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Geschäftsleben mal hellblau, mal rosarot

Einige Wechsel im Rottenburger Stadtzentrum / Im Frühjahr tut sich etwas zwischen Marktplatz und Josef-Eberle-Brücke

Der Einzelhandel in Rottenburg, soweit es nicht um die Großfilialisten geht, konzentriert sich immer mehr auf die beiden Achsen der Fußgängerzone Königstraße und Bahnhof-/Marktstraße. Die stabile Situation bei den Textilgeschäften scheint sich nächstes Jahr noch zu verbessern.

18.10.2014
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Es gab zähe Leerstände in den zurückliegenden Monaten in der Rottenburger Innenstadt, woanders ging der Pächterwechsel flugs vonstatten. Gut gesteuert war der Übergang in der Königstraße 44, wo Helga Vollmer die Raumausstattung Stehle als Inhaberin führte. Gardinen, Frottierwaren, Tisch- und Bettwäsche verkaufte sie dort. Das alte Haus hatten ihre Eltern Irma und Meinrad Stehle erst vor gut zwölf Jahren so umbauen lassen, dass erstmals Ladenflächen entstanden.

Zum Betrieb gehörte ein zweiter Laden bei der Oberen Brücke, wo es Bettmöbel und Matratzen gab. Die studierende Tochter, berichtet Volker Vollmer, wolle die Geschäfte nicht übernehmen. „Und dann schwebte das Damokles-Schwert des Einkaufszentrums auf dem DHL-Gelände über uns“, so Vollmer. Dort sei ein Dänisches Bettenlager vorgesehen, ein Großfilialist mit ähnlichem Sortiment. Also gaben Helga Vollmer ihr Geschäft auf, um die beiden Läden zu vermieten.

In der Kö 44 ist seit Juni eine Filiale der Mode-Marke „Gina Laura“. Sie gehört seit 2012 als eigenständiges Unternehmen mit mehr als 300 Filialen zur damals neu gegründeten Popken Fashion Group und bietet Damenmode der Größen 38 bis 48 an. Verantwortlich für Rottenburg ist Gebietsleiterin Petra Mangold

Bei der Zehntscheuer gab Stephan Endler nach vier Jahren sein Geschäft „LebensArt“ auf: Tee, Wein, Feinkost, Nützliches und Dekoratives. Seine wirtschaftlichen Erwartungen wurden nicht erfüllt. Mit frischem Schwung wagt sich Claudia Böhler an die Nachfolge. Sie ist 49, Floristin und kommt aus Weissach bei Stuttgart. Sie hat zehn Jahre Erfahrung als selbstständige Geschäftsinhaberin. Böhler nennt ihr Geschäft „Trüffelchen“, will mehr Feinkost anbieten als der Vorgänger, Wein, Schokolade, Pralinen und Kekse. Accessoires sollen folgen, „nicht alles auf einmal“, sagt sie.

Inzwischen hat sie im Obergeschoss ein kleines Café eingerichtet. „Ich bin romantisch“, erklärt sie den Stil. Böhlers Tag beginnt nun mit Kuchenbacken. Auch vorm Geschäft stehen zwei, drei Tische. Kleine Snacks, süß oder salzig, sind dort zu haben.

Eine neue Adresse für Veganer

„Genussecke“ nannte Sabine Glatzer diese ganze Gegend einmal und zählte neben dem ehemalige „LebensArt“ den „Weltladen“ und das „Früchtehaus“ hinzu sowie ihr eigenes „Café Caramel“. Derzeit ist es montags und dienstags an dieser Pforte zur Genussecke in bester Lage etwas still, weil das „Café Caramel“ – Fachgeschäft mit Schokospezialitäten, Pralinen, dreißig Sorten Kaffee und ein paar Tischen – und auch gegenüber „Bistro & Lounge“ an diesen Tagen nicht öffnen. Glatzers Gäste müssen langsam an Abschied denken: Sie geht mit ihrem Mann nach München und macht etwas anderes. Im Januar oder Februar hört sie – nach acht Jahren – hier auf. Hausbesitzer Ernst Heimes hat verschiedene Interessenten und steht auch mit dem Rathaus in Kontakt. Auf jeden Fall wolle er eine Nutzung haben, die der Stadt ähnlich gut tut wie Sabine Glatzers Engagement.

