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Einsamkeit und Sex und Mitleid

Einsamkeit und Sex und Mitleid

Nach dem Roman von Helmut Krausser kreuzen sich in einer Großstadt die Lebenswege frustrierter und neurotischer Menschen.

Einsamkeit und Sex und Mitleid

Deutschland 2017

Regie: Lars Montag
Mit: Bernhard Schütz, Jan Henrik Stahlberg, Friederike Kempter

119 Min.

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01.02.2017
  • Dieter Oßwald

Die Lage der Nation in Sachen Liebe - so könnte dieses Kaleidoskop nach dem Roman von Helmut Krausser überschrieben sein. Flüsternde Erzählerstimmen geben eine Einführung in das famose Figurenkabinett. Da wäre Thomas, ein spießiger Polizist mit Rassismus-Problem (Jan Henrik Stahlberg). Er mimt gern den Macho vor seiner verschüchterten Kollegin, mehr als ein gemeinsamer Sauna-Besuch (samt Migranten-Bashing) läuft jedoch nicht.

Supermarktleiter Uwe geht die Sache pragmatischer an, er macht Kontakte übers Internet. Dem blasierten Smalltalk über Gin-Sorten an der Bar folgt die schnelle Nummer auf dem Behinderten-Klo. Bei der Teenager-Liebe knirscht es gleichfalls im Gefühlsgebälk. Dem sensiblen Johannes macht eine Sekte die Hölle heiß, als er erste Mädchenträume beichtet. Sein Objekt der Begierde muss sich derweil den forschen Mahmud vom Hals halten. Irgendwie findet die 14-Jährige dessen plumpe Anmache aber auch ziemlich cool.

So kompliziert und abstrus diese „Wer liebt wen, warum und wie?“-Geschichten klingen mögen, so lässig hat sie Regisseur Lars Montag miteinander verwoben. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen, die für Wow-Effekte sorgen. Die klassischen Beziehungsthemen wie die Suche nach Liebe, die Angst vor Einsamkeit oder das Verlangen nach Sex werden satirisch flott aufgemischt und mit visuellem Einfallsreichtum inszeniert. Beim Scheitern dieser Helden ist der Zuschauer mittendrin, statt nur dabei.

Die witzigen Dialoge fallen dabei so gelungen aus wie die Situationskomik, vom beweglichen Sex-Cartoon auf der Teenager-Innenhand bis zu den Gefahren von Staubsaug-Robotern für einsame Singles. Als Sahnehäubchen zum Schluss stimmen alle Akteure vereint beim Abspann den Peter Maffay-Schlager „Du“ an. Der Text fällt freilich etwas egozentrischer aus als im Sommerhit von 1970 - nun heißt es: „Ich bin alles, was ich habe auf der Welt. Ich bin alles, was ich will. Ich allein kann mich verstehen.“dd

Diese rabenschwarze Komödie hat eine substanzielle Wucht, wie sie im deutschen Kino selten ist.

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01.02.2017, 11:22 Uhr

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