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Engagierte Vorkämpferin
Rebecca Harms. Foto:afp
Rebecca Harms

Engagierte Vorkämpferin

Im Rückraum des großen Theaterdonners um den Abgang seines Präsidenten Martin Schulz spielte sich im EU-Parlament ein kleineres Drama ab, in das die Beteiligten mindestens so viel Herzblut investieren.

03.01.2017
  • KNUT PRIES

Im Mittelpunkt stand eine Frau, die sechseinhalb Jahre Frontfigur der Grünen-Fraktion war und nun, mit einigen unschönen Begleitgeräuschen, ins Glied zurückgetreten ist. Es ist die Geschichte von Rebecca Harms, eine europäische Laufbahn, die nun einen Knick nach unten bekommt. Harms selbst sieht die Entwicklung eher als Befreiung.

Die gelernte Gärtnerin aus Niedersachsen hat sich in der Heimat einen Namen als Anti-Atom-Aktivistin gemacht, vor allem im Kampf gegen das Endlager Gorleben. Nach Brüssel kam sie 1984 als parlamentarische Assistentin. 20 Jahre später zog sie an der Spitze der Grünen-Liste selbst als Abgeordnete ins Hohe Haus ein. Ab 2010 führte sie die Fraktion, erst als weibliches Pendant zu Dany Cohn-Bendit, zuletzt an der Seite des belgischen Kollegen Philippe Lamberts.

Inhaltliche Differenzen

Als politische Anführerin ist Harms das Gegenteil der vor Ehrgeiz berstenden Kampfmaschine Schulz: vom Temperament her zurückhaltend, aber hartnäckig; klug, aber manchmal umständlich; emotional engagiert, aber selten mitreißend, eher besonnen als durchsetzungsstark. Echt grün? Fest steht: Ein Herz und ein Seele waren sie nicht mehr, die Ex-Vorsitzende Harms und die bislang von ihr geführte Parlamentariertruppe.

Grund dafür sind neben persönlichen auch inhaltliche Differenzen. Ceta, das Handelsabkommen der EU mit Kanada, kritisiert Harms in manchen Punkten, lehnt es aber nicht prinzipiell ab. Oder Griechenland, der Euro-Pflegefall. Nicht alles, was Finanzminister Schäuble will, sei Teufelswerk, meint Harms. Oder Russland: Harms steht dem russischen Präsidenten wegen seiner Ukraine-Politik besonders kritisch gegenüber.

Man fragt sich nun, ist das Hauptfeld der EU-Grünen radikaler geworden? Oder ist die einstige Barrikaden-Kämpferin abgedriftet in die Kretschmannzone? „Die Widersprüche gab es immer schon. Sie sind zuletzt nur sichtbarer geworden.“ Für Harms sind die Differenzen wesentlich eine Frage des Tons der Debatte. „Wir stehen als demokratische Staaten mit dem Rücken an der Wand. Da kann man nicht dauernd verkünden, dass wir es hier mit einer technokratischen Bande zu tun haben, die die europäische Demokratie zerstören will.“ Knut Pries

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03.01.2017, 06:00 Uhr

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