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Spannende Arbeiten

Empfinger Kirchturm ist saniert / 22. November Stehempfang

Das Gerüst am Kirchturm der Pfarrkirche Sankt Georg ist bald Vergangenheit. Es wird dieser Tage abgebaut. Am weithin sichtbaren Empfinger Wahrzeichen haben die Handwerker im vergangenen halben Jahr bei der gründlichen Sanierung ganze Arbeit geleistet.

05.11.2015
  • WERNER BAIKER

Empfingen. Nur wer den Zustand des historischen Gemäuers zu Beginn der Arbeiten in Augenschein nahm und nun nach deren Abschluss Gelegenheit für einen Vergleich hatte, der kann sich ein Bild machen, welche Herausforderung am Objekt gemeistert wurde. Besonders für die Steinmetze, bestehend aus dem Team des Naturstein-Restaurierungspezialisten Armin Hellstern aus Freiburg und der einheimischen Firma Hellstern und Kessler, in Zusammenarbeit als Bietergemeinschaft. Auch die farbliche Gestaltung des Turmes durch den einheimischen Malerbetrieb von Mike Nafz, hatte seine spannenden Momente.

Dekan Alexander Halter freut sich über die gelungene Kirchturmsanierung. Der zeitliche Rahmen konnte ebenso wie der Kostenrahmen eingehalten werden. Wie schon berichtet, waren nach verschiedenen Zuschüssen von Diözese, Denkmalamt, Kommune, Kirchengemeinde und einer Spende von Pius Brändle noch eine Summe von 108 000 Euro offen, die durch Spenden zu finanzieren ist. Bis jetzt wurden dafür durch Aufrufe und Aktionen 48 048 Euro gesammelt, also müssen noch rund 60 000 Euro geschultert werden.

Die Sandsteinbrüche sind geschlossen

Nötig hatte es der Kirchturm, es war keine reine „Schönheitskur“, sondern notwendige Erhaltungsarbeiten für die nächsten Jahrzehnte. Eine große Anzahl von Eckquadern, Mauersteinen, Gesimse und Teile von Profilen an Öffnungen und Schallloch-Einfassungen mussten von den Steinmetzen ausgetauscht werden.

Die frühen Baumeister hatten für den Turm das Gesteinsvorkommen der Umgegend genutzt. Im Ursprung vorwiegend Renfrizhausener Forellensandstein, an den unteren Geschossen als Sichtmauerwerk erkennbar. Später im Jahre 1592 bei der Turmaufstockung gab man gelbem Sandstein und grünem Schilfsandstein den Vorzug. Erstaunlicherweise finden sich immer wieder auch große Blöcke aus Muschelkalk.

Geeignetes Ersatzmaterial aus der Nahbarschaft gibt es nicht mehr, die gesamten Steinbrüche dafür sind geschlossen worden. So mussten die auf Maß zugesägten roten Steinblöcke palettenweise aus Seedorf bezogen werden. Das Material wurde für 66 Vierungen (rechteckig ausgearbeitete Vertiefungen von schadhaften Stellen im Stein) und Eckquader verwendet.

Der gelbe Sandstein, Ersatz an 57 Schadstellen, kommt heute aus Udelfang bei Trier in Rheinland-Pfalz und 15 grüne Schilfsandsteinteile wurden aus Sander in Franken in den Turm eingebaut. Die benötigten Muschelkalksteine stammen aus Sonderbuch bei Zwiefalten.

Alle diese Ersatzsteine wurden mit speziellem mineralischen Restaurierungsmörtel eingefügt. Ein Großteil davon mussten zusätzlich mit Edelstahlstiften im Gemäuer verankert werden. Mit verdünntem Mörtel wurden rückwärtige Hohlräume ausgegossen.

Die Oberflächen bekamen durch die Steinmetze eine homogene Anpassung an die vorhandene Steinstruktur. Unzählige Risse und Fugen waren mit geeignetem Restaurierungsmörtel auszufugen und auszubessern. Der Mörtel überdeckt auch kleinere Schadstellen und gleicht diese an.

