Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Ein imposantes Keller-Netzwerk

Einstige Mühringer Bier-Lagerung erfolgte unter der Erde / Reges Interesse trotz schönsten Herbstwetters

Am Sonntagnachmittag setzte der Mühringer Ortshistoriker Hans-Josef Ruggaber seine Reihe der jährlichen Dorfführungen fort. Die Exkursion durch den Ort zeigte gezielt die historische Mühringer Bier-Versorgung, beziehungsweise deren Lagerung in speziellen Bierkellern. Das Interesse der Mühringer, ihren Ort tiefer zu ergründen, hatte nicht nachgelassen und wurde erneut durch die exzellente Führung zufriedengestellt.

11.11.2015
  • Philipp Eichert

Mühringen. Der Horber Stadtteil ist nicht erst seit Sonntag im Begriff, sich selbst zu entdecken. Spätestens seit der Archivierung des Mühringer Ortsarchivs (die SÜDWEST PRESSE berichtete) durch den Mühlener Manfred Steck zusammen mit Hans-Josef Ruggaber und dessen Sohn Jürgen (zuständig füs Bildmaterial) ist die vielfältige Mühringer Ortsgeschichte ins Interesse der Bürger gerückt. Dies unterstrich eindrucksvoll die Bierkeller-Führung des Dorfhistorikers Hans-Josef Ruggaber, die für gut 40 Mühringer Bürger bei schönstem Wanderwetter Interessantes unterbreitete.

Von neun Bierkellern sind drei in Privatbesitz

In der Oberamtsbeschreibung sind in Mühringen neun Bierkeller festgehalten, die ab 1826 bis Ende des Jahrhunderts angelegt wurden. Drei Keller sind inzwischen reiner Privatbesitz und waren damit keine Stationen der Keller-Wanderung. Zwar wurde nachweislich in Mühringen auch Wein angebaut, doch Keller-würdig war dieser offensichtlich nicht: die Keller sind allesamt als Bierkeller aufgeführt.

Neben der Gutsherrschaft legten sich auch die beiden örtlichen Brauereien im Adler und im Lamm – beide sind nicht mehr existent – solche Keller zu. Die erste Brauerei war im „Goldenen Hirsch“ mit eigenem Brauwasser aus dem darunter liegenden Keller. Die Brauerei in dem Judengebäude dürfte um 1850 aufgegeben worden sein. Im Keller wurde eine Mikwe (Sammlung der Wasser, jüdisches Ritualbad) eingebaut. Wann die vor etwa 15 Jahren von Ewald Wurster restaurierte Mikwe eingebaut wurde, ist nicht festgehalten. 1845 beantragte jedenfalls die jüdische Gemeinde Mühringen eine Schule ins ehemalige Gasthaus „Hirsch“ einzubauen.

Nach dem Treff vor dem Rathaus ging es am Sonntag erst einmal den Buckel hoch. Ziel waren die beiden Bierkeller „Am Kalkofenweg im Walde“ im Hang hinter dem Sportplatz. Die Keller mit einstiger Überdachung wurden 1880 angelegt und nach dem Krieg aus Sicherungsgründen zugeschüttet, so dass inzwischen außer dem Zugang nichts mehr zu erahnen ist. Den ersten Bierkeller konnte man in der „In der Burggasse“ besichtigen. Wohl aber nicht mehr allzu lange – zumindest nicht als Bierkeller. Der Besitzer und derzeitige Nutzer, die Firma Getränke Heinrichs, eine der letzten noch bestehenden Mühringer Firmen (1958 gegründet), muss den Betrieb zum Jahresende schließen, beziehungsweise auf einen verkleinerten Getränkeverkauf reduzieren. Wie der mit kleinen Lastwagen befahrbare Bierkeller danach genutzt wird, ist noch nicht bekannt. Zur Champignon-Zucht, wie nach dem Krieg ausprobiert, eignet sich der Keller nicht, da er zu feucht ist.

Die „Gnädige Gutsherrschaft“ ließ diesen Bier- und Eiskeller 1826 anlegen. Ursprünglich war dies „ein ein- und dreistockiges Kellerhaus von ausgemauertem Fachwerk unter Giebeldächer, nebst einstockiger Kellerüberdeckung unter Pultdach: 1 Vorplatz, 1 gewölbter Bierkeller, 2 Faßböden, 2 Lagerkeller, 1 Eiskeller.“

Einst ging das Keller-Gebäude vor bis zur heutigen Burggasse, wo sich ein Weiher befand. Aus diesem wurde im Winter über das Eis geschlagen und im Bier- und Eiskeller gelagert. Der Keller, der heute noch etwa 30 Meter tief in den Berg bis unter die Wiesenstetter Straße geht, ist heute einräumig und hält das ganze Jahr eine konstante Temperatur von acht Grad. Früher war der Keller mehrfach massiv unterteilt, was in den hinteren Kammern eine Eis-Lagerung ermöglichte.

Nächste Station war ein Kellerhaus „In der Gasse“ (Geniestraße 2). Dieses „Kellerhaus“ gehörte der Gutsherrschaft. Sie nutzte den geräumigen, weit in den Berghang hineinreichenden Keller als Bierkeller und vermietete die darüber befindlichen Wohnungen. 1895 wurde das alte Kellerhaus abgebrochen und 1897 einen Neubau darauf errichtet.

Der „Keller im Talweg“ befand sich im ehemaligen Bauernhof Kotz und gehörte zum Gasthaus „Lamm“. Er muss wohl vom „Lamm“-Wirt Karl Schübel in der Zeit von 1865 bis 1887 gebaut worden sein. In den Güterbüchern taucht er zum ersten Mal beim Verkauf des Gasthauses an Fabian Volk 1887 auf. Fabian Volk war „Lamm“-Wirt, bis 1912 die Familie Paul Albrecht dass Gasthaus übernahm. Nicht bekannt ist, ob der Keller noch von der Familie Volk an Albrecht verkauft wurde. Später wurde der Keller noch als Luftschutzkeller genutzt, bevor er an verschiedene Eigentümer ging.

Den Ausklang der Keller-Wanderung erfolgte „An der Lehensteige“ im Gemeindewald. Der Keller (Kellerbedachung auf Steinpfeiler und Felsenkeller) wurde 1868 von dem Felldorfer „Löwen“-Wirt Christian Baur angelegt. Im November 1873 verkaufte Baur an Carl Vollmer, Bierbrauer in Felldorf, den auf Mühringer Markung gelegenen Felsen-Keller im Mühringer Gemeindewald für 1500 Gulden. 1923 wurde der Keller dann aufgegeben.

Einstige Mühringer Bier-Lagerung erfolgte unter der Erde / Reges Interesse trotz schönsten
Gut 40 Mühringer wollten über die einstige Mühringer Bier-Versorgung, beziehungsweise über die Lagerung des Gerstensaftes informiert werden.Bild: lpe

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

11.11.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball