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L-Bank muss beim Technologiepark warten

Einzig baureifes Grundstück an Cegat GmbH

Zuletzt konnte es der Stadt Tübingen mit dem Bau eines zweiten Gründerzentrums im Technologiepark nicht schnell genug gehen. Doch kaum ist die Finanzierung durch die L-Bank zugesagt, rutscht das Projekt auf die Wartebank. Der Grund: Auf dem dafür vorgesehenen Bauplatz will sich die Firma Cegat ansiedeln.

30.06.2012
  • Sepp Wais

Einzig baureifes Grundstück an Cegat GmbH
Der Blick vom ersten Gründerzentrum im Tübinger Technologiepark zu dem Bauplatz im Viereck zwischen Sternwarte, nördlicher Paul-Ehrlich-Straße (rechts) und Waldhäuserstraße (im Hintergrund), der bisher für einen zweiten Gründerbau der L-Bank vorgesehen war. Jetzt soll die Startup-Firma Cegat das Grundstück für einen eigenen Neubau bekommen. Die dadurch wegfallenden Parkplätze will die Stadt über die Ehrlich-Straße hinweg auf die nördlich angrenzende Landesfläche auslagern. Bild: Metz

Tübingen. Im März dieses Jahres schien der Durchbruch geschafft. Da stattete Ministerpräsident Winfried Kretschmann dem komplett ausgebuchten Gründerzentrum auf der Oberen Viehweide einen Besuch ab und zeigte sich von der umtriebig-expansiven Forscherszene dort so angetan, dass er spontan versprach, die L-Bank werde die Finanzierung des schon lange angemahnten zweiten Technologie-Gebäudes übernehmen. Es sollte ein Zwillingsbau westlich der Sternwarte werden – an der Ecke Waldhäuser-/Paul-Ehrlich-Straße.

Doch dann erschien fast über Nacht ein neues Projekt auf der Bühne – ein Bauvorhaben, dem in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses höchste Priorität eingeräumt wurde und dem sich am kommenden Montag wohl auch der Gemeinderat nicht verweigern kann. Schließlich geht es darum, ein aufstrebendes Startup-Unternehmen langfristig an Tübingen zu binden – und so die Früchte der mühsamen Aufbauarbeit in der Hightech-Pflanzschule zu ernten.

Drei Jahre nach ihrem Start fühlt sich die Cegat GmbH stark genug, ihr 500 Quadratmeter großes und längst zu eng gewordenes Domizil im mietsubventionierten Gründerzentrum zu verlassen und sich einen eigenen Firmensitz zu bauen. Diesen nächsten Schritt in der Erfolgsgeschichte des jungen Unternehmens möchte die Gründerin Saskia Biskup „so schnell wie möglich“ angehen: „Wenn es irgendwie geht, wollen wir noch in diesem Jahr den ersten Spatenstich machen und bis Ende 2013 in den Neubau umziehen.“

Dass der im Technologiepark stehen soll, war für sie nie eine Frage: „Hier fühlen wir uns richtig wohl.“ Auf der Oberen Viehweide ist derzeit allerdings nur ein Bauplatz verfügbar – das für einen zweiten Gründerkomplex der L-Bank vorgesehene Grundstück nordwestlich der Sternwarte. Das soll nun Cegat bekommen: Am Montag wünscht sich Baubürgermeister Cord Soehlke das Plazet des Gemeinderats zum Verkauf einer 3400 Quadratmeter großen Baufläche zum Preis von 440.000 Euro.

Weitere Bauplätze erst in zwei Jahren

Dort will Cegat dann – laut Biskup für rund vier Millionen Euro – ein dreistöckiges Labor- und Bürogebäude errichten. Inklusive zusätzlicher Dachaufbauten in Form eines Staffelgeschosses (etwa für einen Konferenzraum und eine Wohnung) addieren sich die Nutzflächen auf 2500 Quadratmeter. Rund ein Drittel davon könnte Cegat in nächster Zeit vermieten, um es dann bei weiterem Bedarf selber in Beschlag zu nehmen. Sollte der Firma eines Tages das ganze Haus zu klein werden, wäre auf dem Grundstück Platz genug für einen Anbau.

Damit wäre Cegat auf lange Sicht hinreichend versorgt. Auch ein daraus resultierendes Folgeproblem ließe sich laut Soehlke wohl ohne größere Schwierigkeiten lösen: Der Cegat-Neubau verdrängt die provisorischen Parkplätze westlich der Sternwarte. Die könnten nach Ansicht der Stadtplaner – wiederum provisorisch bis zum Bau eines Parkhauses – auf einen Teil der landeseigenen Flächen nördlich der Paul-Ehrlich-Straße ausgelagert werden. Vorausgesetzt, das staatliche Vermögensamt spielt mit.

Für das zweite Gründerzentrum der L-Bank hat man im Technischen Rathaus derzeit aber keine Lösung, jedenfalls keine schnelle. Es gibt im ganzen vom Max-Planck-Areal im Südosten über den Horemer hinweg bis zum Nordring reichenden Entwicklungsbereich keinen verfügbaren Bauplatz. Es fehlt an den planungsrechtlichen Grundlagen.

Die sollen nun im Eiltempo geschaffen werden. Zunächst muss der zehn Jahre alte städtebauliche Rahmenplan aktualisiert und an neue Erfordernisse angepasst werden. Darauf aufbauend sind dann konkrete Bebauungspläne zu entwickeln. Wenn alles klappt, wie sich das der Baubürgermeister wünscht, kann man der L-Bank in zwei Jahren einen Bauplatz anbieten.

Die Cegat GmbH wurde im Jahr 2009 von der in Medizin und Biologie promovierten Humangenetikerin Saskia Biskup und ihrem Mann, dem Kaufmann Dirk Biskup, gegründet.
Die Firma bietet mit einem neuartigen Analyseverfahren die Erforschung genetischer Defekte und krankheitsverursachender Gene an. Für diese Innovation hat Cegat 2011 den Deutschen Gründerpreis bekommen.
Dank der Neuentwicklung kann Cegat die Entschlüsselung von Erbinformationen schneller und preisgünstiger anbieten, als es mit herkömmlichen Verfahren möglich war. So gelang es dem Betrieb, sich in kürzester Zeit auf dem Weltmarkt zu etablieren.
Anfang 2012 stieg der
Medizintechnik-Konzern
B. Braun Melsungen mit 20 Prozent bei Cegat ein. Dabei soll es laut Saskia Biskup auch bleiben.
Die Firma beschäftigt mittlerweile 30 Mitarbeiter. Deren Zahl, so Biskup, wird in nächster Zeit weiter anwachsen, ebenso der Jahresumsatz von zuletzt zwei Millionen Euro.

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30.06.2012, 12:00 Uhr

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