Vor zwanzig Jahren wollte die Viet namesin Phi Yen Pham, 47, ein Geschäft in Rottenburg aufmachen, dann kamen die drei Kinder. Jetzt packt sie es an. Vor einigen Tagen eröffnete sie in der Gartenstraße 15 den „Lotus Garten Asialaden“. Sie habe eine Marktlücke für veganes Essen entdeckt, sagt sie. Ihr Sortiment ist darauf ausgerichtet. Getrocknete Tofu-Haut zum Beispiel ist nicht an jeder Ecke zu bekommen. Pham will in ihrem Geschäft Kochvorführungen machen und an der Volkshochschule Kochkurse geben.

Viel Haltbares, dazu Tiefgekühltes und ein kleines Sortiment Frischwaren hat sie. In den Geschäftsräumen war früher ein Sattlergeschäft, seither wurden die Räume nicht genutzt. Phams Mann Khanh Nguyen ist gelernter Raumausstatter und konnte deshalb beim Umbau viel helfen.

Wer den leuchtend farbigen und leichten Paperpearl-Schmuck kaufen will, muss nicht mehr nach Tübingen fahren, wo die Schmuckdesignerin Heike Gödecke seit sechs Jahren in der Galerie „Dreiraum“ ist. Seit 2012 hat sie in Rottenburg ihre Manufaktur mit Showroom und Verlauf. Die Werkstatt, in der sie die Perlen und andere Kleinteile aus Flachs und Linters herstellt und mit Edelstahl kombiniert, liegt etwas versteckt unter dem früheren „Kapuziner-Laden“ an der Gartenstraße 8.

Zwei Fachgeschäfte für Kindersachen

„Cuore mio“ heißt der Kinderladen, den die Diplom-Bekleidungsingenieurin Nicole Theodossiadis in der Sonnengasse vor einem Jahr eröffnet hat. Vorher gab’s dort Stoff von Esro Jersey. Theodossiadis, 32, hat Mode für Kinder bis zum Schulalter, handgenähte Barbie-Kleider, Holzspielzeug, Stoffe und eine kleine Auswahl an Büchern. Junge Eltern seien wieder mehr bereit, etwas in qualitätvolle und individuellere Kleidung ihrer Kleinen zu investieren, sagt die Inhaberin.

Ebenfalls mit Kindern zu tun hat „VaterMutterKind“, das Geschäft von Kathrin Dahm und Tim Steinhage. Es ist umgezogen von der Stadtlanggasse direkt an den Dom. Die Second-Hand-Kinderbekleidung haben die beiden abgegeben. Das ganz neu in ein altes Haus gebaute Geschäft staffelt sich über drei Räume in die Tiefe und bietet Spielzeug, Brettspiele für die ganze Familie und seit Mittwoch ein paar Süßigkeiten. „Nicht auf Griffhöhe“, sagt Tim Steinhage.

Carmen Hintz hat eine Nachfolge für den Goldankauf gefunden, der in der rechten Seite ihres Hauses Bahnhofstraße 9. Manuela Pettenkofer eröffnet Ende Februar, Anfang März eine Boutique mit sportiver Herrenmode. „Prachtkerle“ nennt die 46-jährige Einzelhandelskauffrau ihr Geschäft. Mit „eher hochwertig“ und „casual“ beschreibt sie das Sortiment, das sie bald anbietet. „Die Kaufkraft fließt ab, weil es in Rottenburg zu wenig gibt“, sagt sie fast etwas lokalpatriotisch.

Das 100 Quadratmeter große Geschäft, in dem Hintz derzeit übergangsmäßig Schmuck aus ihrem früheren Geschäft verkauft, will Pettenkofer komplett umgestalten. „Der Charakter von außen muss sich im Laden widerspiegeln“, sagt sie. Außen, das ist die Fassade mit der auffälligen Backsteinverkleidung im Erdgeschoss. Die Rottenburger Architekten Martin Schilling und Hans Lütkemeier hatten sie bei einst einem Umbau im Bauhaus-Stil so machen lassen.

