Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Mauerstraßen-Kita soll 2012 dicht sein

Eltern wehren sich gegen geplante Schließung

Tübinger Eltern protestieren gegen die geplante Schließung von Kita- und Hort-Gruppen. 2012 soll die Kita in der Mauerstraße dichtmachen. Für die Stadtverwaltung sind eingruppigeEinrichtungen zu teuer.

09.10.2010
  • Volker Rekittke

Tübingen. Jeden Morgen bringt Astrid Franke ihre dreijährige Tochter ins Kinderhaus Mauerstraße. Für die Amerikanistik-Professorin, die im Nonnenhaus in der Altstadt wohnt, ist die Kita leicht mit dem Fahrrad zu erreichen. Von dort ist es nicht weit bis zu ihrer Arbeitsstelle im Brechtbau. Auch die Öffnungszeiten der Einrichtung für ein- bis sechsjährige Kinder sind für die Akademikerin ideal: von 8 bis 18 Uhr. In wenigen Monaten, so der bisherige Plan, wollte sie auch ihren zehn Monate alten Sohn in der Mauerstraße anmelden. „Das steht jetzt in den Sternen“, sagt Franke.

Kinderbetreuung ist ein Standortfaktor

Denn die Kita, in der 15 Kinder von drei Erzieherinnen betreut werden, soll Mitte 2012 dicht gemacht werden. „Da können Sie gar nichts mehr machen, das ist schon entschieden“, bekam Astrid Franke zu hören. Das stimmt nicht ganz: Die Schließungspläne sind Teil des großen Sparkonzepts der Stadtverwaltung, über das der Gemeinderat diesen Herbst abstimmen muss.

„Für mich war die gute Kinderbetreuung in Tübingen ein Argument, hierher zu kommen“, sagt Franke. Nachdem sie sich in Frankfurt habilitiert hatte, bekam sie zwei Rufe. Sie entschied sich für Tübingen. So ging es auch Gesine Drews-Sylla, die sich derzeit an der Tübinger Uni habilitiert: „Ich bin auf die Kita mit ihren flexiblen Zeiten angewiesen, um in meinem Beruf weiterzukommen.“ Sechs der 15 Mauerstraßen-Plätze werden von der Universität subventioniert – sie sind für Kinder von Uni-Mitarbeiter(inne)n reserviert. Was Drews-Sylla und Astrid Franke nicht verstehen: „Warum wird ein funktionierendes, richtig gutes pädagogisches Modell aufgegeben?“

Weil die Stadt sparen muss, sagt Finanzbürgermeister Michael Lucke. Zugleich: „Die Kinderbetreuung wird weiter ausgebaut“, verspricht Lucke, der zugleich Tübinger Sozialbürgermeister ist. Allerdings wird dabei auch Geld umgeschichtet: Von kleinen Einrichtungen wie der Mauerstraße hin zu großen Kinderhäusern. „Eingruppige Einrichtungen sind unwirtschaftlich“, sagt Lucke. 160 000 Euro pro Jahr kostet die Betreuung von 15 Kindern in der Mauerstraße.

Knapp 60 000 Euro davon tragen die Eltern über ihre Beiträge und vor allem die Universität durch die Subventionierung der sechs „Kiko“-Plätze. Drei Erzieherinnen für 15 Kinder – laut Lucke ist das „ein sehr guter Betreuungsschlüssel“. Zum Vergleich: In größeren, mehrgruppigen Einrichtungen wie im Alexanderpark oder in der Weststadt seien drei Erzieherinnen für 25 Kinder zuständig. Deshalb will die Verwaltung die Mauerstraßen-Kita nun „auslaufen lassen“. Und was passiert mit den sechs Plätzen in der Mauerstraße, die dort derzeit für die Uni reserviert sind? Dazu soll es noch in diesem Monat ein Gespräch mit Uni-Kanzler Andreas Rothfuß geben.

Es gibt in Tübingen nur noch eine weitere eingruppige Einrichtung für Kinder – in Bebenhausen. Und die soll bestehen bleiben: Für die Eltern wären die Wege in die Innenstadt zu lang, argumentiert Bürgermeister Lucke.

Auch Schülerhort Neckarhalde vor Aus?

Von Schließung bedroht sind auch der Schülerhort und der Kindergarten in der Neckarhalde – wenn auch noch nicht 2012. Das Ende für die beiden Einrichtungen soll erst dann kommen, wenn der Neubau des Lindenbrunnen-Pavillons fertig ist. Angesichts der leeren Stadtkasse dürfte das, so Lucke, frühestens 2013/14 der Fall sein.

Die Stadt Tübingen muss sparen. Was bedeutet das im einzelnen – für die Verwaltung, für Initiativen und Vereine, für die Bürger? Das TAGBLATT begleitet die aufkommenden Diskussionen über das „Projekt minus 10 Prozent“, über Personalabbau und Reduzierung von Standards, über den Abbau freiwilliger Leistungen, Zuschusskürzungen und Effizienzsteigerungen, mit einer Serie zum Sparpaket. Was sind die Folgen, wer sind die Betroffenen? Diesmal geht es um kleine Kinderbetreuungseinrichtungen wie das Kinderhaus Mauerstraße, das Mitte 2012 geschlossen werden soll, und den Schülerhort Neckarhalde, der ebenfalls dicht gemacht werden soll.

Das Tübinger Sparpaket – aufgeschnürt und ausgepackt

Eltern wehren sich gegen geplante Schließung
Das Kinderhaus Mauerstraße soll 2012 geschlossen werden, weil der Stadtverwaltung eingruppige Einrichtungen zu teuer sind. Während die Eltern dagegen protestieren, buddeln die Kinder vergnügt im Sandkasten. Von links: Lilli, Clara, Mirijam, Erzieherin Uli Krüger-Stahl, Zacharias, Emilio und Julian. Bild: Faden

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

09.10.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball