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Gemeinderat

Eltern und Leiterin in Sorge

Gegen den geplanten Neubau eines Kinderhauses und den Verzicht auf eine Sanierung des evangelischen Kindergartens regte sich Widerstand. Von Cristina Priotto

20.03.2018

Von Cristina Priotto

Johanna Schrön trug in der Bürgerfragestunde der Gemeinderatssitzung am gestrigen Montagabend die Stellungnahme einiger Bürger zu der von der Sulzer Stadtverwaltung geplanten Aufgabe des evangelischen Kindergartens und zur Alternative Kinderhausneubau vor. Bild: Priotto

Gut 40 Interessierte vom Säugling bis zum Senior verfolgten am gestrigen Montag in der Gemeinderatssitzung die Diskussion um den evangelischen Kindergarten und den möglichen Neubau eines Kinderhauses in den Neckarwiesen. Auf Antrag von Klaus Schätzle (SPD) wurde dieser Tagesordnungspunkt daher vorgezogen.

Im Namen von vier namentlichen Unterzeichnern präsentierte Johanna Schrön eine Stellungnahme. Darin heißt es: „Wir sind beunruhigt über das, was mit Blick auf den Kindergarten in der Kernstadt beschlossen werden soll“. Die Verfasser werfen der Stadt und der evangelischen Verbundkirchengemeinde „Versäumnisse bei den Verhandlungen“ vor und sprechen von einer „Sackgasse“. Schrön verwies auf die „über Jahrzehnte bewährte Arbeit des evangelischen Kindergartens“ und zeigte Unverständnis über die Pläne, die Einrichtung „wegen technischer und finanzieller Hürden untergehen zu lassen“ und die Beteiligung der evangelischen Kirche aufzugeben.

Die Initiative forderte, die Abstimmung zu verschieben. „Es kann nicht sein, dass der evangelische Kindergarten geschlossen werden soll und die Stadt an seiner Stelle einen eigenen Kindergarten aufmacht“, lautete eine der Begründungen.

Die Eltern und Erzieherinnen störten sich insbesondere daran, dass im Vordergrund der Verhandlungen zwischen Stadt und Verbundkirchengemeinde finanzielle Detailfragen standen. „Nicht diskutiert wurde die eigentlich zentrale Frage, nämlich welche Art der zeitgemäßen öffentlichen Kinderbetreuung wir in der Kernstadt wollen und wer sich in welcher Weise daran beteiligt“. Darüber solle primär gesprochen werden – die Gebäudefrage sei hingegen zweitrangig. Johanna Schrön forderte die Stadtverwaltung und die Verbundkirchengemeinde auf, „ihre starren Haltungen aufzugegeben und aufeinander zuzugehen“ und die Bürger miteinzubeziehen.

Beate Roehse, Leiterin der Einrichtung, sagte: „Mein Herz blutet beim Gedanken, dass dieser wertvolle Ort uns verloren gehen könnte“ und appellierte an die Verwaltung, den evangelischen Kindergarten zu erhalten.

Bürgermeister Gerd Hieber versicherte: „Die Beteiligten haben es sich bei dieser Entscheidung nicht einfach gemacht“ und stellte klar, dass die Frage einer Trägerschaft durch die evangelische Verbundkirchengemeinde nicht in Frage stehe. Hintergrund für die Überlegungen sei, dass zu Beginn der Planung vor fünf Jahren von Bedarf für zwei Gruppen ausgegangen wurde. Nun besteht aber die Notwendigkeit für eine dritte Gruppe und Bedarf für eine weitere Krippe und somit vier Gruppen in der Sulzer Talstadt
– konkret in Zahlen 50 zusätzliche Plätze bis im September 2020.

Dekan Ulrich Vallon hatte im Juli 2017 und Februar 2019 allerdings im Gespräch mit der Verwaltung betont, dass die Kirche sich maximal mit 200000 Euro an dem Vorhaben beteiligen könne (wir berichteten mehrfach). Die Stadt hatte den städtischen Finanzierungsanteil auf 554000 Euro gedeckelt. Nachdem eine aktualisierte Kostenschätzung im Herbst 2017 eine Steigerung ergeben hatte, erhielt das Projekt im Haushalt einen Sperrvermerk.

Angesichts dessen war eine alternative Lösung – der Neubau eines Kinderhauses auf der letzten unbebauten Fläche in den Neckarwiesen – ins Gespräch gekommen.

Das geistliche Betreuungsrecht könne der evangelischen Verbundkirchengemeinde Sulz-Holzhausen aber dennoch übertragen werden, betonte Gerd Hieber. „Es geht darum, eine tragfähige Lösung zu finden, die den Ansprüchen künftiger Kinderbetreuung gerecht wird“, unterstrich der Sulzer Bürgermeister.

Tina Ziegler von der Stadtverwaltung stellte das geplante Vorhaben vor: Das zweigeschossige Gebäude mit einer Fläche von 630 Quadratmetern und einem Aufzug soll auf dem freien Grundstück gegenüber dem Backsteinbau in den Neckarwiesen entstehen. Von den Gesamtkosten in Höhe von 1,97 Millionen Euro müsste die Stadt – abzüglich der zu beantragenden Fördermittel – rund 1,3 Millionen Euro aufbringen. Damit käme ein Neubau nur unwesentlich teurer (281000 Euro Mehrkosten) als die Sanierung des evangelischen Kindergartens, die 1,89 Millionen Euro bei einem städtischen Anteil von 1,02 Millionen Euro gekostet hätte.

Der Neubau soll den Platzbedarf in der Talstadt decken und in vier Gruppen zusätzliche Betreuungsplätze für Kinder über und unter drei Jahren bieten. Als einige Vorteile nannte Ziegler, dass kein örtlicher Wechsel mehr zwischen Krippe und Kindergarten nötig sei, eine Ganztagsbetreuung von 7 bis 18 Uhr und Förderschwerpunkte etwa für Sprache angeboten angeboten werden könnten. Zudem sei am Standort Neckarwiesen bei Bedarf eine räumliche Erweiterung möglich.

Was sich im Haushaltsplan 2018 als Sperrvermerk für die Sanierung des evangelischen Kindergartens bereits angedeutet hatte, ist mit dem Gemeinderatsbeschluss Realität geworden: Das Gebäude in der Kanalstraße wird nicht saniert. Stattdessen wird in den Neckarwiesen ein Kinderhaus mit zwei Geschossen gebaut.

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Erstellt:
20. März 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
20. März 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. März 2018, 01:00 Uhr

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