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Der Leitartikel

Eitel Sonnenschein?

Diplomatisch hat der Klimaschutz ein Jubeljahr erlebt. Das Pariser Abkommen ist binnen elf Monaten in Kraft getreten.

18.11.2016
  • MARTIN HOFMANN

Vereinzelt haben Vertragsstaaten auf der Konferenz in Marrakesch Pläne vorgelegt, wie sie das Ziel erreichen wollen, der Erdatmosphäre einen Temperaturanstieg von mehr als 2 Grad Celsius zu ersparen. Klar ist aber auch, dass diese Absichten nur umzusetzen sind, wenn der Abschied von einer auf fossilen Energieträgern basierenden Welt viel rascher gelingt als bisher. Da hapert es noch massiv an politischem Willen.

Was spricht für eine globale Energiewende? Die Menschheit verfügt über die Techniken, genug Elektrizität zu erzeugen, ohne die Erdkruste weiter auszubeuten. Innovationen ermöglichen diese weitaus effizienter einzusetzen. Die Kosten dafür sind niedriger als Kohle, Öl und Gas zu verfeuern, Umweltschäden auszugleichen und – sofern möglich – Gesundheitsfolgen durch Schadgase zu tragen. Jedes Land verfügt nun über die Chance, seine Bewohner ohne den Einkauf teurer Energieträger dezentral mit Strom zu versorgen. Und Elektrizität ist das Fundament ökonomischer Entwicklung und Voraussetzung für Bildung, Ausbildung und Forschung. Der Kampf um die schrumpfenden Ressourcen Öl, Kohle und Gas, der zu zahlreichen Kriegen geführt hat und sich verschärfen wird, entfiele. Er macht die Erdbewohner nicht zu friedfertigen Zeitgenossen. Aber dies mindert das Potenzial der Besitzer fossiler Lagerstätten, ihre Macht auszuspielen.

Was hält die Weltgemeinschaft davon ab umzusteuern? In wohlhabenden Ländern ist die Furcht der Regierenden gewachsen, dass Verlierer dieses Umbruchs politischen Schreihälsen nachlaufen. Dabei lassen sich globale Herausforderungen nicht mehr national lösen. Im Gegenteil. Die Politik zögert, den in der fossilen Welt Erfolgreichen vorzugeben, sich auf Veränderungen einzustellen. Ein riskantes Entgegenkommen zugunsten kurzfristiger Gewinnziele und verbunden mit der Gefahr, Zukunftsmärkte zu verspielen. In Deutschland gelingt es der Regierungskoalition zudem nicht, die Energiewende so zu organisieren, dass alle Bürger profitieren. Sie deshalb zu verzögern, wird deutlich mehr statt – wie gewünscht – weniger Arbeitsplätze kosten.

Die meisten ärmeren Länder bieten die weitaus besseren geografischen Bedingungen für den notwendigen Sprung in eine erneuerbare Energieversorgung. Ihn zu ermöglichen, bedarf einer konzertierten Aktion aller Industriestaaten. Diese gelingt nur, wenn längst zugesagte finanzielle Mittel endlich fließen, flankiert von intensiver Beratung. Die Hilfe muss an überprüfbare Vorgaben geknüpft sein: Unterstützung gibt es nur, wenn Investitionen rechtsstaatlich abgesichert sind und Gelder nur in vereinbarte Projekte gehen. Zudem: Anlagen liefern, genügt nicht. Den Menschen zu helfen, sich selbst mit Strom zu versorgen, muss ihnen Perspektiven bieten, am Aufbau und Fortschritt ihrer Länder teilzuhaben. Nur so schwindet überall auf dem Globus der Wunsch, dem Stillstand im eigenen Land den Rücken zu kehren.

leitartikel@swp.de

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18.11.2016, 06:00 Uhr

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