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„Ich habe gerne Geschäft“

Elfriede Schmid hat als Hausdame im Hotel Krone einen umtriebigen Alltag

In den blauen Containern stapelt sich die Wäsche: Saubere Handtücher, Bett- und Tischwäsche in gelb, beige und weiß mit einer eingestickten Krone muss Elfriede Schmid von den Containern auf die Tische in ihrem Arbeitszimmer aufstapeln. Nebenher läuft die Waschmaschine, die Zimmer sind noch längst nicht fertig.

10.08.2012
  • Christiane Hoyer

Dienstags gibt’s im Tübinger Hotel Krone immer besonders viel zu tun: Da hat sich vom Wochenende die Wäsche von drei Tagen angehäuft, außerdem muss Elfriede Schmid heute mit einem Zimmermädchen weniger auskommen. Seit 26 Jahren ist Elfriede Schmid Chefin über die Sauberkeit von 41 Hotelzimmern, sie ist die Hausdame des Hotels. „Ich schaffe wirklich gerne“, sagt die 62-Jährige im weißen Arbeitskittel, „aber nicht bis 67“.

In ihrem Beruf hat die gelernte Hotelfachkraft viel Bewegung. Das Haus hat zig Winkel, Flure und Treppen. Die hauseigene Wäschemangel, die sie bedient, steht im Obergeschoss, das Arbeitszimmer mit der Waschmaschine ist im ersten Stock. Die läuft den ganzen Tag. Die Schürzen der Servicekräfte, die Berufskleidung des Personals, die Wäsche der Gäste: Mindestens sieben Ladungen füllt Schmid täglich in die Maschine, die schon 20 000 Betriebsstunden gelaufen ist. Ausgerechnet am Dienstag aber streikt sie: Während des Waschens tritt Wasser aus. „Ich bekomme eine neue!“, freut sich Schmid, nachdem sich der Monteur die Patientin angeschaut hat.

Selbst nach 26 Jahren findet Schmid ihren Beruf immer noch abwechslungsreich. Sie überprüft, ob die Zimmermädchen alles korrekt gemacht haben. Eine halbe Stunde haben sie Zeit für das Saubermachen im Doppelzimmer, 20 Minuten fürs Einzelzimmer. Wenn’s klemmt, packt Schmid mit an. Vor allem, wenn es schnell gehen muss, weil die Gäste abreisen und die neuen bereits im Anmarsch sind. Seitdem ihr Ehemann vor sechs Jahren starb, ist für sie das Arbeiten auch eine „wichtige Bestätigung“ .

„Ich habe gerne Geschäft“, sagt die 62-Jährige. Dabei ist es vor allem sie, die die jungen Kolleginnen antreibt. „Trödeleien“ kann sie gar nicht leiden, auch „keine Jammerlappen“. Nie würde es ihr einfallen, sich wegen eines Schnupfens krankschreiben zu lassen. Elfriede Schmid weiß, dass sie manchmal „zu hart gegen sich selbst und andere ist“. Aber sie war es halt von Kind an gewohnt, mit anzupacken. Im Schwarzwald ist sie aufgewachsen, das Helfen im Haushalt und Garten, das Versorgen von Nutztieren wie Hühner und Hasen, das Holz holen im Wald gehörte selbstverständlich zu den kindlichen Pflichten. Mit 14 Jahren hat sie mit ihrer Ausbildung im Sonnenberg-Hotel in Wildbad begonnen.

Schmid hat den jungen Kolleginnen jahrelange Erfahrung voraus. In der Schule, so ihr hartes Urteil, „lernen die jungen Leute heute nichts, was sie fürs Leben gebrauchen können.“ Auch zuhause müssten die meisten gar nichts helfen und würden „zur Unfähigkeit erzogen“. Sie versucht daher, dem Nachwuchs ihre Erfahrungen weiterzugeben. So gesehen fühlt sie sich im Hotel Krone auch nicht überflüssig. Ihr Chef, Alexander Stagl, achte auf ein gutes Betriebsklima. Dass viele Firmen die älteren Beschäftigten mit einer Abfindung oder Kündigung frühzeitig loswerden möchten, empört Elfriede Schmid. „Wir haben alle ein Leben lang geschafft, und dann werden wir kurzfristig abserviert – das ist absolut unmöglich“, sagt sie. Eine „fiese Tour“ von einigen Politikern findet sie auch, dass diese junge und ältere Generation gegeneinander ausspielen. Junge Leute profitierten schließlich auch von den Steuern der älteren Beschäftigten: in Kindertagesstätten oder an den Universitäten.

Für ihre eigene Tochter haben Elfriede und ihr Mann Peter eine private Lösung gefunden, wenn sie beide arbeiten gingen. Die Oma deckte die Zeiten ab, in denen die Schmids in Tübingen ihrer Arbeit nachgingen: Er als Geschäftsführer bei den Martin-Bonhoeffer-Häusern, sie in der Krone.

„Geschäft ist für mich kein Stress“, sagt Elfriede Schmid. Andererseits will sie auch „nicht schaffen, bis ich umfalle“. Wenn sie es gesundheitlich kann, möchte sie noch bis 65 arbeiten – nicht wegen des Geldes, sondern einfach weil’s ihr Spaß macht. Und dann? „Falle ich nicht in Altersarmut“, sagt sie. Die Aussicht, einmal nicht um fünf Uhr früh aufstehen zu müssen, weil sie um Punkt 7 Uhr mit der Arbeit anfängt, findet auch Elfriede Schmid durchaus verlockend. „Ich schreie nicht hurra, wenn der Wecker morgens klingelt“, verrät sie. Und: Ja, abends, zurück in Herrenberg, ist sie durchaus müde. Dann legt auch die Waschmaschine im Hotel bis zum nächsten Morgen eine Pause ein.

Elfriede Schmid hat als Hausdame im Hotel Krone einen umtriebigen Alltag
Eine eigene Wäscherei im Hotel: Das wäre Elfriede Schmids Traum. Aber auch ohne diesen Traum gibt es für sie genug zu tun im Hotel „Krone“.Bild: Metz

Elfriede Schmid hat als Hausdame im Hotel Krone einen umtriebigen Alltag

Seit diesem Jahr wird das Rentenalter schrittweise erhöht. Lag das gesetzliche Rentenalter bislang bei 65 Jahren, wird man im Jahr 2030 erst mit 67 in Rente gehen – formal zumindest. Denn Frühverrentung und Altersteilzeit führen dazu, dass viele sich bereits früher von ihrem Betrieb verabschieden.
In einer Serie will das TAGBLATT in Interviews und Porträts der Frage nachgehen: Wie realistisch ist die „Rente mit 67“? Wie erleben Ältere ihren Arbeitsalltag? Und was können Betriebe tun, um ältere Arbeitnehmer in den Betrieben zu halten?

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10.08.2012, 12:00 Uhr

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