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Einst Helfer, jetzt Fachkraft
Vom Arbeiter zur Fachkraft: Umschulungen, die von der Agentur für Arbeit ermöglicht werden, bieten vielen Menschen eine Chance. Foto: afp
Umschulung

Einst Helfer, jetzt Fachkraft

Wer keinen Berufsabschluss hat oder sich neu orientieren will, kann oft, aber nicht immer auf finanzielle Unterstützung bauen.

18.01.2017
  • NADINE RAU

Ulm. Aufstehen, frühstücken, Regale einräumen. Das gleiche Spiel – immer wieder: In einem Helferjob zu arbeiten, kann auf Dauer schwierig werden. Nicht nur für die Person selbst, sondern auch für den Markt, der auf ausgebildete Fachkräfte angewiesen ist. Die Agentur für Arbeit bietet deshalb Bildungsgutscheine an, mit denen sie Umschulungen und Fortbildungen finanziert. Geld bekommen aber nur die, die bestimmte Kriterien erfüllen.

Mindestens drei Jahre gearbeitet zu haben, ist eines der wichtigsten Kriterien. Andernfalls sollte man sich um eine ganz gewöhnliche Erstausbildung bemühen. „Es gibt Härtefälle und Ausnahmen“, sagt Sylwia Neustifter, die bei der Agentur für Arbeit Ulm in der Arbeitsvermittlung tätig ist. Ein Jugendlicher, der schon eine eigene Familie habe, zählt sie als Beispiel auf.

In der Regel wird zwischen den Personen unterschieden, die noch keinen Berufsabschluss haben, und denen, die einen vorweisen können, in ihrem alten Job aber nicht mehr arbeiten wollen oder können. Für erstere ist der Berufsabschluss erklärtes Ziel. Dazu zählen oft auch die, die zwar einen Berufsabschluss haben, später aber mindestens vier Jahre lang in einem Helferjob einer anderen Branche gearbeitet haben.

In diesem Fall kommt die Beraterin zu dem Schluss, dass der Angestellte wieder in seinen alten Job zurück kann. „Dann gibt es Unterstützungsmöglichkeiten wie zum Beispiel eine Probearbeit oder finanzielle Hilfe für die Eingliederung“, sagt Neustifter. Vorrang hat dabei die Notwendigkeit der Umschulung. Das bedeutet, dass per Gesetz festgeschrieben ist, wer für eine Umschulung infrage kommt.

Persönliche Eignung ist wichtig

Ob die Notwendigkeit besteht, jemanden umzuschulen, hängt etwa von der Gesundheit ab. Sollte ein Arbeitnehmer per Attest vom Amtsarzt der Agentur bestätigt bekommen, dass er seinen bisherigen Job nicht mehr ausführen kann, wäre dies der Fall. Aber auch der Arbeitsmarkt spielt eine Rolle. „Es gibt Berufsabschlüsse, die sind auf dem heutigen Markt gar nicht mehr verwertbar“, sagt die Beraterin.

Nicht berücksichtigt wird der Wohnort eines Kunden. Wenn die Chancen auf dem Arbeitsmarkt nur in seiner Wohnregion schlecht, woanders aber gut aussehen, gibt es keine finanzielle Unterstützung. In manchen Fällen muss zudem geprüft werden, ob der entsprechende Abschluss in Deutschland existiert und anerkannt wird.

Neben der reinen Notwendigkeit ist vor allem die persönliche Eignung wichtig. „Wir müssen wissen, ob die schulischen Kenntnisse ausreichen und ob die nötige Motivation sowie ausreichend Durchhaltevermögen gegeben sind“, sagt die Expertin. Eigens dafür muss der Bewerber einen vierstündigen Termin in der Agentur wahrnehmen, der zum Beispiel das Gespräch mit einem Berufspsychologen vorsieht.

Ist der Bewerber grundsätzlich geeignet, gibt es für die Umschulung zwei Wege: Entweder sie findet in einem Betrieb statt oder etwa bei einem Bildungsträger wie der IHK. Die Ausbildung im Betrieb in Kombination mit der Berufsschule richtet sich an einen kleinen, jüngeren Teil der Kunden, während die Umschulung bei den Bildungsträgern vor allem Erwachsenen gerecht wird.

In Bausteinen ausbilden

Wer eine Umschulung bräuchte, es sich aber nicht leisten kann, die entsprechend Zeit kein Geld zu verdienen, hat noch eine andere Möglichkeit. „Wir finanzieren dann eine Ausbildung, die in Bausteine aufgeteilt ist“, sagt Neustifter. Man macht dabei den ersten von bis zu acht Teilen, arbeitet dann wieder im Betrieb und absolviert den nächsten Umschulungsteil. Bereits Teil eins würde als Zusatzqualifikation gelten, die ihm im Zwischenjob hilft.

„Sobald wir sehen, dass die Voraussetzungen da sind und die Chancen auf Erfolg gut stehen, schulen wir gerne um“, sagt Michael Wägerle, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Ulm. „Aber wir können nicht alle Wünsche erfüllen“, ergänzt Neustifter. Der Fokus liege darauf, Leute zu Fachkräften zu machen.

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18.01.2017, 06:00 Uhr

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