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Justiz

Ekliges im Edel-Lokal am Ebnisee

Das Amtsgericht Schorndorf hat einen Promi-Wirt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

10.11.2016
  • HANS GEORG FRANK

Schorndorf. Älteren Feinschmeckern im Großraum Stuttgart ist Ernst-Ulrich Schassberger noch ein Begriff. Doch nun dürfte auch den letzten Sympathisanten des Wegbereiters der gepflegten Gastronomie der Appetit vergangen sein. Der mittlerweile 70 Jahre alt gewordene Küchenmeister wurde vom Amtsgericht Schorndorf wegen ekelhafter Zustände in seinem Wirtshaus am Ebnisee im Schwäbischen Wald zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Weil Schassberger Bewährung gewährt wurde, muss er 2100 Euro an ein Familienzentrum bezahlen.

Was die Kontrolleure in dem stets großspurig beworbenen Gasthaus zwischen Mai 2015 und Mai 2016 entdeckt haben, sprengt den Rahmen üblicher Nachlässigkeiten. Schimmel auf Rehbraten, Kalbshaxe, Maracuja-Mango-Torte und an der Decke, Mäusekot in der Küche, Kakerlaken im Keller, Keime auf der Schneidemaschine, Pilze auf der Grütze, vergammeltes Fischfilet. Zu mangelhafter Hygiene gesellten sich abgelaufene Haltbarkeitsdaten. Schmutzig auch die Toilette neben der Küche.

Von den Mängeln gewusst

Schassberger hatte zunächst seinen offenbar überforderten Koch für die Zustände verantwortlich gemacht. Dieser jedoch verwies darauf, dass sein Chef von den Mängeln gewusst habe, sei er doch regelmäßig auch zum Abschmecken gekommen.

Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten sich über das Strafmaß verständigt. Zudem muss Schassberger 1800 Euro Bußgeld bezahlen, weil er den Kontrolleuren den Zugang zum Wirtshaus verweigert hatte. Das Restaurant ist inzwischen geschlossen.

Schassberger war in der Gourmetszene überregional bekannt geworden, obwohl er niemals einen Michelin-Stern oder eine vergleichbare Auszeichnung bekam. Er war lange der Wortführer der Köche-Vereinigung „Eurotoques“, die er als elitär vermarktete. Dabei führte er als Präsident ein selbstgefälliges Eigenleben, das dem Dachverband in Brüssel missfiel.

Zwist in der Familie

Sein Amt missbrauchte er 2006 für eine Familienfehde: Er warf eigenmächtig seinen Sohn Ernst-Karl – dessen Kochkunst mit einem Stern belohnt wurde – aus dem Verein. Bei einem Rosenkrieg legte der „Maître cuisinier“ der Ex-Frau und seinen Kindern viele Steine in den Weg. Damit musste sich auch das Amtsgericht in Schorndorf befassen, weil Schassberger senior zum Pfefferspray gegriffen hatte. 2012 gab Ernst-Karl Schassberger das Hotel auf. Es war 256 Jahre in Familienbesitz. Hans Georg Frank

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10.11.2016, 06:00 Uhr

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