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El Kotbia

Kein plakativer, sondern ein schöner, dunkler Film um Zwangsheirat und Befreiung.

Kein plakativer, sondern ein schöner, dunkler Film um Zwangsheirat und Befreiung.

EL KOTIBA
Tunesien

Regie: Nawfel Saheb-Ettaba
Mit: Yadh Beji

- ab 0 Jahren

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24.11.2015
  • ust

Ein junger Mann fällt – nicht ganz wörtlich – vom Himmel. Plötzlich ist er da und arbeitet in einer abenteuerlich voll gestopften Buchhandlung in Tunis. Woher er kommt und was er will, das bleibt lange im Dunkeln. „El Kotbia“ („Die Buchhandlung“) von Nawfel Saheb-Ettaba beginnt zwar mit dem Auftauchen von Jamil und endet mit seinem Abgang, dennoch ist dieser Film, der am Donnerstag um 20.30 Uhr das Terre-des-Femmes-Filmfest im Kino Museum eröffnet, ein Frauenfilm – von zwei Frauen, Schwiegermutter und -tochter, eigentlich nur anderthalb Generationen auseinander, und von ihren Vorstellungen vom Leben.

Die Schwiegermutter lebt ihr Witwendasein wie in einer selbst gewählten Gruft: dunkles Interieur, plüschig, staubig, an den Wänden eine Vielzahl von Stilleben und Spiegeln. Sie selber bewegt sich in dieser Umgebung mit starrer Miene und der Bereitschaft zu dienen, dem Sohn und schließlich dem neuen Angestellten. Sie entspricht damit keineswegs dem hierzulande gebräuchlichen Klischee der islamischen Frau. Sie ist eine Frau mit Würde, die sich nicht beugt und die trotz ihrer frühen, vom Vater erzwungenen Heirat nicht mit ihrem Schicksal hadert. Nur zart deuten sich ihre Träume und Wünsche und auch ihre Gefühle für den neuen Mitarbeiter an, der ihr Sohn sein könnte.

Dagegen kann die Schwiegertochter ihre Ausbruchsphantasien und Gier nach Leben kaum unterm Deckel halten. Ihr Mann scheint diesen Wünschen nicht gewachsen. Die junge Frau mit der schönen Stimme macht sich selbstständig. Doch auch hier greift der Regisseur nicht zu plakativen Mitteln. Die Trennung endet in einer anrührenden Versöhnung.

Der Ausflug in die tunesische Welt ist also nicht als Zeitreise angelegt – kein Ausflug in eine Welt, wie Europa es vor 100 Jahren war. Und führt ebenso wenig ins Sozialdrama. Unaufdringlich und leise zeigt er, dass die tunesische Männergesellschaft längst angekratzt ist. Seine beiden Männerexemplare konterkarieren die patriarchale Gesellschaft: Der Sohn ist verzweifelt und ohne seine Frau nicht lebensfähig, der zugereiste Buchhändler ist ein sensibler Spiegel des Lebens um sich herum, der die anderen zu ihren verborgenen Wünschen führt.

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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