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Elektromobilität, Umweltzone, ÖPNV – vieles ist denkbar, um die Stickstoffdioxid-Werte zu verringern
Dicke Luft in Reutlingen: Demnächst wählen Experten rund 20 Gegenmaßnahmen aus.Archivbild: Haas
Der Luftverbesserung auf der Spur

Elektromobilität, Umweltzone, ÖPNV – vieles ist denkbar, um die Stickstoffdioxid-Werte zu verringern

Das Verwaltungsgericht in Sigmaringen hat im Oktober 2014 bekanntlich das Land und die Stadt Reutlingen dazu verdonnert, die Luftbelastung in der Innenstadt rasch und umfassend zu verbessern. Doch auch im vergangenen Jahr lagen die Stickstoffdioxid-Werte in der Reutlinger Lederstraße mit 70 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft immer noch weit über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm.

29.10.2016
  • Thomas de Marco

Weil die Überschreitung so hoch ist, reichen einfache Maßnahmen nicht mehr aus. Deshalb will das Regierungspräsidium (RP) Tübingen dieses Problem mit dem Projekt „Modellstadt Reutlingen“ angehen.

Um den Kreis der Beteiligten aus Landesverkehrsministerium, RP und Stadt zu erweitern, ist im Sommer diesen Jahres eine so genannte Spurgruppe eingerichtet worden mit Vertretern aus Politik, Gemeinderat, Verwaltung, Verkehrsträgern, Umwelt- und Verkehrsverbänden sowie aus den Bereichen Gesellschaft und Gesundheit. Vor kurzem hat diese Spurgruppe unter Leitung von Nadja Schlör vom RP über den Stand des Konzepts zur Verbesserung der Luft informiert.

Über 150 Ideen zur Reduzierung der Luftbelastung sind gesammelt worden, rund 40 stehen auf einer vorläufigen Prioritätenliste der vier Gutachterbüros. Mindestens 20 davon werden nächste Woche ausgewählt und im nächsten Schritt detailliert auf Wirkung und Umsetzbarkeit bewertet. „Wir müssen prüfen, welche Maßnahmen am besten geeignet sind. Die Ergebnisse der ersten Analysephase zeigen uns, dass wir ein besonderes Augenmerk auf den Personen- und Güterverkehr sowie auf die Kleinfeuerungsanlagen legen müssen“, erklärt Gutachter Matthias Rau.

Modellberechnungen hätten deutlich gemacht: Das größte Potenzial zur Verminderung des Stickstoffdioxids bietet die Erneuerung der Auto-Flotte. Würden alle Fahrzeuge die neuesten Abgasnormen (Euro 6) erfüllen, würde sich die Stickstoffdioxid-Konzentration im Jahresmittel von derzeit 70 Mikrogramm in der Lederstraße bis zum Jahr 2020 um 42 Prozent verringern. Dazu wäre die derzeit heftig diskutierte Blaue Plakette nötig.

Die Analyse zeigt auch: Maßnahmen, die den Personenverkehr verlagern und vermeiden, aber auch die Öffnung des Scheibengipfeltunnels im Herbst 2017 verbessern die Luftqualität deutlich und ermöglichen weitere Maßnahmen. Deshalb hat die Stadt Reutlingen in ihrem Entwurf für den Doppelhaushalt 2017/18 rund 9 Millionen Euro für Mobilität und Klimaschutz eingestellt – unter anderem auch für das neue Stadtbusnetz.

Die Spurgruppe regt zudem an, die Fahrradmitnahme im Bus sowie den Ausbau von Busspuren zu bewerten. Ferner schlug sie vor, neben der Elektromobilität auch die Förderung erdgasbetriebener Fahrzeuge in den Blick zu nehmen. Ebenfalls im Fokus der Spurgruppe: Das Stadtklima und die Wirkung von Kleinfeuerungsanlagen, die näher untersucht werden sollten.

Bis Anfang 2017 werden die rund 20 vielversprechendsten Maßnahmen ausführlich bewertet, anschließend werden Szenarien definiert. Ab Februar wird die Öffentlichkeit beteiligt. Im Frühjahr sollen das optimale Gesamtkonzept und letztlich der Entwurf für die Fortschreibung des Luftreinhalteplans für Reutlingen vorliegen. Damit die gesetzlich vorgeschrieben Schadstoffgrenzwerte denn auch eingehalten werden können.

Feinstaub-Grenzwerte zwei Jahre lang eingehalten

Der Feinstaub ist anders als in Stuttgart nicht das große Problem in Reutlingen: Die Grenzwerte für Feinstaub der Kategorie PM 10 sind laut Regierungspräsidium Tübingen sowohl 2014 als auch 2015 (wenn auch nur sehr knapp) eingehalten worden. Ist das auch im laufenden Jahr so, dann gilt der Grenzwert als sicher eingehalten, die Feinstaubwerte müssen dann nicht mehr gemessen werden. Die Zahlen für 2016 werden Anfang des nächsten Jahres vorliegen,

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29.10.2016, 01:00 Uhr

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