Blockheizkraftwerk für Horb

Die Bauarbeiten schreiten voran

In der Horber Weststadt entsteht eine Heizzentrale, die mit erneuerbaren Rohstoffen betrieben wird. Bei der Realisierung gab es Verzögerungen.

01.02.2019

Von Rita Ott

Die beiden grünen Pelletspeicher für das Blockheizkraftwerk liegen bereit und warten auf ein Dach. Sie werden, wenn das Gebäude steht, in die neue Heizzentrale gesetzt. Sie ist der Ausgangspunkt für das Nahwärmenetz, die Biomasse soll die Grundlast decke.

Die beiden grünen Pelletspeicher für das Blockheizkraftwerk liegen bereit und warten auf ein Dach. Sie werden, wenn das Gebäude steht, in die neue Heizzentrale gesetzt. Sie ist der Ausgangspunkt für das Nahwärmenetz, die Biomasse soll die Grundlast decke.

Eigentlich sollte das Gebäude schon letztes Jahr im Juni stehen. So der Plan – doch der hat nicht geklappt. Verantwortlich für die Verzögerung ist die gute Baukonjunktur. Die Stadtwerke hatten die Erstellung der Halle und die Technik für die Anlage ausgeschrieben. „Bei der ersten Ausschreibung für die Technik im Frühjahr 2018 haben wir keine Angebote bekommen“, bedauert Eckhardt Huber, Betriebsleiter der Stadtwerke Horb. „Da haben wir gesagt: Ohne Technik brauchen wir auch keine Halle.“ Im Sommer wurde dann beides erneut ausgeschrieben, dieses Mal mit dem Zugeständnis, den Unternehmen mehr zeitlichen Spielraum zu lassen. „Die Baukonjunktur boomt derzeit, sodass die Unternehmen keine Kapazitäten hatten, um zusätzliche Aufträge anzunehmen“, so Huber. Die Angebote wurden geprüft und nach der Sommerpause hat der Gemeinderat die Aufträge vergeben.

Jetzt ist das Grundstück vorbereitet für die Beton-Bodenplatte, die diese Woche gegossen werden sollte. Doch vorläufig macht diesmal das Wetter, vor allem der Schneefall der vergangenen Tage, dem Aufbau einen Strich durch die Rechnung. Doch sobald es die Witterungsverhältnisse zulassen, geht es weiter. So schnell wie möglich wird die Halle gebaut, damit zügig nach dem Winter die Technik eingebaut werden kann. Die Inbetriebnahme ist für Ende August geplant, „so haben wir’s mit den Firmen vereinbart“, informiert Huber.

Projekt begann im Frühjahr 2018

Die Vorbereitungen zum Aufbau eines Nahwärmenetzes und einer neuen Heizzentrale an der Ecke Fürstabt-Gerbert-Straße/An den Kelterwiesen haben im Frühjahr vergangenen Jahres begonnen. Dieses Nahwärmenetz ist Teil des Quartierkonzepts Horber Weststadt, das die Stadtwerke zusammen mit der Energieagentur Horb und „endura kommunal“ erstellt haben. Im Sommer 2017 erfolgte der Gemeinderatsbeschluss, dass dieses Konzept umgesetzt werden soll – und damit die Heizzentrale zur Versorgung der Gebäude in der Weststadt, wie etwa Kreisberufsschule, Gymnasium, Stadionhalle und Tauchsteinhalle. Auch Gewerbebetriebe wie Georgii Kobold gehören zu den Abnehmern.

Längere Zeit wurde nach einem geeigneten Standort gesucht – und schließlich gefunden: Die Stadt konnte ein Grundstück auf dem Areal, das der Firma Georgii Kobold gehört hat, kaufen. Die alte Lagerhalle wurde abgerissen und der Bau der Heizzentrale sollte beginnen.

Ziel ist, über das Quartierskonzept den CO2-Aussstoß zu reduzieren, der momentan noch durch nicht-regenerative Energien wie Heizöl oder Gas erzeugt wird. Dies geschieht durch eine Biomasse-Kraft-Wärme-Kopplungsanlage.

Das Grundstück wurde vorbereitet, die Bushaltestelle in der Fürstabt-Gerbert-Straße verlegt. Parallel begannen die Leitungsbauarbeiten entlang der Haupttrassen des Nahwärmenetzes. Dabei wurden in diesem Gebiet, wo nötig, auch alte Wasserleitungen und Kanalrohre ausgetauscht. Und: Zusammen mit den Leitungen für die Nahwärme hat die Stadt Micropipes, also Leerrohre für Glasfaseranschlüsse verlegen lassen. Damit sind die Voraussetzungen für schnelles Internet in diesem Gebiet geschaffen.

