Literatur

Elke Erb erhält den Büchnerpreis

Die vielfach ausgezeichnete Lyrikerin, in der DDR von der Stasi überwacht, gilt als unverdrossene Aufklärerin.

08.07.2020

Von DPA

Unerschrocken, unbeirrbar: die 82-jährige Elke Erb. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Darmstadt. Mit Literaturpreisen kennt sich Elke Erb aus. Die heute 82 Jahre alte, in der Eifel geborene und später in die DDR übergesiedelte Schriftstellerin wurde vor allem nach dem Mauerfall für ihre Prosa mit Auszeichnungen überhäuft. Jetzt hat sie den mit 50 000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preises und damit die wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland erhalten. Ob sie überrascht oder gar überwältigt war, behielt die 82-Jährige für sich. „Sie will keine Interviews geben“, sagte die Schriftstellerin der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

„Sie nahm die Entscheidung mit der Haltung derjenigen auf, die die Entscheidung nicht falsch finden können“, sagte der Präsident der Akademie, Ernst Osterkamp. Ihre Person, wie auch ihre Dichtung selbst beschreibt Osterkamp, der auch Mitglied der Jury ist, mit den Begriffen „Unerschrockenheit“ und „Unbeirrbarkeit“. Sie sei Leitfigur auch für jüngere Autoren.

Elke Erb wurde 1938 im kleinen Scherbach in der Eifel geboren. Bereits 1949 ließ ihr Vater, der marxistische Literaturhistoriker Ewald Erb, die Familie nach Halle in die DDR nachkommen. Sie studierte Germanistik, Slawistik und Pädagogik und arbeitete in den 60er Jahren als Lektorin beim Mitteldeutschen Verlag. „Seit 1966 ist sie freiberuflich als Schriftstellerin und Übersetzerin vorwiegend aus dem Russischen tätig“, teilte die Akademie mit.

„Ich reagiere wie eine Windharfe und registriere deren Klänge getreu wie ein Forschungsbericht“, beschrieb Erb einmal ihre Arbeit. Ihr Werk umfasst Lyrik, Kurzprosa und Übersetzungen. In den vergangenen mehr als 20 Jahren wurde sie unter anderem mit dem Peter-Huchel-Preis (1988) oder dem Mörike-Preis der Stadt Fellbach 2018 ausgezeichnet.

Ihr Schaffen rückte Erb auch in den Blickpunkt des Staatssicherheitsdienstes. Ihre ersten Bücher waren „Gutachten, Poesie und Prosa“ (1975) und „Der Faden der Geduld“ (1978), ausgewählte Texte erschienen auch im Westen. In den 80er Jahren nahm sie Kontakt zur Friedensbewegung auf und protestierte gegen die Ausbürgerung des Bürgerrechtlers Roland Jahn.

Elke Erb lebt heute in Berlin und in Wuischke in Sachsen. Sie ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und der Akademie der Künste in Berlin.

Oliver Pietschmannp

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Erstellt:
8. Juli 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Juli 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Juli 2020, 06:00 Uhr

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