Pop

Emotionaler denn je

Auf seinem neuen Album „So weit . . .“ probiert Peter Maffay eine neue Herangehensweise aus.

21.09.2021

Von LBY

Peter Maffay hat Neues gewagt. Foto: Hendrik Schmidt

München. Natürlich hat mal wieder Corona Schuld. In diesem Fall ist das Virus aber ausnahmsweise für etwas verantwortlich, das viele freuen dürfte: das neue, diesen Freitag erscheinende Peter-Maffay-Album „So weit  . . .“. „Wir waren in einer verzwickten Situation“, sagt Maffay. Die geplante Tour habe abgesagt werden müssen, die Band war in alle Himmelsrichtungen verstreut. Und er, der für seine rastlose Umtriebigkeit berühmte Musiker, war zum Nichtstun verdammt. „Also was tun?“, habe er sich gefragt.

Ein paar Dinge habe er während des Lockdowns im Trockendock seines Red-Rooster-Studio-Komplexes im oberbayerischen Tutzing ausprobiert: ein eigenes TV-Format, einen Podcast, zudem ist er in ein Start-up eingestiegen. Alles Dinge, die ihm Spaß gemacht hätten – aber nicht viel mehr als eine Notlösung gewesen seien. Also: „Ich habe meine Song-Skizzen rausgeholt und angefangen, daran zu arbeiten.“

Normalerweise ist jedes Peter-Maffay-Album Resultat eines bandinternen Entstehungs- und Entwicklungsprozesses. Seine getreuen Musiker, mit denen die deutsche Rock-Legende mitunter seit mehr als 40 Jahren zusammenspielt, bringen sich kreativ in die Kompositionen ein – und prägen damit wesentlich die Gangart und den Sound der Alben. Normalerweise. Für sein neues Werk kam dies wegen Corona nicht in Frage.

Was tun? Natürlich – aus der Not eine Tugend machen. „Das war noch viel mehr“, sagt Maffay und schlägt einen fast schon pathetischen Tonfall an, „es war die Verwirklichung eines alten Traumes. Etwas, was ich schon immer machen wollte – wofür ich aber noch nicht den Mumm hatte.“

Ein ganz kleines Team hat Maffay für die Aufnahmen von „So weit . . .“ um sich geschart: den holländischen Multi-Instrumentalisten und ehemaligen Common-Linnets-Musiker J.B. Meiers sowie die Texter Benni Dernhoff und Johannes Oerding. In ein paar arbeitsintensiven Wochen seien elf Songs entstanden.

Im Verlauf des Albums gewährt der Künstler intime Einblicke: Wenn er in dem Song „Jedes Ende wird ein Anfang sein“ den Tod seines Vaters und die Geburt seiner Tochter Anouk thematisiert. Wenn er in dem Lied „Odyssee“ das längst ikonische Bild des ertrunkenen Flüchtling-Kindes in berührende Töne und Worte transformiert oder wenn er im „Lockdown Blues“ zu rabiaten Blues-Rock-Klängen seinen Frust über Corona ablädt: mitunter politisch aufgeladen. Dennoch ist „So weit . . .“ ein gefühlsbetontes Album. Gunther Matejka

Zum Artikel

Erstellt:
21. September 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. September 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. September 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen