolle.

    Die Aidshilfe hat deshalb kleine Kärtchen gedruckt, in vier Sprachen – deutsch, englisch, französisch und arabisch, die in den Unterkünften ausgelegt werden. Sie sollen zu einem HIV-Test motivieren und den Kontakt zur Beratungsstelle ermöglichen.

Außerdem bietet die Aidshilfe Präventionsveranstaltungen in Wohngruppen an, in denen minderjährige Flüchtlinge leben, die ohne ihre Familie hergekommen sind. Dabei geht es nicht nur um HIV und Aids, sondern auch ums erste „Daten“ und über Sexualität im Allgemeinen. Gitta Rosenkranz entwickelt zudem mit einer Freiburger Kollegin zur Zeit ein Konzept zur Ausbildung von einzelnen Flüchtlingen, die dann in den Unterkünften selber Veranstaltungen zur Prävention machen können.

    Mit den Tests und der Aufklärung allein ist es aber längst nicht getan: Die Aidshilfe kümmert sich auch um infizierte Flüchtlinge. „Wir schauen, dass sie möglichst schnell aus der Sammelunterkunft kommen, beraten sie und schicken sie zu Ärzten“, sagt Ströbele.

All diese Arbeit kostet Zeit und Geld. Letzteres kommt aus verschiedenen Fördertöpfen und durch Spenden. Eine Landesförderung gibt es dafür nicht – „anders als in Hessen“, so Ströbele.

Benefizgala für die Aidshilfe

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Aus diesem Anlass lädt die Aidshilfe zu einer Benefiz-Gala ein. Sie ist am Sonntag, 27. November, im LTT und beginnt um 19 Uhr. Der Comedian Jakob Nacken moderiert. Mit dabei sind das Liedermacherduo Suchtpotenzial, die Band Soulhossas, der Artist Kevin Knoche, die Sandmalerin Katrin Weißensee, der Kabarettist Uli Boettcher und der Comedian Ben Profane. Karten gibt es beim LTT und beim TAGBLATT. Am Donnerstag, 1. Dezember, ist um 18 Uhr eine Gedenkveranstaltung auf dem Sternplatz . Danach gibt es ein kleines Fest im „Pausenhof“.

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24.11.2016, 01:00 Uhr

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