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Einige Senioren geben ihren Führerschein ab und steigen auf den Bus um
Manche Senioren überschätzen ihre Fahrfähigkeiten. Die Zahl der Unfälle mit Seniorenbeteiligung ist in den vergangenen Jahre gestiegen. Foto: Felix Kästle/dpa
Ticket statt Führerschein

Einige Senioren geben ihren Führerschein ab und steigen auf den Bus um

Wer aufs Auto verzichtet, erhält in manchen Landkreisen eine Bus-Jahreskarte. Etliche Senioren nehmen das Angebot an, weil sie im Verkehr unsicher sind.

26.03.2018
  • PETRA WALHEIM

Konstanz. Gertraud Weiner aus Konstanz steht im Bus und strahlt. Die Frau ist 81, wirkt jugendlich und fit. Trotzdem hat sie freiwillig den Führerschein abgegeben und vom Landkreis eine Jahreskarte für den Verkehrsverbund Konstanz erhalten. Damit kann sie ein Jahr kostenlos mit Bus und „Seehas“ fahren. Etliche Städte und Kreise bieten den Tausch an. Doch nur wenige Ältere lassen sich darauf ein. Die meisten möchten nicht aufs Auto verzichten, obwohl sie im Verkehr oft unsicher und überfordert sind. Das spiegelt sich in der Unfallstatistik wider.

„Es ist mir nicht schwer gefallen, den Führerschein abzugeben,“, sagt Gertraud Weiner. Sie ist Jahrgang 1936, hat mit Ende 20 den Führerschein gemacht und immer ein eigenes Auto besessen. „Ich bin immer gern gefahren“, sagt sie. In all den Jahren sei sie unfallfrei geblieben. Sie habe sich aber Gedanken gemacht, ob sie in einer brenzligen Situation am Steuer noch schnell genug reagieren kann. Die Antwort lief auf ein „Nein“ hinaus. Es habe keinen Druck gegeben von Angehörigen oder Freunden, sagt sie. Die Abgabe des Führerscheins sei allein ihre Entscheidung gewesen.

Einige Senioren geben ihren Führerschein ab und steigen auf den Bus um
Gertraud Weiner: Abschied vom Lenkrad. Foto: Petra Walheim

„In Konstanz ist das ja auch kein Problem.“ Die Bus- und Bahnverbindungen seien gut, und sie habe einen guten Freundeskreis, der ihr helfe. In ländlichen Gefilden sei der Autoverzicht schwieriger. Gertraud Weiner ist bereits die 3000. Seniorin, die sich im Kreis Konstanz seit 2005 vom Führerschein getrennt hat. Oft geschehe das „unter sanftem Druck“ von Angehörigen, meist den Kindern, sagt Stefan Basel vom Landratsamt.

Mit 200 bis 250 Führerschein-Rückgaben pro Jahr liegt der Landkreis Konstanz weit vorn. Im Kreis Tuttlingen sind es zwischen 11 und 22. Auch dort gibt es im Gegenzug ein kostenloses ÖPNV-Jahresticket. Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald gibt es 17 bis 20 Rückgaben pro Jahr.

Wie bedeutend das Thema ist, zeigt ein Blick in die Unfallstatistik. Nach Angaben von drei befragten Polizeipräsidien ist die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von Senioren zuletzt gestiegen: im Bereich des Polizeipräsidiums Tuttlingen von 1362 Unfällen 2008 auf 1729 Unfälle 2017. „Damit ist die Zahl der Unfälle stärker gestiegen als der Anteil der Senioren im Straßenverkehr“, sagt Dieter Popp, Sprecher der Polizei in Tuttlingen. 62,8 Prozent dieser Unfälle wurden von den Senioren auch verursacht.

Ähnlich ist es im Polizeipräsidium Freiburg. Dort waren 2017 Senioren an 21 Prozent der Unfälle beteiligt, 13,3 Prozent wurden von ihnen verursacht. Fast identisch sind die Zahlen aus Konstanz: Allerdings verursachen Ältere deutlich weniger schwere Unfälle mit Schwerverletzten oder Toten als junge Fahrer

Die Unfallursachen sind meist altersbedingt: „Manche älteren Leute sehen oder hören nicht mehr so gut, sind in ihrer Beweglichkeit, in ihrer Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit eingeschränkt“, sagt Popp. Stelle sich heraus, dass die Unfallursache mit körperlichen Mängeln zu tun habe, werde der Autofahrer darüber informiert, dass ein Schreiben an die Führerscheinstelle geht. Die prüft, ob der Führerschein eingezogen werden muss.

Besser sei, das selbst zu merken und den Führerschein freiwillig abzugeben. Hilfreich kann ein Fahrsicherheits-Training sein. Der Landesseniorenrat und die Seniorenräte vor Ort arbeiten bei besonderen Trainings mit ADAC und Verkehrswacht zusammen. „Unser Anliegen ist es, die Älteren dabei zu unterstützen, dass sie so lange wie möglich mobil bleiben“, sagt Geschäftsführerin Birgit Faigle.

Sicherheitstraining und Fahr-Fitness-Check

Fahrsicherheits-Trainings für Senioren bieten sowohl der ADAC als auch die Verkehrswacht an. Die Übungen sollen dazu dienen, dass die Teilnehmer lernen, ihre eigene Leistungsfähigkeit realistisch einzuschätzen. Niemand muss die Befürchtung haben, dass ihm der Führerschein abgenommen wird. Gibt es deutliche Defizite in der Ausführung der Übungen, wird allerdings darauf hingewiesen.

Bei Fahr-Fitness-Checks, unter anderem auch beim ADAC, unternimmt der ältere Mensch eine 45-minütige Fahrt mit einem Fahrlehrer. Ziel ist es, die individuelle Fahrtüchtigkeit zu überprüfen. ⇥wal

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26.03.2018, 06:00 Uhr

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