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Pumpspeicherkraftwerke: Nur bei Glems klemmt ‘s nicht

EnBW hält in der Region nur einen Standort für realistisch

Energiewende ohne Pumpspeicherkraftwerke? Das geht nicht zusammen. Glaubt man einer Studie der Energie Baden-Württemberg (EnBW), verfügt die Region Neckar-Alb lediglich über nur einen geeigneten Standort. Dennoch will der Regionalverband weiterplanen.

10.10.2012
  • Bernd Ulrich Steinhilber

Römerstein-Donnstetten. „Ernüchternd“ war ein viel bemühtes Wort nach dem Vortrag von Diplom-Ingenieurin Claudia Berger. Im Planungsausschuss des Regionalverbandes Neckar-Alb stellte sie gestern in Römerstein-Donnstetten die „Potenzialstudie Pumpspeicherkraftwerke“ der Energie Baden-Württemberg vor.

Danach bleibt für die Region Neckar-Alb nur Glems bei Metzingen als Standort übrig, der sich nach wirtschaftlich vertreten lasse. Doch handelt es sich dabei nicht um den vom Regionalverband für geeignet gehaltenen Standort Glems II. Und auch das vom Pfullinger Gemeinderat geforderte Pumpspeicherkraftwerk ober- und unterhalb des Gielsbergs hat es nicht in die EnBW-Studie geschafft. Freilich hieß es in der Sitzungsvorlage: „In der Region Neckar-Alb können Pumpspeicher einen bedeutenden Beitrag zum Ausgleich des fluktuierenden Stromangebots aus Windenergie und Fotovoltaik leisten.“ Drei Pumpspeicherkraftwerke wären für den eigenen Speicherbedarf erforderlich. Zwei weitere, wenn die Region als Teil von Baden-Württemberg verstanden und berücksichtigt werde, dass andere Regionen über keine geeigneten Flächen verfügen.

Von 845 Standorten mit einer Leistung von 573 Gigawatt (GW) liest man zwar in der EnBW-Studie. Doch schrumpfe nach Berücksichtigung von Ausschlusskriterien wie Besiedlung, Topografie, der möglichen Zuordnung von Ober- und Unterbecken die erhobene Zahl auf eine realistische Größe von 201 Standorten mit 116 GW, die durch kein Schutzgebiet eingeschränkt seien. Schließlich lassen sich gerade mal 13 davon mit einer Leistung von 19 GW auch wirtschaftlich darstellen – mit dem Glems-Standort sogar nur eines in der Region Neckar-Alb.

Bei 845 Megawatt sei ein Invest von 1500 Euro pro KW Leistung anzusetzen. Das sei, laut Berger, zwar realistisch, entspreche aber nicht der angestrebten Kategorie A mit 1200 Euro/kW. Untersucht hat die EnBW außerdem den Standortvorschlag Gielsberg – und zwar die kleinere Variante mit einem Pendelwasservolumen von 0,9 Millionen Kubikmetern. Bei gegebener Fallhöhe sei dieses Volumen allerdings nicht ausreichend, um das Projekt wirtschaftlich darzustellen. Dies sei erst bei einem Pendelwasservolumen von drei Millionen Kubikmetern möglich.

„Das ist die Sicht eines Energieversorgers“, zog Regionalverbandsvorsitzender Eugen Höschele sein Fazit. „Wie wir mit dem Thema regionalpolitisch umgehen, ist eine anderen Sache“, zumal, wenn man sehe, wie die Potenziale der Region von Schutzgütern eingeschränkt werden.

Diese Ansicht vertrat auch Christoph Joachim (Grüne): „Wir brauchen die Pumpspeicherkraftwerke, weil sonst die Energiewende nicht gelingt.“

Wirtschaftlichkeit sei nur ein Kriterium, meinte schließlich der Pfullinger Bürgermeister Rudolf Hess (FWV). „Wenn wir erweitern, sind wir wirtschaftlich.“ Und was die Schutzgebiete betreffe, „müssen wir am Ende wissen, ob wir uns für die neuen Energien oder andere Kriterien entscheiden“. Und für Mike Münzing (SPD) gilt: „Wir haben einen Planungsauftrag zu erfüllen und kein Wirtschaftskonzept zu erstellen.“

Schließlich nahm der Planungsausschuss die Ergebnisse der Studie samt Analyse zum Standort Gielsberg einstimmig zu Kenntnis, inklusive der von Hess beantragten Ergänzung des Beschlussvorschlags: „Weitere Untersuchungen zum Standort sind erforderlich.“

EnBW hält in der Region nur einen Standort für realistisch
Das Pumpspeicherkraftwerk (PSKW) Glems bei Metzingen liefert einen wichtigen Beitrag zur zuverlässigen Stromversorgung. Die Energieversorgung Baden-Württemberg (EnBW) hält nach einem Suchlauf nur bei Glems einen weiteren Standort für ein solches Kraftwerk für wirtschaftlich vertretbar.

Seit Jahrzehnten sind in Glems und Kirchentellinsfurt Pumpspeicherkraftwerke in Betrieb. Zunächst fünf weitere Standorte hat der Regionalverband in einem Suchlauf für geeignet befunden: Glems II, Gielsberg (Pfullingen und Sonnenbühl), Weiherbach (Mössingen und Burladingen), Heiligenbach (Burladingen und Hechingen) und Reichenbach (Albstadt, Burladingen und Hechingen). Glems II, Gielsberg und Reichenbach wurden durch Gemeinderatsbeschlüsse bestätigt. Albstadt und Meßstetten haben in Eigeninitiative einen weiteren Standort beschlossen. Stellungnahmen im Beteiligungsverfahren werden in einer Synopse zusammengestellt.

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10.10.2012, 12:00 Uhr

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