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Energiesee sorgt für Spannung
Vom Schluchsee aus fließt das Wasser in das Kraftwerk Häusern. Im Hintergrund das Schwarzabecken. Foto: Schluchseewerk AG
Stromversorgung

Energiesee sorgt für Spannung

Der Schluchsee soll weiter als Pumpspeicher genutzt werden. Doch auch Wassersportler, Angler und Tourismus melden Ansprüche an.

16.11.2016
  • PETRA WALHEIM

Schluchsee. Ein See – viele Interessen. Da bleiben Konflikte nicht aus. Die waren in den vergangenen 80 Jahren einigermaßen im Frieden. Am 16. März 2017 läuft nun aber die wasserrechtliche Genehmigung für die Nutzung des Schluchsees als „größte Batterie Deutschlands“ aus. Die Schluchseewerk AG hat beim Regierungspräsidium Freiburg eine neue Genehmigung beantragt. Die Chance, in der Bewirtschaftung des Gewässers im Südschwarzwald etwas ändern zu können, lässt alte Konflikte neu aufbrechen. Die Naturschützer fordern, dass nicht so viel Wasser aus dem Feldberggebiet abgezogen wird, Segler, Angler und Tourismus wollen geringere Schwankungen des Wasserstands.

Das Problem ist, dass der Schluchsee in erster Linie ein Stromspeicher ist. Das heißt, mit seinem Wasser wird Strom erzeugt. Immer dann, wenn die Spannung im Netz durch erhöhten Strombedarf oder fehlende Wind- und Sonnenenergie abfällt, werden die Schleusen des Schluchsees geöffnet. Wasser strömt über eine dreistufige Kaskade von Kraftwerken 27 Kilometer weit durch Rohre 600 Meter in die Tiefe und treibt Turbinen an. „Pumpspeicher sind für die Integration der erneuerbaren Energien unverzichtbar“, sagt Projektleiter Andreas Schmidt. Sie seien „die Feuerwehr für eine stabile Stromversorgung“.

Ist genügend Strom im Netz und der Preis dafür niedrig, wird das Wasser, das in den unteren Staubecken der Kraftwerke gespeichert ist, wieder nach oben in den Schluchsee gepumpt. Dieser ständige Wechsel hat zur Folge, dass der Wasserstand im Schluchsee stark schwankt. Bisher kann die Schluchseewerk AG den Wasserstand im See ganzjährig zwischen 930 und 888 Meter über Normalnull (NN) „bewegen“. In den Sommermonaten hält sich das Unternehmen jedoch freiwillig an den „Pfingstpegel“ und lässt das Wasser nicht unter 924 Meter ab.

Für die neue Genehmigung beantragt die Schluchseewerk AG, das Wasser im Winter bis maximal 914 Meter über NN ablassen zu dürfen, im Sommer um einen Meter tiefer als bisher, bis 923 Meter über NN. In „energiewirtschaftlichen Sondersituationen“ kurzzeitig bis 922 Meter über NN. Das bringt vor allem die Segler in Schwierigkeiten. „Bei 924 Meter haben wir gerade noch eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“, sagt Kristian Raue, Vorsitzender des Segelvereins Schluchsee. Bei 923 Meter laufen die Boote auf Grund. „Wenn das Regierungspräsidium die Absenkung auf 922 Meter genehmigt, ist das das Ende des Segelsports am Schluchsee“, befürchtet Raue.

Jürgen Kaiser, Bürgermeister der Gemeinde Schluchsee, sieht durch die neuen Pegelstände den Tourismus gefährdet. Falle der Wasserstand tiefer als bisher, kämen in den Flachwasserzonen, wo die Badebetriebe sind, der Schlick zum Vorschein. „Das sieht nicht schön aus, riecht nicht gut und schadet dem Tourismus.“ Der mache am See einen erheblichen Teil der Wirtschaftskraft aus. „Viele leben hier vom Tourismus.“

Auch die Fischerei sei durch die Schwankungen stark beeinträchtigt, sagt Ingo Kramer, Geschäftsführer der Außenstelle Freiburg des Landesfischereiverbands. Die natürliche Reproduktion der Fische funktioniere nicht, weil der Laich entweder unter Wasser liege oder trocken falle. In beiden Fällen gehe er kaputt. Mit schwimmenden Laichinseln könne das etwas abgefangen werden. Trotzdem müssten jährlich Fische eingesetzt werden.

Fischer und Naturschützer fordern auch, dass Bächen am Feldberg mehr Wasser gelassen wird. Aktuell wird das Wasser für den Schluchsee abgezapft, so dass sie trocken fallen. „Das sind oft nur noch Rinnsale“, sagt Ulrich Faigle, Geschäftsführer der Regional-Geschäftsstelle Hochrhein des BUND. Auch wenn das seit 80 Jahren so sei, dürfe das nicht heißen, dass es so bleiben muss, sagt er. Die Schluchseewerk AG hat sich bereit erklärt, den Bächen eine Mindestwassermenge zu lassen. „Das ist ein Energieverlust von 10 Prozent“, sagt Andreas Schmidt. 10 Millionen Kilowattstunden würden weniger produziert. „Das ist Strom für 7000 Personen.“

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16.11.2016, 06:00 Uhr

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