In frühere Parfümerie kommt ein Eiscafé

Nach zwei Jahren Leerstand beginnt in einem anderen Geschäft mit ungewöhnlicher Fassade die Wiederbelebung: Am Marktbrunnen, wo zuletzt die Parfümerie Gradmann war, eröffnet Micolino Luciano im Frühjahr ein Eiscafé. Der 51-Jährige ist seit vielen Jahren schon mit dem Eiscafé „Rino“ in der Marktstraße präsent. Dort will er auch bleiben, vielleicht etwas umbauen. Oben am Marktplatz hat eine größere Eistheke Platz, draußen sollen Tische und Stühle im Freien die Szene beleben.

Die „Café Bar“ in der Königstraße hat neue Pächter. Daniela und Wolfgang Greiner kamen über die Brauerei in Kontakt mit dem Vermieter. Es war einiges zu renovieren. Jetzt fühlt sich der gelernte Koch wohl. 61 ist er, die Geselligkeit sei ihm wichtig, das Gespräch mit den Gästen. Mittags soll es zwei schwäbische Gerichte geben und abends eine Vesperkarte. „Back to the roots“ sei er nun, sagt „Wolfi“ Greiner lachend. Denn die „Cafe Bar“ hatte er schon mal.

Offenbar die richtige Nische in einem winzigen Laden an der Marktstraße hat Dzevahira Leuffen gefunden. Zigaretten, Zeitschriften, Lotto und ein paar Getränke bietet die 49-Jährige aus Montenegro seit nun gut fünf Jahren an.

Einige Wechsel im Rottenburger Stadtzentrum / Im Frühjahr tut sich etwas zwischen Marktplatz und
Nicole Theodossiadis mit Tochter Thessa vor ihrem Kinderladen „Cuore mio“ in der Sonnengasse (links). Claudia Böhler hat über den Verkaufsräumen ihres Geschäfts „Trüffelchen“ ein Café eingerichtet. Bilder: Fleischer

Einige Wechsel im Rottenburger Stadtzentrum / Im Frühjahr tut sich etwas zwischen Marktplatz und
Nicole Theodossiadis mit Tochter Thessa vor ihrem Kinderladen „Cuore mio“ in der Sonnengasse (links). Claudia Böhler hat über den Verkaufsräumen ihres Geschäfts „Trüffelchen“ ein Café eingerichtet. Bilder: Fleischer

  • Abgänge gab’s im Rottenburger Einzelhandel auch. Die junge Modedesignerin Lucia di Nicola verließ im Sommer ihr Geschäft im ehemaligen Betten-Maier-Haus. Vor wenigen Tagen hat sie im Tübinger Nonnenhaus eröffnet. Sie wollte zurück in die Stadt, in der sie aufgewachsen ist.
  • >Rosemarie und Karlheinz Mayer, 65, aus Nagold haben ihren Rückzug aus Rottenburg vollendet und ihr zuletzt noch 30 Quadratmeter kleines Geschäft an der Königstraße geschlossen. 34 Jahre waren sie hier präsent. Die Nachfolgenutzung ist schon erkennbar: Ein Nagelstudio.
  • >Unweit davon in der Staig 4, wo Edith Oblyschuk ihren „Reiseladen“ aufgab, ist nun Dagmar Haspel mit „s’Räumle“. Die 45-Jährige bietet Massagen, biologische Körperpflege und im Schaufenster eine kostenlose Plattform für Künstler und Kunsthandwerkerinnen.
  • >Sabine Kastner wäre gern mit ihrem Reisebüro „Afrikascout“ in der Stadtlanggasse geblieben, sie beschreibt es sogar als „das schönste Reisebüro ganz Deutschlands“, aber äußere Umstände brachten sie dazu, ihren Service von Siegen aus wieder ausschließlich online anzubieten.
  • >Am Ehinger Platz verabschiedete sichChrista Oberwemmer in die Rente. Die 65-Jährige hatte nach einer Nachfolge für ihr „Teeparadies“ gesucht, aber letztlich ohne Erfolg. Für eine Mitarbeiterin habe der Umsatz nicht gereicht. „Es war eine wunderschöne Zeit“, sagt die Kiebingerin.

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18.10.2014, 12:00 Uhr

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