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Engagement auf Gegenseitigkeit
Fluchtursachen angehen: Angela Merkel besucht Afrika. Foto: afp
Berlin

Engagement auf Gegenseitigkeit

Angela Merkel wendet sich verstärkt dem Kontinent zu. Die Flüchtlingskrise treibt die Bundeskanzlerin dazu an.

07.10.2016
  • GUNTHER HARTWIG

Berlin. Man kann nicht sagen, dass Angela Merkel in ihren elf Amtsjahren Afrika stiefmütterlich behandelt hätte. Sieben Mal war die Kanzlerin seit 2005 dort. Als Gastgeberin des G-8-Gipfels von Heiligendamm lud sie 2007 wichtige Staatsmänner aus Afrika an die Ostseeküste, und wenn Merkel Anfang Juli 2017 als Vorsitzende die G-20-Staaten in Hamburg empfängt, steht die Entwicklung des Nachbarkontinents ganz oben auf der Tagesordnung.

Allerdings ist die „neue Zuwendung“ der Kanzlerin gegenüber Afrika, wie selbst ihre Berater einräumen, eher eine Reaktion auf die aktuelle Flüchtlingskrise als die Fortsetzung ihrer bisher ausbaufähigen Kontakte zu afrikanischen Ländern und deren Führungen. Auch wenn Experten seit vielen Jahren prophezeit hatten, dass sich besonders junge Menschen aus Afrika gen Europa aufmachen werden, um Elend, Krieg und Perspektivlosigkeit zu entrinnen, haben erst die jüngeren Ereignisse die Kanzlerin dazu bewogen, ihr Augenmerk verstärkt auf Afrika zu richten und mehr Verantwortung für den armen Kontinent als bisher zu übernehmen.

Nicht zufällig also besucht Angela Merkel ab Sonntag mit Mali und Niger zwei von fünf Staaten, mit denen die EU „Migrationspartnerschaften“ anstrebt. Das erklärte Ziel der Europäer ist die Eindämmung der Fluchtbewegung über das Mittelmeer. Auch Äthiopien, die dritte Station auf Merkels dreitägiger Visite, spielt in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle. Das Land beherbergt 750 000 Flüchtlinge aus dem Sudan, Eritrea und Somalia, die Regierung in Addis Abeba erwartet weitere finanzielle EU-Hilfe. Zudem eröffnet die Kanzlerin dort das mit deutschen Entwicklungsgeldern erbaute Julius-Nyerere-Zentrum für Frieden und Sicherheit und trifft sich mit der Spitze der Afrikanischen Union.

Freilich setzt die EU bei ihren „Migrationspartnerschaften“ weniger auf die AU, die wenig durchsetzungsfähige und effiziente Organisation der afrikanischen Staaten. Vielmehr sollen jeweils bilaterale Abkommen und Projekte mit kooperationswilligen Ländern vereinbart werden, um der jungen Generation in Afrika Ausbildungs- und Arbeitschancen zu eröffnen. „Wenn wir deutsche Interessen verfolgen wollen“, so erklärt es die Bundeskanzlerin, „müssen wir realistischerweise sagen, dass auch das Wohl Afrikas im deutschen Interesse liegt.“ Das klingt so ähnlich wie Peter Strucks Diktum, Deutschlands Freiheit müsse auch am Hindukusch verteidigt werden.

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07.10.2016, 06:00 Uhr

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