Eine Knochenarbeit, besonders an Steinen direkt am Turm war das „Abbeilen“ von 27 Quadratmeter Oberfläche nach historischem Vorbild. Hier kam die so genannte „Fläche“ zum Einsatz, ein beilartiges Werkzeug, das dem bearbeiteten Stein eine besondere Struktur verleiht.

Den größten Stein musste man am Abschluss des Stützpfeilers Richtung Rathaus ersetzen (links im Bild). Dieser wog mehrere hundert Kilo und wurde in der Werkstatt vorgefertigt. Auch das Gesims des Dachanschlusses der früheren Kirche musste komplett erneuert werden.

Spezielle Farbrezeptur wurde gemischt

Die Farbgestaltung am Turm erwies sich als kein ganz leichtes Unterfangen. Anhand der umfangreichen Farbmuster der Firma Keim, konnte Maler Nafz keinen Farbton finden, der dem am Turme entsprach. So galt es ein zehn mal zehn Zentimeter großes Putzstück mit Originalfarbe aus der unverwitterten Putzfläche hinter dem Zifferblatt an der Westseite herauszutrennen, das die Firma Keim analysierte und einen Sonderfarbton herstellen musste. Diese Rezeptur bleibt bei Keim lebenslang gespeichert.

Der Anstrich des Kirchturmes im Oktober war vom Wetter her optimal. Es wurden 450 Kilogramm des mineralischen Putzsystems Granital verwendet, bestehend aus Putzfestiger, Haftvermittler und eingebürsteter Schlämme, zur Haarrissverdichtung bis hin zur Farbe. Dieses System hatte zur Folge, dass der Kirchturm in fünf Arbeitsgängen zu behandeln war. Doch der Aufwand lohnt sich, denn die Farbe verkieselt mit dem Putz und kann als Einheit viel länger der Witterung trotzen.

Ein Herausforderung war die Eckquaderbemalung, die in großem Maße „frei Hand“ entstehen musste, denn zum Charakter des Turmes passen keine akkurat mit dem Lineal gezogene Linien. Erneuert werden mussten auch drei der vier Zifferblätter am Turm.

Haben die Glocken nun eine bessere Klangfülle?

Vier Glocken befinden sich in der so genannten Glockenstube. Zwei stammen aus dem 14. Jahrhundert, die anderen beiden sind 1952 aufgehängt worden. Befestigt waren sie auf einem Stahljoch, das aus Sicherheitsgründen nun gegen ein Holzjoch ausgetauscht worden ist. Außerdem bekamen die Glocken neue Klöppel. Den nun an Holz befestigten Glocken wird übrigens eine bessere Klangfülle zugeschrieben. Allein die Arbeiten im Glockenstuhl an der Läuteanlage und für die drei Zifferblätter verschlingen laut Kostenvoranschlag 53 000 Euro.

Von der katholischen Kirchengemeinde aus war Josef Baiker als „Kapo“, also Ansprechpartner, für die Handwerker fast täglich auf dem Turm und äußerte sich nun hoch erfreut darüber, wie gelungen die Restaurierung geworden ist.

Info Die Pfarrgemeinderäte aus Empfingen planen jetzt aus Anlass des Abschlusses der Sanierung, nach der Sonntagsmesse am 22. November im Saal des katholischen Gemeindehauses in Empfingen einen Stehempfang zu organisieren. Eingeladen dazu sind neben allen Spendern auch die Bevölkerung. Dieser Empfang soll offiziell signalisieren, dass die Arbeiten abgeschlossen sind . Dekan Alexander Halter möchte in einer kurzen Rede dem Architekt, den Handwerkern und allen Spendern den Dank aussprechen. Der Kirchturm wird an diesem Tag auch in seinem Inneren zugänglich sein.

Empfinger Kirchturm ist saniert / 22. November Stehempfang
Der südliche, rechte Eckpfeiler des Kirchturms vor der Sanierung.

Empfinger Kirchturm ist saniert / 22. November Stehempfang
Das Bild zeigt nun den südlichen Pfeiler des Kirchturms (Richtung Kehlhof und Rathaus) nach der Sanierung mit dem größten Ersatz-Sandstein.

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05.11.2015, 12:00 Uhr

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