Das Blockheizkraftwerk

Im Pellet-Blockheizkraftwerk (BHKW) wird mittels der Biomasse-Kraft-Wärme-Kopplung aus einem regenerativen Energieträger Wärme und Strom gewonnen. Es wird thermische Energie erzeugt, die bei der Verbrennung des Holzes entsteht. Diese Wärme wird durch Wärmetauscher an das Heizwasser im Heizungskreislauf abgegeben oder in einen Pufferspeicher eingespeist. Im Horber Westen wird sie in ein Nahwärmenetz eingespeist. Die Abnehmer im Quartiers-Gebiet nutzen die Energie für die Wärme- und Stromversorgung.

Das Gebäude für die neue Heizzentrale wird bei einer Grundfläche von 28 auf 15 Metern zwischen rund 7 und 9 Meter hoch. Es bekommt ein Pultdach, das zur Straße An den Kelterwiesen hin niedriger ist. In diese Halle kommen dann Holzvergaser, BHKW, zwei Pelletspeicher und ein Spitzenlastkessel. Dieser greift ein, falls die Leistung von Speicher und Holzvergaser je einmal nicht reichen sollten, etwa bei ganz niedrigen Temperaturen um minus 15 Grad. Die Biomasse soll den Grundbedarf, die Grundlast, decken. So ersetzen regenerative Energien Gas- und Ölheizungen – der CO2-Ausstoß wird damit reduziert. Eine gute Sache also. Und: Die Anlage ist erweiterungsfähig, es gibt Platz genug, um ein zweites Blockheizkraftwerk nachzurüsten, wenn noch mehr Abnehmer dazu kommen.

Ist das Ganze fertiggestellt, können in der jetzigen Ausbaustufe 2400 Kilowatt Heizleistung erzeugt werden. Diese 2400 Kilowatt stehen permanent zur Verfügung und sind jederzeit abrufbar. Das Verteilnetz hat eine Länge von rund 2,3 Kilometern. Die Wärmeabgabe errechnet sich aus dem, was die Anschlussnehmer bisher verbraucht haben. Das heißt, der Wärmebedarf wird pro Jahr voraussichtlich bei 3,5 Millionen Kilowattstunden liegen. Zum Vergleich: Ein Einfamilienhaus mit vier Personen braucht durchschnittlich etwa 25 000 Kilowattstunden im Jahr.

Im Quartiersbereich wird zusätzlich durch regenerative Energien Strom erzeugt: Ein paar „brach liegende“ Dachflächen haben die Stadtwerke bereits mit weiteren Photovoltaikanlagen ausgestattet.

Für die Bodenplatte zum Aufbau der Heizzentrale für die Horber Weststadt ist alles vorbereitet. Am Tag der Entstehung des Fotos hatte die Unterkonstruktion allerdings eine Schneedecke. Die neue Heizzentrale entsteht an der Ecke Fürstabt-Gerbert-Straße/An den Kelterwiesen. Die Vorarbeiten für das Nahwärmenetz begannen bereits Mitte März 2018. Bilder: Karl-Heinz Kuball

Für die Bodenplatte zum Aufbau der Heizzentrale für die Horber Weststadt ist alles vorbereitet. Am Tag der Entstehung des Fotos hatte die Unterkonstruktion allerdings eine Schneedecke. Die neue Heizzentrale entsteht an der Ecke Fürstabt-Gerbert-Straße/An den Kelterwiesen. Die Vorarbeiten für das Nahwärmenetz begannen bereits Mitte März 2018. Bilder: Karl-Heinz Kuball

Laufende Bauarbeiten und Kraft-Wärme-Kopplung

Bauarbeiten im Quartier: Teils waren und sind ganze Straßenzüge von den Austausch- und Aufbauarbeiten der Leitungen im Rahmen des Quartierskonzepts Horber Weststadt betroffen: Badstraße, Jahnstraße und Haffnerstraße, aber auch Tauchsteinweg, Im Blumengarten und Teile der Ihlinger Straße, Fürstabt-Gerbert-Straße und Stadionstraße. Letztere ist weitgehend fertig, einseitig teilweise gesperrt ist sie deshalb, weil sie genutzt wird zum Abstellen von Materialien und Fahrzeugen, die für die Baustelle in der Jahnstraße gebraucht werden; dort ist kein Platz.

Die Bauarbeiten in der Jahnstraße werden noch bis April/Mai dauern. Jetzt folgen die Kanal- und Wasserleitungsarbeiten von der Straße im Blumengarten bis hoch zur Jahnstraße. Und dann werden im zweiten Teil der Jahnstraße Kanal-, Wasser- und Wärmeleitungen und Leerrohren für Glasfaser verlegt.

Ein Blockheizkraftwerk (BHKW) ist eine modular aufgebaute Anlage zur Gewinnung elektrischer Energie und Wärme. Dafür wird das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung genutzt. Der ökologische und wirtschaftliche Grundgedanke: Die erzeugte Wärme und möglichst auch der Strom sollen vor Ort oder im nahen Umfeld genutzt werden. Nicht gebrauchter Strom wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist. BHKWs haben einen hohen Wirkungsgrad.