Justiz

Empfinger Geldautomaten-Sprenger nun vor Gericht

Die Bande, die 2022 wohl auch den Empfinger Volksbank-Automaten ausräumte, muss sich in Bamberg verantworten.

26.04.2024

Von NC/dpa

Der Schaden am Gebäude der Volksbank-Filiale in Empfingen war immens. Archivbild: Gerhard Rebmann

Der Schaden am Gebäude der Volksbank-Filiale in Empfingen war immens. Archivbild: Gerhard Rebmann

In der Nacht zum 9. Dezember 2022 wurden die Menschen in Empfingen laut aufgeschreckt: Gegen 2.30 Uhr wurde der Geldautomat in der Empfinger Volksbank-Filiale gesprengt. Verletzte gab es nicht, allerdings war die Detonation so stark, dass noch auf der anderen Straßenseite Autos von herumfliegenden Trümmern beschädigt wurden. Die Täter, die eine Beute im unteren fünfstelligen Bereich machten, entkamen zunächst unerkannt.

Am Donnerstag haben die mutmaßlichen Täter ein Gesicht bekommen – und zwar vor dem Landgericht Bamberg. Dort muss sich eine mutmaßliche Bande verantworten, die für 30 Sprengungen in ganz Deutschland verantwortlich sein soll. Die 16 Männer aus den Niederlanden und Belgien sollen in den Jahren 2021 bis 2023 vor allem in Bayern und Baden-Württemberg zugeschlagen haben – eben auch in Empfingen. Weitere Geldautomaten sprengten sie demnach in Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen. Da die Ermittler den Angeklagten im Alter zwischen 23 und 42 Jahren auch Fälle in Oberfranken zur Last legen, wird der Fall in Bamberg verhandelt. Es ist der größte Prozess, den es gegen Automatensprenger hierzulande je gab – entsprechend hoch ist der Aufwand. Verhandelt wird daher in einer Halle auf einem Polizeigelände.

Die Beute der Angeklagten beträgt mehr als 3,3 Millionen Euro. Noch höher ist der durch die Sprengungen angerichtete Schaden mit mehr als 5,5 Millionen Euro. Die Beschuldigten sollen bei ihren Taten höchst professionell und arbeitsteilig vorgegangen sein. Als Hauptquartier diente ihnen demnach ein Gebäude in den Niederlanden, wo die Bande Sprengstoff und Autos für die mutmaßlichen Taten vorbereitet haben soll.

Über die auf Überwachungskameras zu sehende Kleidung waren Fahnder auf die Spur gelangt, weil sie diese dem holländischen Markt zuordnen konnten. Der Bande gelang es offenbar, in sozialschwachen Vierteln – etwa in Utrecht – Mitglieder anzuwerben. Sie sollen an ausrangierten Geldautomaten das Sprengen ganz gezielt trainiert haben. Mit einem Pizzaschieber haben sie offenbar den Sprengstoff in die Automaten eingeführt und sich dann im Sportwagen mit geklauten Kennzeichen in Windeseile davon gemacht. Ihre Ziele lagen stets nah an Autobahnen.

Urteil erst am Jahresende

Der Prozess in Bamberg begann zunächst schleppend. Noch bevor der Vertreter der Staatsanwaltschaft die Anklage verlesen konnte, wurde die Verhandlung unterbrochen. Mehrere der über 30 Verteidiger in dem Verfahren bemängelten, dass sie erst einen Tag vor Beginn der Hauptverhandlung weitere umfangreiche Akten erhalten hätten, ohne diese bislang einsehen zu können. Der Vorsitzende Richter Markus Reznik sagte, die Kammer sei damit auch nicht glücklich.

Mit Blick auf ein möglichst schnelles Verfahren und die bestehende Haft der Angeklagten habe er aber zunächst keine andere Möglichkeit gesehen. Die Strafkammer hob die bis zum 8. Mai geplanten Termine schließlich auf. Dann soll über die mehrere Anträge und den weiteren Prozessverlauf entschieden werden. Die Angeklagten bleiben bis dahin in U-Haft. Ein Urteil wird frühestens Mitte Dezember erwartet.

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Erstellt:
26.04.2024, 17:14 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 29sec
zuletzt aktualisiert: 26.04.2024, 17:14 Uhr

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