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Mit Raumschiff-Surren

Elektro-Teil-Auto bereitet Fahrfreude / Angebot erzeugt gezieltes Interesse

Die Offerte war zu verlockend: Einmal im Leben ein richtiges Elektroauto zu testen. Gut, hätte sich auch anders organisieren lassen – aber wenn man dazu noch das Teil-Auto-Angebot in Horb nochmals vorstellen, vertiefend kennenlernen und dazu ein bisschen testen kann: Umso besser.

13.12.2014

Wär‘s weg, wär‘s nix: Das Ladekabel gehört zwingend in den Kofferraum.

Glücklicherweise ist die Zapfsäule im unteren Deck des Parkhauses in der Wintergasse. Das erfüllt an diesem Tag in doppelter Hinsicht den selben Zweck. Es regnet nämlich, und darauf kann ein am Netz hängendes Elektro-Automobil eigentliche genauso wenig abfahren wie der unbeschirmte Besucher.

Martin Heer, Geschäftsführer der Energieagentur Horb, empfängt den Interessenten an diesem Probe- und Informationsnachmittag, an dem das Carsharing-Modell in Horb noch einmal gezielt vorgestellt wird, mit drei Karten. Zwei davon sehen aus wie Scheckkarten, die dritte ist der Schlüssel. Kurze Einweisung und noch eben den Führerschein vorgezeigt. Dann kann und darf sie auch schon beginnen, die Probefahrt im Renault Zoe, da elektrisch angetrieben gewissermaßen so etwas wie der reizvolle Exot in der Horber Carsharing-Flotte.

Mit Karte eins, das ist die Buchungskarte, die man auch stets bei sich tragen sollte, entriegelt man das Auto und verschließt es am Ende auch wieder. Einfach an den Sensor unten an der Windschutzscheibe halten. Die zweite ist die Ladekarte, die man oben an der Windschutzscheibe in einen Bordcomputer steckt, und mit einem kurzen Tröten ist diese akzeptiert. Die dritte Karte, also den Schlüssel, schiebt man unten in die Mittelkonsole, und nach dem Drücken des Start-Stop-Knopfes kann der Spaß beginnen. Aber Moment mal: Wo bleibt das Motorengeräusch? Nichts zu hören. Eigenartig. Und so gänzlich ohne Brumm-Brumm aus der Parklücke nach hinten zu setzen, ist wahrhaft ein ungewöhnliches Gefühl für einen, der schon mehr als eine halbe Million Kilometer mit Verbrennungsmotoren gefressen hat.

Die Gewöhnung indes setzt schnell ein. Künstlich und absichtlich eingebaut ist bei niedrigen Geschwindigkeiten ein Rauschen, wie es bestens zu Raumschiffen in Science-Fiction-Filmen passen würde. Damit Fußgänger nicht überhaupt nichts hören. Und so schwebt man charmant aus dem Parkdeck hinaus auf die nasskalte Straße. Im Prinzip funktioniert alles wie bei einem konventionellen Automobil mit Automatik-Getriebe. Und die Beschleunigung des kleinen, vierrädrigen Burschen weiß durchaus zu überzeugen.

Bei aktiviertem Navigationsgerät kommen zusammen mit dem Fahrspaß derweil schnell weihnachtliche Gefühle auf. Denn es bimmelt elektronisch. Dieses Bing-Bing-Bing in der 30er-Zone der Bildechinger Steige verheißt indes keine Bescherung, sondern macht unmissverständlich klar: Zu schnell unterwegs.

Wenn man noch nicht einmal ein lauter werdendes Motorengeräusch als Indikator zur Verfügung hat, ist dieses elektronische Helferlein sicherlich ein gutes ? wenn auch nerviges ? Instrument, um all zu große Überweisungen an Stadt-, Kreis-, Landes- oder Bundeskassen tätigen zu müssen; zumal es im Gegenzug gerade mal Erinnerungsfotos nur in eher mäßiger Qualität gibt.

Man muss sagen: Zoe macht durchaus Spaß, aber nicht nur den gibt es ja beim Horber Teil-Auto-Projekt. Die anderen Fahrzeuge wollen schließlich auch genutzt werden, und man ist geneigt, diese etwas zu vergessen, wenn man es mit so einem innovativen Untersatz zu tun hat. Diesen stöpseln wir zum Abschluss des Versuchs noch an die E-Tankstelle an, was recht intuitiv und unproblematisch gelingt.

Doch nun nochmal zurück zum Teil-Auto: Martin Heer empfing gestern Nachmittag immerhin acht überaus interessierte Besucher, die sich in ausgiebigen Gesprächen in das Prinzip, die Vorteile und die Nachteile des Mobilitätsprojektes einweisen ließen. Er selbst zeigte sich damit durchaus zufrieden. Als Ersatz für das eigene Auto des Berufspendlers mag das geteilte Auto in der Stadt nicht so ganz praktikabel sein.

Für planbare Fahrten aber, bei denen der Wagen nicht über einen längeren Zeitraum ungenutzt jenseits der Stadt parkiert ? abgerechnet wird die Benutzung in Zeitfenstern ?, könnte das Modell Carsharing aber vielleicht ein praktikables und durchaus auch wirtschaftlich sinnvolles sein.Gerd Braun

Info Informationen zum Thema gibt?s im Internet unter www.horb.de/carsharing oder bei der Horber Energieagentur in der Neckarstraße 13 sowie telefonisch unter 07451/55 29 979.

Die erste Fahrt im Elektro-Automobil bereitete SÜDWEST-PRESSE Redaktionsleiter Gerd Braun durchaus Spaß. Vor dem Schalthebel in der Mittelkonsole steckt der flache, schwarze Schlüssel, ebenfalls im Scheckkartenformat gestaltetBilder: Kuball

Die Buchungskarte, hier zusammen mit dem Bordcomputer abgebildet, sollte man besser immer in der Tasche haben.

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Erstellt:
13. Dezember 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Dezember 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2014, 12:00 Uhr

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