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Kommentar

Endlich mehr Geld für bezahlbares Wohnen

„Ich denke, wir schaffen das“, antwortet Gerhard Breuninger auf die Frage, ob Flüchtlinge in Tübingen mit Wohnraum versorgt werden können. Der Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsgesellschaft GWG fügt allerdings hinzu: „Wenn die Strukturen dafür geschaffen werden.“ Wenn also rasch genügend Wohnungen gebaut werden – die bitteschön nicht immer teurer werden dürften. Weshalb der GWG-Chef auch dringend davon abrät, die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016 nochmals zu verschärfen.

13.11.2015
  • Volker Rekittke

Allein diese Novelle verteuere Neubauten um 7 Prozent – bei vergleichsweise geringem Klimaschutzeffekt. Oder das Beispiel Hochwasserschutz: Wegen strengerer Vorschriften habe die GWG drei bereits geplante Häuser im Tübinger Westen, an der Ammer südlich der Sindelfinger Straße, doch nicht bauen können. Keine Kompromisse kann sich Breuninger hingegen beim Brandschutz vorstellen.

Noch vor ein paar Monaten hatte der Tübinger Gemeinderat die städtische Tochtergesellschaft mit 1 Million Euro Extra-Kapital ausgestattet – verbunden mit der Auflage, insgesamt 5 Millionen Euro in den sozialen Wohnungsbau zu investieren. Seitdem ist viel passiert. Die Politik, so scheint es, hat endlich begriffen, dass in vielen Ballungsräumen und Studentenstädten günstiger Wohnraum äußerst rar ist. Dass etwas geschehen muss. Fast könnte man den Flüchtlingen dafür dankbar sein.

Die städtische Tochter GWG jedenfalls, großes Lob, will jetzt richtig viel Geld in die Hand nehmen: 24 Millionen Euro für Flüchtlingsquartiere in den kommenden zwei Jahren, plus 12 Millionen Euro für „normale“ Sozialwohnungen. Denn bezahlbaren Wohnraum brauchen in Tübingen nicht nur Flüchtlinge. „Alle sollen die Chance haben, eine Wohnung zu bekommen“, sagt Breuninger. 450 Alleinstehende, Paare und Familien mit Wohnberechtigungsschein stehen auf der Warteliste der GWG.

Schon wahr: Besonders in der Pflicht steht der Bund, der viel mehr Möglichkeiten hat als das Land, sich über Steuern Geld zu beschaffen. Jedoch: Unter Grün-Rot wurde der soziale Wohnungsbau im Südwesten lange links liegengelassen. Breuninger spöttelt zu Recht über jenes „Progrämmchen“. Völlig anders im schwarz regierten Bayern oder im rot-grünen NRW: Dort habe man die Wohnungsbauprogramme mit viel mehr Geld ausgestattet.

Der freie Wohnungsmarkt wird’s schon richten – das war allzu lange die Parole. Ja: In Tübingen versuchte die Verwaltung früher und energischer als anderswo, die kärglichen und mit unattraktiven Auflagen versehenen Landesgelder fürs soziale Wohnen abzurufen. Es reichte nicht. In der Alten Weberei etwa beträgt der Sozialwohnungsanteil magere 11 Prozent. Angesichts der schon seit Jahren dauertiefen Zinsen: Auf ein großes kommunales Bauprogramm hätte die Stadt auch früher kommen können.

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13.11.2015, 12:00 Uhr

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